Schlechterer Standort

Der Bauernmarkt in Liestal ist und bleibt ein verschupftes Kind

Das Bauernmarkt-Angebot ist auch an der Rosengasse gluschtig, wird aber weniger genutzt.

Das Bauernmarkt-Angebot ist auch an der Rosengasse gluschtig, wird aber weniger genutzt.

Die Marktfahrer am Liestaler Bauernmarkt mussten ihren Platz beim Törli räumen, weil dort jetzt Baustellenverkehr durchfährt. Vor sechs Jahren wurden sie vom Fischmarkt vertrieben, jetzt müssen sie ihren Platz erneut räumen. Gegen ihren Willen.

Sie werden verpflanzt, je nachdem woher der Wind weht. Die Rede ist von den Standbetreibern des Liestaler Bauernmarktes, die bis vor sechs Jahren Gastrecht auf dem Fischmarkt genossen. Dann wollten Politiker den Bauernmarkt an einen in ihren Augen attraktiveren Ort verschieben, und die Marktfahrer wurden gegen ihren Willen – die bz schrieb damals gar von einem «Bauernaufstand» – ans Törli umgesiedelt.

Inzwischen fühlten sie sich dort wohl, wurden aber nun vor zwei Wochen erneut umgesiedelt an die Rosengasse (dienstags) respektive auf den Zeughausplatz (samstags), da das Törli frei sein muss für den Baustellenverkehr rund um den Abriss und Neubau des ehemaligen Manors an der Rathausstrasse.

Die drei Standbetreiber, die gestern ihre Ware am neuen Ort feilboten, nahmen die neuste Verpflanzung erstaunlich gelassen, obwohl ihnen an der Rosengasse die Laufkundschaft zu einem grossen Teil fehlt.

Annemarie Goll, eine ehemalige Bäuerin aus Hölstein, die vor allem Bio-Gemüse aus der Region anbietet, sagt es so: «Wir haben eine gute Stammkundschaft, die auch hierherkommt. Aber die Rosengasse ist schon etwas weg vom Schuss.»

Auch Franz Kreienbühl aus dem Luzerner Hinterland, der seit drei Jahren einen Stand am Liestaler Bauernmarkt betreibt, kann auf seine Stammkunden zählen. Er kennt deren Gewohnheiten schon so gut, dass er genau weiss, was er für sie auf dem heimischen Hof an Produkten von seinen Evolèner Kühen, Pfauengeissen und Engadiner Schafen sowie an Brotwaren, Konfitüren und anderem mehr einpacken muss.

Doch daneben hatte er beim Törli vor allem über Mittag auch zahlreiche Laufkunden. Kreienbühl: «Das Törli ist ein guter Platz. Hier an der Rosengasse kommt ab zwölf Uhr niemand mehr.» Ähnlich tönt es auch bei Yvonne Grazioli vom Sissacher Hof Fluhberg, die in Liestal seit 20 Jahren Obst, Früchte und Kirsch von den heimischen Gefilden verkauft.

Noch nicht viel können die Marktfahrer zu den Umsätzen am neuen Ort sagen; beim Törli bewegten sich diese je nach Stand zwischen 400 bis 1000 Franken pro Halbtag.

Auch wenn der Liestaler Bauernmarkt mit bis zu acht Ständen eher klein ist, ist er ein belebendes Element für den Kantonshauptort. Das hat auch Manor gemerkt und dem Bauernmarkt Gastrecht auf dem Vorplatz seines neuen Einkaufscenters im Bücheli angeboten. Doch René Frei, Bereichsleiter Sicherheit der Stadt Liestal, winkte ab. Man brauche den Raum dort im Notfall als Fluchtweg und für die Feuerwehr.

Einzig wenn man den Verkehr im Bücheli sperren würde, hätte es genug Platz für den Markt. Doch, so ergänzt Frei, sei dies ein politischer Entscheid und ein längerer Prozess, in den auch die Autobus AG und die Polizei miteinbezogen werden müsse.

In vier Wochen wolle man die Erfahrungen mit den beiden jetzigen Marktstandplätzen auswerten und «die heutige Lösung evaluieren».

Bauernmarkt ist erwünscht

Was die beste Lösung wäre, ist für Stadträtin Regula Nebiker klar: «Optimal wäre ein Bauernmarkt mitten in der erneuerten, ebenerdigen Rathausstrasse». Doch das sei langfristig gedacht, denn im Moment fehle das Geld für die Erneuerung von Liestals zentraler Einkaufsstrasse. Und mit den bestehenden Trottoirs, dem Baustellenverkehr und den zubringenden Coop-Lastwagen sei die Rathausstrasse zu eng für den Markt.

Skeptisch ist Nebiker gegenüber einer Verschiebung des Bauernmarkts ins Bücheli: «Das ist zwar mittelfristig denkbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Ich persönlich finde das aber nicht so toll, weil das wieder Leben aus dem Stedtli abzieht.»

Definitiv gestorben ist die Allee als Standplatz für den Bauernmarkt, weil dies querbeet von der Politik bis zu den Marktfahrern als zu unattraktiv eingestuft werde, sagt Nebiker.

Und sie betont: «Der Bauernmarkt ist klar erwünscht in Liestal. Es braucht jetzt einfach etwas Geduld, und man muss miteinander reden.» Sie gesteht aber auch ein: «Der Wegzug vom Törli ist suboptimal gelaufen.»

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