«Bernhard Segesser ist ein Mensch, der nicht gegen aussen zeigen muss (oder will), was er erreicht hat. Er kommt bescheiden daher.» Die Sätze stammen aus dem Buch «Bernhard Segesser. Der Skorpion mit dem Skalpell». Die Stelle ist etwas versteckt, was aber umso bezeichnender ist – handelt es sich bei Segesser doch um den bekanntesten orthopädischen Chirurgen und Sportarzt der Schweiz. Verfasst hat die Biografie, die am Montag im Rahmen einer Vernissage vorgestellt wurde, Jürg Wirz. Er kennt Segesser seit den Olympischen Spielen 1976 in Montréal.

Was hat das alles mit Basel zu tun? Mehr, als auf den ersten Blick zu erwarten wäre. Denn Segesser, dessen Grossmutter aus Russland stammt, der in Bern geboren und aufgewachsen ist, in Jemen und Jordanien für das Rote Kreuz arbeitete, an den Olympischen Spielen in Innsbruck und Montréal, Los Angeles, Calgary und Seoul sowie Barcelona als Arzt wirkte, war die längste Zeit seines Schaffens in Muttenz tätig. Dort war Segesser 1981 Mitbegründer der Rennbahnklinik. Ein Haus mit Sonderstellung – war es damals doch die erste Sportklinik der Schweiz.

Das 247 Seiten zählende Werk zeichnet das Leben Segessers bis ins Detail nach – manchmal geht es vielleicht etwas gar stark ins Detail. Dennoch: Das Buch über den berühmtesten Berner in Basel ist lesenswert. Weil es zeigt, wie revolutionär der heute 76-Jährige im Bereich der Sportmedizin immer war. Wie vielseitig begabt er war, etwa als Geiger.

Und vor allem macht es klar, welchen Status er in der Welt der Sportmedizin geniesst. Seine bekannteste Operation war jene am «Knie der Nation» von Pirmin Zurbriggen, der nur drei Wochen nach dem Eingriff Abfahrts-Weltmeister wurde. Zurbriggen kommt im Buch auch zu Wort, ebenso viele weitere prominente Patienten Segessers: Olympiasiegerin Dominique Gisin, Kugelstösser Werner Günthör oder Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG.

Sie alle sind sich einig: Ohne Segesser hätten sie nie mehr auf demselben Niveau Sport betreiben können wie vor ihren Verletzungen. Deshalb springen sie gerne ein, um zu zeigen, wie bedeutend sein Wirken war.

   

Bernhard Segesser. Der Skorpion mit dem Skalpell. Von Jürg Wirz. Weitere Infos: www.werdverlag.ch