Ergolz

Der Biber fühlt sich in Liestal nicht zu Hause

Der Liestaler Stadtrat – mit Begleitung – auf Bibersuche in Lausen (von links): Susanne und Franz Kaufmann, Lukas Ott, Astrid Schönenberger und Daniel Muri.  Foto: Juri Junkov

Der Liestaler Stadtrat – mit Begleitung – auf Bibersuche in Lausen (von links): Susanne und Franz Kaufmann, Lukas Ott, Astrid Schönenberger und Daniel Muri. Foto: Juri Junkov

In der Region sind rund 12 Biber heimisch, in Liestal fühlen sich die Tiere durch die Zustände an der Ergolz allerdings nicht wohl. Der Liestaler Stadtrat geht deshalb in der Nachbargemeinde auf Biberexkursion.

Die Affiche sagte schon einiges: Der Liestaler Stadtrat musste am Dienstagabend für eine Biberexkursion mit der Leiterin der kantonalen Biberfachstelle, Astrid Schönenberger, in den Nachbarort Lausen ausweichen. Denn in Liestal, wo die Ergolz sich über eine Strecke von rund drei Kilometern dahinzieht und eigentlich Lebensraum für zwei Biberfamilien böte, kommt der putzige Nager nicht vor.

Das ist ein vernichtendes Urteil aus unbestechlicher Tiersicht, denn der Biber nimmt offensichtlich lieber weite Wege unter seine Schwimmhäute, als sich im Liestaler Bachabschnitt nieder zu lassen: Der Biber hat vor elf Jahren begonnen, die Ergolz von deren Mündung in den Rhein her zu besiedeln. Inzwischen lebt laut Schönenberger ein Dutzend in den Räumen Augst, Füllinsdorf, Lausen, Sissach und sogar am Anwiler Weiher. Der Grund, dass die Biber Liestal geschnitten haben, sind die schmalen Uferstreifen, wo die Tiere kaum Nahrung und Platz für den Nestbau finden. Wobei zu präzisieren ist: Einst lebte eine Biberfamilie für kurze Zeit auf der Höhe der Elektra Baselland. Das habe für eine sehr gute Stimmung bei den Leuten gesorgt, die die Tiere beobachten kamen, erzählt Schönenberger. Wahrscheinlich habe eine Ausholzaktion die Tiere dann vertrieben.

Raus aus dem Korsett

Dass die Liestaler Stadtväter die Sicht des Bibers teilen, zog sich wie ein roter Faden durch die Exkursion im Exil – auch sie halten das Ergolzufer auf Liestaler Boden im heutigen Zustand für unwirtlich. So stellte Stadtpräsident Lukas Ott die Frage in den Raum: «In Liestal ist die Ergolz kein Natur- und Erholungsraum. Was ist nun die grösste Wohltat, die wir für Biber und Mensch tun können?» Und er gab die Antwort gleich selbst: «Wir müssen den Bach vom Korsett befreien.» Und das Korsett besteht in erster Linie aus der Umfahrungsstrasse A 22, die teils direkt entlang der Ergolz, teils sogar darüber verläuft. Der Stadtrat befürchtet zudem, dass die in ein paar Jahren anstehende Gesamtsanierung der A 22 dem Bach sozusagen den ökologischen Gnadenschuss gibt. Stadtrat Franz Kaufmann machte denn auch ein Fragezeichen hinter die Bewilligungsfähigkeit des Sanierungsprojekts.

Der Stadtrat will nun als Konsequenz der Exkursion auch das kantonale Revitalisierungskonzept des Orisbachs auf dessen Biberfreundlichkeit überprüfen. Denn auch dieser Bach wäre laut Schönenberger wie die meisten grösseren Fliessgewässer im Kanton für den relativ anspruchslosen Biber geeignet. Derzeit lebt der pelzige Vegetarier nur entlang der Ergolz und der Birs. Dort schätzt Schönenberger den Bestand auf acht Tiere. Die Lausner Familie übrigens verlor vor ein paar Wochen die Mutter. Sie wurde überfahren auf der Lausner A 22-Ausfahrt gefunden.

Der Stadtrat aber bekam am Dienstag keine Biber zu sehen, dafür gefällte Bäume als untrügliches Zeichen ihrer Präsenz.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1