Basler Musikexport

Der Bünzli mit dem Jetset-Leben: «Wenn ein DJ Antoine A sagt, sagt er auch B»

DJ Antoine alias Antoine Konrad an seinem Arbeitsort in Oberwil. Im ehemaligen Polizeiposten hat der Baselbieter sein eigenes «Imperium» aufgebaut, wie er es nennt.

DJ Antoine alias Antoine Konrad an seinem Arbeitsort in Oberwil. Im ehemaligen Polizeiposten hat der Baselbieter sein eigenes «Imperium» aufgebaut, wie er es nennt.

Zur Heimat hat der heute 42-jährige DJ Antoine ein ambivalentes Verhältnis. In der Schweiz ist es nicht einfach, erfolgreich und selbstbewusst zu sein. Wir haben dem Star-DJ einen Besuch abgestattet.

Wenn man so viel erreicht hat, darf man auch mal in der dritten Person von sich sprechen. «Wenn ein DJ Antoine A sagt, sagt er auch B», sagt DJ Antoine. Und so hat der Baselbieter Star-DJ Wort gehalten, als er dem ungarischen Künstler Attila Adorjàn versprach, «mal etwas gemeinsam zu machen». «Ich hab ihm gesagt, dass ich kein Galerist bin und auch kaum Zeit habe. Aber wenn, dann machen wirs richtig.

Und etwas Spezielles, etwas, das uns von den anderen 7000 Galeristen unterscheidet.» Für die Art, die nächste Woche beginnt, hat er nun seinen vor zwei Jahren erstandenen Polizeiposten in Oberwil umwandeln lassen in die vielleicht exklusivste Location der ganzen Messe. Wer eingeladen ist oder eine Menge Geld aufbringt, der wird hier nicht nur Kunst bestaunen können, sondern wird von Zwei- und Drei-Sterneköchen wie Andreas Caminada bekocht, während - wer wohl - DJ Antoine auflegt.

Neidische Schweizer

Antoine Konrad, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, war diese Woche mal wieder zu Hause. Wobei: Eigentlich ist gar nicht so klar, wo er nun wirklich daheim ist. Seine Zelte in Sissach habe er vor ein paar Tagen abgebrochen, sagt er. Jetzt will er nach Basel ziehen. Wohin, sei vorerst geheim.

Zur Heimat hat der heute 42-jährige DJ Antoine ein ambivalentes Verhältnis, was kaum erstaunt. Er geht ziemlich unschweizerisch mit seinem Erfolg um, macht auf viele einen arroganten und oberflächlichen Eindruck. Für die zurückhaltenden Schweizer ist er die perfekte Projektionsfläche. Jüngstes Beispiel: Die Hasstirade nach der Veröffentlichung seines Schweizer WM-Songs «Olé, Olé», dessen einfältiger Text den Anti-DJ-Antoine-Reflex hierzulande abermals befeuerte.

Er selber sagt: «Ich wusste, dass es Diskussionen geben wird um den Song. Es gehört zur Schweiz, dass man anfangs immer etwas meckert und alles schlecht macht. Zum Glück sind ja nicht alle so. Wenn dann die Fanmeilen offen sind, wird der Song gespielt und alle singen mit.» Der Neid sei in der Schweiz sehr präsent, sagt er. «So schade, weil wir Leute haben, die etwas bewegen und dies auch in die Welt raustragen können.»

Koketterie mit dem Image

Natürlich ist die Affiche vielschichtiger als: hier der protzige DJ Antoine, da die neidischen Schweizer. Gerade der Star-DJ kokettiert mit seinem Jetset-Leben. «Das ist ja auch mein Image», sagt er. Dazu gehören Reisen in Privatjets, Limousinen und Auftritte auf Geburtstagspartys von russischen Milliardären. DJ Antoine verhehlt nicht: «Ich mag das Bling-Bling, fand früher schon Versace cool.» Aber als private Person sei er anders – und in vielem auch schweizerisch. Ins Wyss Gartencenter geht er auch mal in den Trainerhosen, und wenn er übers Land fährt und das viele Unkraut am Strassenrand sieht, denkt er sich: «Ich bezahl Steuern, dann sollen die auch jäten.»

Geld überhaupt – ein wichtiger Faktor in seinem Leben, ohne Zweifel. «Das Schönste daran ist die Unabhängigkeit», sagt er, dessen Gagen sich für einzelne Auftritte zwischen 15'000 und 30'000 Franken bewegen und dessen Vermögen auf knapp zehn Millionen Franken geschätzt wird. Er selber will die Zahlen nicht kommentieren. «Ich lasse die ‹Bilanz› schätzen. Sie soll dabei Spass haben», sagt er. «Das Geld ist nicht vom Himmel geflogen, ich habe dafür gearbeitet. Gestern war ich auf Sizilien und konnte einfach so einen Tag anhängen und den Flug verschieben. Das ist heute Luxus für mich: Zeit zu haben.» Das andere sei nice-to-have, entbinde aber nicht davon, Verantwortung zu übernehmen.

Tatsächlich: Bei aller Kritik an seinem Lebensstil kann man DJ Antoine nicht vorwerfen, nur in seiner eigenen Welt zu leben. Zu geprägt ist er von seiner Biografie. Er entstammt einer Familie aus der unteren Mittelschicht, wuchs auf dem Bruderholz in einer Betonsiedlung auf, der Vater war Hochbauzeichner, die Mutter Buchhalterin. Nach seiner Speditionslehre ist für ihn klar: Er will sein eigener Chef sein.

Bereits als 20-Jähriger macht er sich mit dem Kauf des Basler Clubs House-Café in Basel einen Namen, als DJ bahnt er sich langsam seinen Weg nach oben. Er ist nicht von Anfang an ein Hitgarant und bringt viele Scheiben auf den Markt, bevor er es 2011 mit «Welcome to St. Tropez» in die Beletage der internationalen DJs schafft. Was er heute sein «Imperium» nennt, ist freilich nicht nur Musik. Er ist Produzent, hat sein eigenes Label und einen Raumduft mit seinem Akronym AK 1 auf den Markt gebracht.

Die Dekadenz in der Kunstszene

Natürlich hat er auch die Erfahrung gemacht, dass in seinem Business nicht alles so ist, wie es scheint. Kürzlich hat sich einer der weltberühmtesten DJs, Avicii, das Leben genommen. Er war dem Druck nicht gewachsen gewesen. Auch andere bekannte Musikinterpreten kennen die Leere, die nach den Auftritten vor Tausenden von Fans entsteht, wenn sie wieder allein im Hotel einchecken. «Ich verstehe viele Acts, die damit Mühe haben», sagt DJ Antoine. Auch er habe Druck verspürt, immer am letzten Erfolg gemessen zu werden. «Aber ich kann es nicht verstehen, wenn sich jemand das Leben nimmt. Natürlich sieht man in keinen Menschen hinein, aber er hat bei seinen Mitmenschen unfassbares Leid ausgelöst.»

DJ Antoine ist überzeugter Christ, glaubt an Gott, betet. «Diese Gläubigkeit gibt mir viel Kraft», sagt er. Und offenbar eine gewisse Portion Demut. Er ist dankbar dafür, dass er dieses Leben leben darf – und schockiert über die Dekadenz, die bisweilen bei den Superreichen herrscht. Die Auswüchse seien auch in der Kunstszene zu beobachten, die nächste Woche in Basel gastiere. «74 Millionen Pfund für einen Giacometti zu bezahlen, dafür habe ich kein Verständnis. Wenn ich irgendwann so weit bin, dass ich nicht weiss, wohin mit dem Geld, dann tue ich doch lieber Gutes.»

Er selber habe eine Stiftung ins Leben gerufen. Dies mit dem Ziel, Kindern zu helfen. In Peru und Osteuropa unterstützt er verschiedene Hilfsprojekte. Er finde es einen «unvorstellbaren Gedanken», dass es auf dieser Welt beispielsweise Kinderprostitution gibt. Seine «vorübergehend» stillgelegte Stiftung will er nun mit namhaften Basler Geldgebern wieder ins Leben rufen. Ziel ist eine Stiftung, wo richtig viel Geld reinfliessen soll.

Wenn ein DJ Antoine A sagt, sagt er auch B.

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