Es ist kein Geheimnis: Die Gemeinde Birsfelden hätte gerne weniger Verkehr auf ihrer Ortsdurchfahrt. Denn auf der Rheinfelder- und der Hauptstrasse ist fast täglich Stau. Wenn jetzt der Kanton die Ortsdurchfahrt saniert, so solle darauf Tempo 30 gelten, so der Wunsch der Gemeinde. Zudem solle eine Ampel bei der Hard die Verkehrsmenge dosieren, die durch den Ort fliesst. Dem Gemeinderat schwebt ein fussgänger- und ladenfreundlicher Boulevard vor.

Doch in den Sanierungsplänen, die der Kanton vor rund 150 Bürgern präsentierte, ist von solchen Wünschen kaum etwas zu sehen. Die Vertreter des Tiefbauamts machten klar: Sie wollen sicherstellen, dass wie bisher fast 11'000 Fahrzeuge täglich durch Birsfelden fahren können. Dabei berufen sie sich auf die Rahmenbedingungen des Bundes. Dieser lasse es nicht zu, dass aufgrund einer Änderung einer Strasse Stau auf einer Autobahn entstehe, sagte Projektleiter Christian Stocker Arnet.

Somit ist keine dosierende Ampel bei der Hard möglich, denn der «Erdnusskreisel» liegt im Autobahnperimeter, welcher staufrei bleiben muss. Für den Bund ist die Birsfelder Ortsdurchfahrt Teil zweier Kantonsstrassenverbindungen quer durch die Schweiz, welche dem Durchgangsverkehr dienen müssen, zum Beispiel für Schwertransporte.

«Die Strasse muss funktionieren», sagte Kantonsingenieur Drangu Sehu. «Man kann es nicht wegdiskutieren: Es ist und bleibt eine Strasse.» Und auf dieser müsse der Verkehr fliessen. Kommt hinzu: Gegen Tempo 30 auf seinen Strassen sträubt sich das Baselbieter Tiefbauamt generell, nicht nur in Birsfelden. Dahinter steckt allerdings kein Verbot des Bundes. Gemäss Bundesgericht dürfen Kantone auf ihren Strassen innerorts die Geschwindigkeit reduzieren.

Das Tiefbauamt müsste die Strasse eigentlich ausbauen

«Kanton und Gemeinde haben diesbezüglich unterschiedliche Agenden», stellte der Birsfelder Gemeindepräsident Christof Hiltmann fest. Immerhin kommt der Kanton der Gemeinde ein Stück weit entgegen: Zwischen Birsbrücke und Schulstrasse sollen Tram und Autos auf der gleichen Spur verkehren, sodass dank breiterer Trottoirs ein Wunsch der Gemeinde erfüllt wird: Mehr Platz für Fussgänger vor den Läden. Damit das Tram dort nicht im Stau steckenbleibt, regeln Ampeln an den neuen Kreiseln den Verkehr. So dürfte zumindest im belebten Teil der Ortsdurchfahrt der Stau seltener werden. Es werden sich aber auch nach der Sanierung fast 11'000 Fahrzeuge pro Tag durch Birsfelden wälzen.

Ginge es nach den Richtlinien des Tiefbauamts, würde die Kapazität der Ortsdurchfahrt sogar erhöht, damit gar nie mehr Stau entsteht. Doch das wird nicht passieren, wie Stocker Arnet erklärt. Grund ist die Breite-Kreuzung in Basel. Dort passen von Birsfelden her nicht mehr Fahrzeuge als jetzt durch. Stocker sagte dazu vor den Birsfeldern Bürgern: «Sie können froh sein, dass es den Knoten Breite gibt.»

Birsfelden: So könnte der Verkehr künftig fliessen

Birsfelden: So könnte der Verkehr künftig fliessen

Die Simulation des Tiefbauamts Basel-Landschaft zeigt, wie der Verkehr künftig durch Birsfelden fliessen könnte.