Nachruf

Der ehemalige Seltisberger Gemeindepräsident Kurt Rudin-Lalonde ist tot

Kurt Rudin-Lalonde ist am 25. Oktober 2019 im Alter von 93 Jahren verstorben. (zvg)

Kurt Rudin-Lalonde ist am 25. Oktober 2019 im Alter von 93 Jahren verstorben. (zvg)

Am 25. Oktober 2019 ist Kurt Rudin-Lalonde in seinem 94. Altersjahr verstorben.

Am 25. Oktober 2019 ist Kurt Rudin-Lalonde in seinem 94. Altersjahr verstorben.
Kurt Rudin wuchs in Lausen auf, ging aber unter anderem auch in Seltisberg zur Schule. Er reiste gerne in ferne Länder – so beispielsweise in den Sudan, wo er an archäologischen Ausgrabungen mitwirkte. Dort hat er sogar die arabische Sprache gelernt und bis ins hohe Alter einzelne Redewendungen nicht vergessen. Er reiste auch nach Kanada, wo er als Flugzeugmechaniker arbeitete und seine spätere Frau Olive Lalonde kennenlernte.

1976 wurde Kurt Rudin in den Seltisberger Gemeinderat gewählt, im Jahr 1980 wurde er Gemeindepräsident. Dieses Amt behielt er inne bis im April 1988. Während dieser Zeit präsidierte er nicht nur die Einwohnergemeinde, sondern auch die Bürgergemeinde, da diese beiden öffentlich-rechtlichen Institutionen von ein und derselben Behörde geführt wurden; die Mehrzahl der Gemeinderäte war damals nämlich auch Bürger. Kurt Rudin kannte sein Dorf und dessen Bewohner bestens und wusste die Geschäfte der Gemeinde geschickt zu führen. In seine Amtszeit fielen grosse Veränderungen; so wurde in Seltisberg zum ersten Mal ein vollamtlicher Verwalter gewählt, und die ersten Computer kamen auf.

Mit seinen Gemeinderatskollegen begleitete er einige grosse und wichtige Projekte wie etwa den Bau der Mehrzweckhalle, den Umbau des Feuerwehrmagazins, die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeugs für die Feuerwehr Seltisberg oder ein erster Umbau des Schulhauses sowie eine Vielzahl von Einbürgerungen. Das schwierigste und heikelste Geschäft während seiner Amtszeit war die Revision der Zonenplanung.

Kurt Rudin war aber nicht nur Politiker, sondern auch ein profunder Kenner der alten Geschichte. Sein Interesse an Altertümlichem und sein Fachwissen waren ausserordentlich. Nach dem Pflügen ging er über die Äcker und fand immer wieder Überreste aus der Steinzeit bis hin zur Römerzeit – auch in Seltisberg. Bei Neubauten war er oft in den Baugruben anzutreffen, wenn er Artefakte aus alten Zeiten vermutete. So besass er eine grosse Sammlung von Silex-Beilen und Werkzeugen aus der Steinzeit sowie römischen Scherben und Münzen. Kurt Rudin wusste genau, wo im Dorf früher die römischen Höfe angesiedelt waren und wo es noch mittelalterliche Grabhügel gab. Seine Sammlung hat er zum grössten Teil dem Amt für Archäologie in Augst übergeben.

Mit seinem Hinschied geht ein grosser Wissensschatz verloren. Ein Teil seines Wissens hat er glücklicherweise durch Beiträge im Seltisberger Heimatbuch und durch weitere Publikationen weitergegeben. Wir werden Kurt Rudin als ehemaligen Präsidenten der Einwohner- und Bürgergemeinde, als Kenner der Seltisberger Geschichte und als «Heimatforscher», wie er sich selber bezeichnete, in guter und ehrender Erinnerung behalten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1