Archäologie

«Der Fund kam aus heiterem Himmel» – 293 römische Silbermünzen in Pratteln gefunden

Die Experten Markus Peter (Mitte) und Rahel Ackermann untersuchen die Münzen vor Ort. (zvg / Archäologie Baselland/Suzan Afflerbach)

Die Experten Markus Peter (Mitte) und Rahel Ackermann untersuchen die Münzen vor Ort. (zvg / Archäologie Baselland/Suzan Afflerbach)

In einem Waldstück bei Pratteln BL ist ein römischer Schatz mit 293 Silbermünzen entdeckt worden. Ehrenamtliche Späher der Baselbieter Kantonsarchäologie sind auf den Schatz gestossen.Der Fund gehört zu den grössten römischen Silberhorten der Schweiz.

Einmal mehr richten sich die Blicke der Antikenforschung aufs Baselbiet. Nach dem keltischen Silberfund 2011 in Füllinsdorf ist es wiederum ehrenamtlichen Spähern der Archäologie Baselland gelungen, einen Münzschatz ausfindig zu machen. «Die Massierung solcher Funde in den letzten Jahren ist eine direkte Folge unseres Spähersystems», freut sich der Baselbieter Chef-Numismatiker Markus Peter. Die Schar ehrenamtlicher Späher könne in ihrer Freizeit all jene abgelegenen Wald-, Feld- und Hanggebiete absuchen, für die den an (Not-) Grabungen in Bauzonen engagierten Profis der Kantonsarchäologie keine Zeit bleibt.

Doch nicht nur deshalb kam der jüngste Silbermünzen-Fund «aus heiterem Himmel», wie es Peter formuliert. Der Fundort an einem Abhang des Adlerbergs bei Pratteln befand sich bisher nicht auf dem Radar der Baselbieter Forscher, sagt Kantonsarchäologe Reto Marti. Dies ist eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Fund vor acht Jahren in Füllinsdorf. Der jetzige Erfolg hänge vielmehr damit zusammen, dass den ehrenamtlichen Spähern jeweils ein bestimmtes Gebiet zur systematischen Durchsuchung zugewiesen werde.

In Sichtweite römischer Gutshöfe

In diesem Sommer war es der Späher Sacha Schneider, der vom Fundglück begünstigt wurde. Bei den von ihm entdeckten 293 Münzen handelt es sich um Denare, die teilweise noch prägefrisch auf engem Raum beisammenlagen. Die älteste Münze ist unter Kaiser Nero in der Zeit zwischen 54 und 68 nach Christus geprägt worden. Die meisten Münzen stammen indes aus dem zweiten Jahrhundert, die jüngsten Stücke aus der Zeit von Kaiser Commodus um 181/182 nach Christus, mit Rom als Prägeort. Marti geht davon aus, dass nicht viel später ein unbekannter Besitzer diese Münzen oberhalb von Pratteln vergraben hat.

Warum er dies tat? Darüber kann nur spekuliert werden. Vermutlich habe der Besitzer seine Barschaft in einem sicheren Versteck aufbewahren wollen, was in der Vor-Banken-Zeit nichts Ungewöhnliches gewesen sei. Ebenso wahrscheinlich habe der Besitzer dieses Geld mit Landwirtschaft verdient, vermutet Peter. Im Einzugsgebiet der Fundstelle lagen die beiden der Forschung bekannten römischen Gutshöfe Kästeli und Pratteln Dorfkern. Den damaligen Gegenwert des Münzhorts schätzt Kantonsarchäologe Marti auf einen halben Legionärs-Jahreslohn, «eine nicht unbeträchtliche Summe». Dies unterscheide den aktuellen Münzfund von den weit häufigeren aus dem 3. Jahrhundert nach Christus: «Wegen des späteren Wertzerfalls hat sich die Hebung von versteckten Geldern für die Besitzer oft gar nicht mehr gelohnt», erläutert Peter. In diesem Fall aber bleibe es ein Rätsel, weshalb die Münzen 1800 Jahre lang im Boden vergraben blieben.

Den heutigen Wert des Silberschatzes mag Reto Marti dagegen nicht beziffern: «Da die Münzen unverkäufliches Kulturgut sind, haben sie einzig wissenschaftlichen Wert.» Dieser sei aber umso bedeutender.

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