Chienbäse

Der Funke springt immer über

Beim Liestaler Umzug wurde es einem einmal mehr dem Publikum und den Trägern warm ums Herz.

Der Himmel über Liestal ist grau, das ist gut. So ist es schneller dunkel. Und tatsächlich beginnt der Chienbäse-Umzug zwei Minuten zu früh.

Doch ist es fast zu warm. Wenn man beim Warten so richtig friert, geniesst man die fast unerträgliche Hitze des Feuers umso mehr. Dann streckt man Hände und Gesicht den ersten Chienbäsen entgegen – und zuckt sofort zurück.

Natürlich wissen die meisten Schaulustigen aus jahrelanger Erfahrung, dass sie nicht zu nah ans Feuer herandrängen sollen. Doch dieses lockt diabolisch an. Deshalb weichen viele nach dem ersten grossen Wagen in die hinteren Ränge zurück. Aber auch von dort aus vollführen sie schräge Tänze, um den Funken auszuweichen, die erbarmungslos auf die Menge niederflöckeln. Kapuzen werden hochgeschlagen und Kappen aufgestülpt.

Wie ist es wohl unter einem Besen oder vor einem Wagen, fragt eine Frau. «Es ist sauheiss, gell», ruft ein Träger seinem Kollegen zu und wischt sich den Schweiss von der Stirn. Ein Halt kommt auch den Wagenverantwortlichen gerade recht. Noch haben sie das Törli vor sich, doch sie keuchen schon sehr. Ein wenig durchatmen und sie können wieder Scherze machen.

Die Menge lacht über den Klöpfer am Helm eines Besenträgers. Ob man die Kiebitze goutieren soll, die ihre Klöpfer zum Braten in die Besen halten, darüber teilen sich die Meinungen. Gleiches gilt für die strenge Fasnachtsverordnung, die im Vorfeld für einigen Unmut auch bei den Chienbäse-Verantwortlichen gesorgt hat. Davon ist heute nichts zu spüren, der Funke ist sowohl auf die Teilnehmenden wie das Publikum über gesprungen, nur das zählt.

Ein Knabe versucht mitzuzählen, wie viele Besen schon vorbei gegangen sind. Doch nach den ersten 100 vergisst er, weiter zu zählen. Der Feuerteufel hat ihn gepackt, er schaut und staunt. Die dunkle Seite der Flammenpracht zeigt sich jedoch ebenfalls: Hitze und Rauch machen den Leuten zu schaffen, zwei Personen kippen um. Die Feuerwehr ist sofort zur Stelle.

Feuerwehrleute sofort zur Stelle

Die nächste Gruppe Chienbäse-Träger bleibt stehen. Auch sie haben erst ein kurzes Stück des Wegs hinter sich, doch scheinen einige bereits gezeichnet von der schweren Last. Ein Mann schwankt, der Besen fällt runter. Zwei Feuerwehrleute sind sogleich zur Stelle. Und weiter gehts. Die Feuerwehrmänner eilen zum nächsten Notfall: Ein Helm brennt und schmilzt.

Andere Träger haben sichtlich mehr Spass, posieren für Fotos, entdecken Bekannte in der Menge, die sie grüssen. Der Chienbäse ist eben auch für Einheimische ein Muss. Ja, man muss die Trägerinnen und Träger anfeuern und muss die Wagen durchs Törli fahren sehen. Wenn vor und hinter dem Liestaler Wahrzeichen die Funken stieben, dann wird es einem so richtig warm ums Herz. Schon rollt der letzte Wagen unten durch: ein infernalisches Bild, das haften bleibt, wie auch der Geruch nach dem verbrannten Holz, mmh!

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