Giovanni Maltese und Hans Oehler haben sich hübsch gemacht, die Zeitung ist zu Besuch. Fürs Foto wollen die beiden Nachbarn entlang der innerbaslerischen Kantonsgrenze posieren, die sich quer durch ihre Gärten pflügt. Passend zum Thema trägt Maltese, der Baselstädter, ein schwarz-weiss kariertes Hemd – Oehler, der Baselbieter, hat sich ein rotes T-Shirt übergestreift. Als der Fotograf die Wahl der Textilien lobt, mustern sie sich gegenseitig und lachen. Das sei nicht abgesprochen gewesen, reiner Zufall, Ehrenwort!

Exakt heute vor zwei Jahren stimmten die beiden Basel über die Prüfung einer Wiedervereinigung ab. Also entschieden die Stimmbürger auch über diese rund 20 Meter lange Gemarkung, die den Liegenschaften der beiden Nachbarn eine etwas eigentümliche Form verleiht: Wegen der diagonal verlaufenden Kantonsgrenze sind die Grundstücke dreieckig. Die Form wurde am 28. September 2014 bestätigt: Damals stimmten die Städter mit 55 Prozent für die Fusionsprüfung – das Baselbiet hingegen verwarf die Vorlage klar, mit über 68 Prozent Nein-Stimmen. Für Maltese und Oehler bedeutete dies: Der Gartenhag bleibt so, wie er ist. Zumindest bis auf weiteres.

Zwei Staatsverträge wären nötig

Seit der verworfenen Fusion hat sich das Verhältnis der beiden Kantone verschlechtert. Nicht jedoch ihres, bekräftigen Maltese und Oehler: Bei ihnen habe sich nichts verändert. «Wir sind schon immer bestens miteinander klar gekommen», sagt Oehler. Und Maltese ergänzt: «Zum Glück, das wäre ja auch nicht gut hier, mit dieser Situation.»

Man verstehe sich bestens: So tönte es schon im September 2014, wenige Tage vor der Abstimmung, als die bz die beiden Nachbarn das erste Mal besuchte, wegen ebendieser Kantonsgrenze in ihren Gärten. Die beiden Grundstücke liegen beim Neuweilerplatz. Dort, wo man nie weiss, ob man sich in Basel befindet oder in Allschwil. Die Gärten haben je einen spitzen Winkel, der kaum sinnvoll genutzt werden kann. Nicht mal der Kompost habe dort Platz, klagte Maltese 2014, und auch kein Kindertrampolin. Der 47-Jährige Ingenieur war damals gerade Vater einer Tochter geworden. Maltese und Oehler haben bereits darüber nachgedacht, die Grundstücksgrenzen zu ändern, die Gemarkung praktischer zu gestalten. Doch dafür hätte es zwei Staatsverträge gebraucht. Eine ernste Sache ist das, so eine Grenzverschiebung zwischen Kantonen. Die Regierungen und Parlamente beider Basel müssten dem Gebietsabtausch zustimmen. Hinzu kämen allerlei bürokratische Geplänkel, etwa Neuvermessungen und Grundbuchänderungen. Das alles würde einiges an Zeit kosten – und noch viel mehr Geld.

Den Gartenhag ohne den Segen Basels und Liestals zu verschieben, das haben die zwei ebenfalls bereits ins Auge gefasst. Jedoch hätte auch dieser Akt bürokratisches Treiben ausgelöst. 2014 warnte Paul Haffner, Basler Kantonsgeometer, in der bz, es müssten Dienstbarkeiten vereinbart werden. Und es gäbe einige offene Fragen: Was würde etwa die Versicherung sagen, wenn sich Malteses Töchterchen im eigenen Garten den Arm bricht, jedoch auf Nachbars Grund und somit auf dem Territorium eines anderen Kantons?

Der Hag blieb an Ort und Stelle.

Grenzgänger durch und durch

In den Lebensläufen von Maltese und Oehler sind die beiden Basel längst fusioniert. Oehler (69) verbrachte fast sein ganzes Berufsleben beim Kanton Basel-Stadt, und er macht Fasnacht bei einer Kleinbasler Wagenclique. Maltese wiederum arbeitete bis vor kurzem in Allschwil. Dort steht auch sein Dojo: Er ist nebenberuflich Karatelehrer.

Trotz Fusions-Nein steht ein Wechsel an beim Neuweilerplatz: Die Malteses ziehen weg, wegen einer beruflichen Veränderung, wie der Familienvater sagt. Hans Oehler hofft nun auf nette neue Nachbarn, denen Grenzen nicht so wichtig sind.