Hochhaus

Der geduldete Riese von Münchenstein

An ihm wurde leicht gedreht: Das geplante Spengler-Hochhaus im Münchensteiner Teil des Dreispitz.

An ihm wurde leicht gedreht: Das geplante Spengler-Hochhaus im Münchensteiner Teil des Dreispitz.

In Münchenstein plant die Anlagestiftung der Credit Suisse einen 100-Meter-Turm – und alle findens gut.

Wer in der Schweiz als Bauherr hoch hinaus will, hats schwer. Kaum ein Projekt, das nicht von Anfang an Kritiker auf den Plan ruft. Jüngst wieder in der Region Basel zu beobachten: In Muttenz wollten Anwohner die geplanten Hagnau-Hochhäuser kürzen, was ihnen nicht gelang, und in Liestal wächst der Widerstand gegen das am Bahnhof vorgesehene Hochhaus. Beim 100-Meter-Turm, der auf dem Spengler-Areal in Münchenstein zu stehen kommen soll, ist nun aber alles anders.

Am 9. Februar stellte die Gemeinde das Projekt vor, danach blieb es ruhig. Die Einwohner hatten zudem bis zum 20. März Gelegenheit, erste Stellungnahmen einzubringen – eingegangen sind kaum welche. «Ich habe mir die Frage auch schon gestellt, warum es keine kritischen Stimmen gibt», sagt Giorgio Lüthi (CVP). Der Gemeindepräsident von Münchenstein berichtet auch von einem mässigen Andrang bei der Ausstellung.

Einen Monat lang waren Pläne, Visualisierungen und das Modell des Spengler-Turms auf der Bauverwaltung einzusehen. «Normalerweise kommen bei grossen Bauprojekten immer viele Interessierte vorbei – hier war es aber nicht so.»

Aktuell wäre er die Nummer 4

Wenn der Turm erst einmal steht, wird er nicht zu übersehen sein. Mit 100 Metern wäre er – Stand heute – das vierthöchste bewohnbare Gebäude der Schweiz, nach dem Bau 1 der Roche mit 178 Metern, dem Prime Tower in Zürich (126 Meter) und dem 105 Meter hohen Basler Messeturm.

Das Hochhaus soll gleich neben dem bestehenden Spengler-Park in den Himmel wachsen, vorgesehen sind Wohnungen und Gewerberäume. Das Richtprojekt stammt vom Studio Harry Gugger in Basel, den Auftrag dafür erteilte die Geländeinhaberin, die Anlagestiftung Real Estate der Credit Suisse.

Der Spengler-Park bildet den südlichen Teil der Münchensteiner Hälfte des Dreispitz. Das wohl bekannteste Gebäude im Geviert ist das Schaulager. Der Dreispitz wurde bereits im Hochhaus-Konzept der Gemeinde aus dem Jahr 2014 als geeigneter Standort für hohe Gebäude auserkoren.

Giorgio Lüthi bezeichnet das Gelände als «ideal» für derartige Projekte: «Der Schattenwurf auf Wohngebäude ist sehr gering, in der Nachbarschaft hat es Gewerbegebiete, die Erschliessung mit Strasse und öffentlichem Verkehr ist ebenfalls sehr gut. Hinzu kommt, dass das nächsthöhere Gebäude bedeutend niedriger sein muss als das erste. Man hat also keine Hochhaus-Wand zu befürchten.»

In der erweiterten Nachbarschaft zum geplanten Spengler-Turm wohnt Adil Koller. Der Landrat und Präsident der SP Baselland sitzt auch im Vorstand der Münchensteiner SP, er hat unter den Parteikollegen aber noch keine negativen Stimmen vernommen: «Offenbar ist das Hochhaus noch nicht Dorfgespräch. Aber es liegt auch wirklich gut, in der Nähe hat es fast nur Gewerbegebiete. Wenn Hochhäuser und Verdichtung an einem solchen Standort nicht möglich sind – wo wären sie es denn sonst?»

Verdrehte Form gefällt

Die Gelegenheit, sich einzubringen, haben die Münchensteinerinnen und Münchensteiner weiterhin. Geplant ist eine Mitwirkung, und über den Quartierplan «Spengler» wird die Gemeindeversammlung bestimmen. Laut Giorgio Lüthi ist der Quartierplan-Entwurf aber nicht vor Frühling 2018 zu erwarten.

Eine Eingabe im Mitwirkungsverfahren planen die Grünen Münchenstein. Diese würde den Energieverbrauch des Gebäudes und die Verkehrsführung betreffen, sagt Präsident Anton Bischofberger. Grundsätzlich stehe man einem Hochhaus an diesem Ort aber wohlwollend gegenüber: «Münchenstein soll nicht in die Breite wachsen.»

Ein Hauch von Kritik kommt von der Münchensteiner SVP. Co-Präsident Stefan Haydn sagt, der skizzierte Turm mit dem leicht verdrehten Rumpf gefalle ihm zwar ganz gut. Zudem verfolge die Gemeinde eine Wachstumsstrategie, wolle mehr Steuerzahler anziehen, und da das Bauland extrem knapp sei, bleibe nur noch die Höhe übrig. «Aber klar wäre es uns lieber», sagt Haydn, «wenn solche Riesen-Hochhäuser nicht in Münchenstein stehen würden.»

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