Metzerlen-Mariastein

Der Gemeindepräsident, der täglich dem Tod ins Auge schaut

Bestatter Willi Wyss in seinem Büro im Gemeindehaus.

Bestatter Willi Wyss in seinem Büro im Gemeindehaus.

Gemeindepräsident Willi Wyss hat einen nicht alltäglichen Beruf: Er ist Bestatter. mit eidgenössischem Fachausweis. Zugleich ist der 63-Jährige Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein. Eine nicht alltägliche Kombination.

Er wirkt gelassen, warmherzig, aufmerksam. «Ich kann aber auch nervig und aggressiv werden», verrät Willi Wyss. Der 63-Jährige vereinigt eine nicht alltägliche Kombination von Beruf und öffentlichem Amt auf sich. Wyss ist Bestatter mit eidgenössischem Fachausweis und Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein. Diese politische Aufgabe bewältigt er in einem 27-Prozent-Pensum. Jeden Dienstag arbeitet er im Gemeindehaus von Metzerlen. Der freisinnige Politiker ist 1985 in die Exekutive gewählt worden, seit acht Jahren ist er Gemeindepräsident.

«Typische Bestatterkarriere»

Auch wenn Willi Wyss’ zwei Tätigkeiten nicht gegensätzlicher sein könnten, so ist die emotionale Seite des Bestatters seiner Funktion als Gemeindepräsident mindestens nicht abträglich. Schon mehrmals war er als Kommunalpolitiker mit schweren Verkehrsunfällen auf der Challstrasse zwischen Metzerlen und Röschenz konfrontiert. Im Mai fuhr ein junges Geschwisterpaar in den Tod. Wyss ärgert sich noch heute über die Beamten des Kantons Solothurn, welche die Sicherheitsmassnahmen an der Unfallstelle verzögert hätten.

Der Gemeinderat stellte im November 2011 ein Gesuch. Nach langem Hin und Her und mit finanzieller Beteiligung der Gemeinde versprach der Kanton schliesslich, die geplante Leitplanke zu installieren – zwei Wochen vor dem verhängnisvollen Unfall Anfang Mai. Erst nach diesem tragischen Ereignis wurden die Leitplanken montiert. «Mit diesen Leitplanken hätten die zwei Toten garantiert vermieden werden können», ist Willi Wyss überzeugt und meint bitter: «Das machte mich echt sauer.» Der 63-Jährige glaubt nicht, dass in dieser Situation ein Gemeindepräsident aus anderem beruflichen Umfeld anders reagiert hätte. Das sei sein Wesen. Da sehe er als Bestatter, der täglich auf emotional schwierige Momente stosse, weder Vor- noch Nachteile.

«Ich habe eine typische Bestatterkarriere eingeschlagen», schmunzelt Wyss. Gelernt hatte er Spediteur. Danach arbeitete er bei der Steuerverwaltung in Dornach und als Steuerberater bei einer Bank. Sein jetziger Beruf habe auch sehr viel mit Beratungen unter speziellen Bedingungen zu tun. 1986 ist Willi Wyss, zusammen mit seinem Partner Bruno Koeninger, in ein bestehendes Bestattungsunternehmen eingetreten, das er nun als Geschäftsführer leitet. Sein heutiger Beruf beinhalte zwei Teile: einen technischen und einen emotionalen. «Das Technische kann jeder lernen – das Emotionale nicht, das muss einem gegeben sein.» Entweder habe ein Mensch Gefühle oder keine, erklärt Wyss. Er müsse nach einem Todesfall den Hinterbliebenen gut zuhören, mit diesen gefühlvoll umgehen und sich Zeit nehmen können. Man treffe diese Leute in einer sensiblen Situation. «In diesem Metier ist das der heikelste Part. Da verträgt es keinen Rüpel.»

«Heute haben wir Ruhe»

Für Willi Wyss scheint das Gemeindepräsidium eine gute Abwechslung zu seinem Beruf zu sein. Er hat auch viel mit Leuten zu tun, die Materie ist jedoch eine andere. Der «alte Politfuchs» kennt nach so vielen Jahren Exekutiv-Erfahrung die Dorfpolitik wie seine eigene Hosentasche. Er lobt die gute Diskussionskultur im Gemeinderat. Das sei nicht immer so gewesen. Bis 1989 war Metzerlen-Mariastein von der CVP regiert und diese hatte im Gemeinderat die absolute Mehrheit. «Das war nicht ideal», erinnert sich der FDPler. Seit acht Jahren gehören die sieben Gemeinderäte fünf verschiedenen Parteien an. «Heute haben wir Ruhe. Ich musste als Gemeindepräsident jedenfalls noch nie laut werden.»

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