Pratteln

Der grösste Olympia-Fan der Schweiz ist ein Prattler

Vielleicht hängen bis Sonntag zwölf Schweizer Fahnen: Beat Müller auf seinem Balkon in Pratteln.KEnneth Nars

Vielleicht hängen bis Sonntag zwölf Schweizer Fahnen: Beat Müller auf seinem Balkon in Pratteln.KEnneth Nars

Beat Müller fiebert mit der Schweiz – die Flaggen auf dem Balkon sind nicht zu übersehen. Für jede Schweizer Medaille hisst der 85-jährige Sportfan eine weitere.

Beat Müller ist ein waschechter Eidgenosse: Auf seinem Balkon an der Burggartenstrasse in Pratteln hängen momentan elf Schweizer Fahnen und sind ein Blickfang sondergleichen. Doch sie flattern nicht ohne Grund vom fünften Stock herab: elf Fahnen - elf Schweizer Olympia-Medaillen.

«Ich war früher Sportler», beginnt Müller in seinem Wohnzimmer mit Blick auf den rot-weissen Balkon zu erzählen. «Viele Jahre war ich beim Turnverein Seewen und trainierte Leichtathletik. Als ich vor zehn Jahren Wittwer wurde, musste ich etwas machen, um mich zu beschäftigen. Also wurde ich halt Fernsehsportler», so der 85-Jährige weiter. Nun verfolgt er diverse Sportarten am TV. Früher interessierte er sich noch für alle Länder, doch heute vor allem für die Spiele, in denen Schweizer Sportler mitmachen.

Noch zwei Fahnen hat er auf Lager

Momentan ist er in grosser Aufregung wegen der Olympischen Winterspielen. Auf einem einzelnen Blatt führt Müller mit sorgfältiger Schrift Buchhaltung zu den gewonnenen Medaillen der Schweizer. Mit heiterer Stimme liest er vor: «Wir haben jetzt sechs Goldene, drei Silberne und zwei Bronzene. Und vierzehn Diplome.» Stand gestern sind es also elf Medaillen: Nach jeder gewonnenen hängt er eine Fahne auf. «Statt Geranien habe ich Fahnen auf meinem Balkon. Die muss ich nicht giessen», sagt Müller schmunzelnd.

Vor der Olympiade schätzte er, dass die Schweizer Sportler 13 Medaillen gewinnen werden. Gestern blieb für ihn aber der erhoffte Erfolg beim Skicross-Rennen der Frauen aus. «Da war ich schon ein wenig enttäuscht. Ich habe nämlich noch zwei Fahnen auf Lager», erzählt Müller lachend. Für heute erhofft er sich aber eine goldene Medaille von Dario Cologna im Langlauf, damit er wenigstens noch eine dieser beiden Fahnen hinaus hängen kann. Bis Mittwoch würde er sie dann hängen lassen.

Spezialfall FCB: pro Tor eine Fahne

Die Idee mit den Fahnen kam ihm, als er an einem Länderspiel der Schweiz im Basler St. Jakob-Park war. Im Stadion lag auf jedem Sitz eine Schweizerflagge. Nach dem Spiel lagen noch viele herum und er sammelte manche ein. Später begann er, bei jedem gewonnenen Spiel oder jeder erkämpften Medaille von Schweizer Sportlern eine Flagge ans Geländer zu binden. Bei Spielen des FC Basel die Anzahl gemachter Tore und bei der EM oder WM die Anzahl gewonnener Spiele der Schweizer. Die Fahnen hängt er nach einigen Tagen wieder ab. Auch bei anderen Sportarten wie Eishockey ehrt er Erfolge mit seinen rot-weissen Bannern.

Doch Müller hat auch andere Hobbys: Er wandert und singt gerne. Darum käme es auch nicht selten vor, dass er bei der Schweizer Nationalhymne laut vor dem Fernseher mitsingt. Und damit er fit bleibt und nicht «einrostet», geht er jeden Mittwoch mit einer Gruppe wandern. Seine Freunde würden manchmal sagen, dass er mit seinen Fahnen spinne. Sie wären eben nicht so sportverrückt. Und mit einem Lächeln fügt er an: «Ich bi aber normal agfrässe, ich brüelle also nid, wenns kai Medaille git.»

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