Heimwehbasler

Der grüne Pfarrer kehrt irgendwann zurück: So lebt Daniel Müller jetzt in Schaffhausen

Daniel Müller in seinem Garten.

Daniel Müller in seinem Garten.

Die bz besucht diesen Sommer ausgewanderte Basler Persönlichkeiten in der neuen Heimat. Einer von ihnen ist Daniel Müller. Der in Schaffhausen tätige Theologe hängt an seinen Wurzeln.

Als Daniel Müller Anfang 20 einmal in Schaffhausen war, fiel ihm besonders der Ostschweizer Dialekt auf. «Hier könnte ich nicht leben, so wie die reden», dachte er sich damals. Gekommen ist es anders, mittlerweile wohnt er seit 23 Jahren in der Region. Und fühlt sich wohl.

Erster Landratspräsident der Grünen

Aufgewachsen ist der heute 58-jährige Pfarrer in Rünenberg. An der Uni Basel studierte er Theologie. Bekannt wurde er durch sein politisches Engagement: Ein Jahrzehnt lang sass er für die Grünen im Landrat, 1993 wurde er zum ersten grünen Landratspräsidenten gewählt.

Bei seiner Wahl ins Baselbieter Parlament zählte die Fraktion zehn Mitglieder. Eine deutliche Minderheit, für die Partei damals aber ein grosser Erfolg. «Der Unfall im Atomkraftwerk in Tschernobyl und der Chemiegrossbrand in Schweizerhalle ein halbes Jahr später hat das Umweltbewusstsein der Menschen geweckt.» Eine kleine grüne Welle also in den 1980er-Jahren. Sie erinnert Müller an die Klimabewegung von heute, die er mit Freude mitverfolgt.

Auch sonst war er nicht leise, versuchte etwas in der Region zu verändern. «Wir haben viel Klamauk gemacht und machten mit verschiedenen Aktionen auf unsere politischen Anliegen aufmerksam», erinnert er sich. Wenn er von dieser Zeit erzählt, lacht er verschmitzt, in seinen Augen sieht man ein Funkeln. Ein Kontrast zu seiner sonst besonnenen und ruhigen Art während des Gesprächs. Man kann ihn sich gut beim Predigen in der Kirche vorstellen.

Für das Pfarramt die Heimat verlassen

Müllers Beruf als Pfarrer war denn auch der Grund, weshalb er das Baselbiet verliess. Nach seinem Abschluss an der Uni übernahm er einige Stellvertretungen in verschiedenen Kirchgemeinden der Region. Eine Festanstellung zu finden war schwierig: «Vielleicht war es mein politisches Engagement oder ich war zu wenig angepasst». So waren er und seine Frau etwa nicht verheiratet.

Schliesslich musste er eine Entscheidung treffen. Für ihn war klar: «Wenn ich den Beruf weiter machen will, dann muss ich weg.» Und das tat er. Im schaffhausischen Beggingen fand er eine Anstellung als Dorfpfarrer. Seiner Heimat den Rücken zu kehren, fiel ihm nicht leicht: «Ich war sehr verwurzelt in Baselland.»

Die Verbundenheit mit Basel blieb

Heute ist er froh, den Schritt gewagt zu haben. «Die Perspektive zu wechseln war wichtig.» Heimweh hatte er lange nicht, verbunden mit der Region blieb er aber immer. Das sehen wir auch bei unserem Besuch bei ihm zu Hause.

Das Pfarrhaus liegt auf einem Hügel, vom Fenster sieht man einen kleinen Rebberg und weit unten den Rhein. Im Wohnzimmer des idyllischen Hauses liegt die «Volksstimme», an der Wand hängt ein grosses Bild der Helvetia auf der mittleren Rheinbrücke in Basel.

Nach elf Jahren in Beggingen wollte er nochmals einen Wechsel und zog vom Land in die Stadt. «Schon da wäre es eine Option gewesen, wieder in die Region Basel zurückzukehren.» Es ergab sich aber vor Ort eine neue Herausforderung, und er nahm eine Stelle in einer Stadtkirchgemeinde an. Dort arbeitet und lebt er seit nun zwölf Jahren.

Mit der Zeit wuchs das Heimweh

Vergessen kann er das Baselbiet dennoch nicht. Was ihm fehlt? «Der Geruch der Erde, die andere Beschaffenheit der Jahreszeiten und die Art, wie der Wind bläst.» Auch die Baselbieter Sprache vermisst er, auch wenn er sich mittlerweile an den Dialekt im neuen Zuhause gewöhnt hat. Was blieb, war der Rhein.

Mit den Jahren sei das Heimweh gewachsen. Für ihn und seine Frau steht mittlerweile fest: «Wir werden ins Baselbiet zurückkehren.» Ins heimische Rünenberg, womit er sich nach wie vor sehr verbunden fühlt. Das Haus, in dem er aufgewachsen ist, dient heute als Ferienhaus und Rückzugsort. «Wenn ich dort in der Nacht aufwache, fühlt es sich manchmal so an, als wäre ich nie weggewesen.»

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