Seit 24. Mai ist der Zugang zur westlichen Hälfte des Hardwaldes aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt – das hatte es zuvor noch nie gegeben. Aus dem Boden dieses Waldes pumpt die Hardwasser AG das Trinkwasser für die Stadt Basel und die umliegenden Gemeinden; zudem grenzt er an die Autobahn und den Rheinhafen.

Am Dienstag haben Verantwortliche den Medien die Lage vor Ort erläutert. Von abgestorbenen Bäumen können spontan grosse Äste herunterfallen, auch ohne Wind. Diese tödliche Gefahr erkenne man ohne Blick in die Kronen nicht, warnte Christian Kleiber, Leiter des Forstbetriebs der Bürgergemeinde Basel, welcher der Hardwald gehört.

Buchen sterben schnell

Gemäss Philipp Schoch, dem Präsidenten des Verbandes Wald beider Basel und früheren grünen Landrat, herrscht derzeit in der Hard «die extremste Situation der Region Basel». Ein Grund sei der Kiesboden ohne dichtende Unterschicht: So fliesse Wasser schnell ab. Die flach wurzelnden Buchen seien so recht schnell grossflächig abgestorben.

Noch düsterer sieht es für die letzten Fichten in der Hard aus: «Nadelholz wird zu 100 Prozent ausfallen», bilanziert Kleiber. Man habe Veränderungen zwar kommen sehen und so schon vor 20 Jahren begonnen, gezielt robustere Eichen zu pflanzen, doch es daure 100 bis 150 Jahre, bis diese gross sind.

Aktuell muss die Bürgergemeinde in der Hard prioritär Verkehrswege und Wasserversorgung sichern - laut Müller kann die Hardwasser AG rund drei Monate mit Minimalzugang zu ihren Anlagen im Wald arbeiten. Daneben geht es um 30 Kilometer Waldstrassen, die Autobahn und die Gleise der Hafenbahn. Dazu sind tote Bäume mit Sicherheitsabstand zu fällen.

Tödliches Risiko

Totholz birgt auch für Forstleute beim Fällen ein lebensgefährliches Risiko, wie Kleiber erläuterte. Man dürfe nicht mit den üblichen Keilen arbeiten, weil Schläge unkontrollierte Brüche auslösen könnten. daher veranstalte man nun spezielle Schulungen für Beteiligte.

Schon zum Fällen brauche man so bei Totholz mehr Zeit und Personal als bei lebendem Holz; dazu komme noch das Absichern: Manchmal müssten sechs Personen eine Strasse sichern, damit ein Stamm gefahrlos fallen kann.

Unter dem Strich kommt Kleiber auf einen Fünftel des Baumbestandes, der abgestorben sei, was 40 Hektaren Waldfläche entspreche. Konkret müsse man rund 2000 grosse Bäume entfernen, das sind 3000 bis 5000 Kubikmeter Holz. Zum Vergleich: Verträge mit Holzkraftwerken hat man für 5000 m3 im Jahr; also kommt nun fast eine Jahresmenge nochmals dazu.

Geld fehlt

Nicht nur drückt so ein Überangebot den ohnehin tiefe Marktpreis, das Totholz ist laut Kleiber auch qualitativ schlecht; es habe einen tiefen Brennwert. Der Erlös decke daher nur einen kleinen Bruchteil der Aufräumkosten, die Müller auf 500'000 bis 800'000 Franken schätzt. Nur einen Teil kann man auf Werkeigentümer wie die Hardwasser AG oder den Bund als Autobahn-Eigentümer abwälzen.

Die Bürgergemeinde appelliert nun an Kantone und Gemeinden, sie mit diesen Kosten nicht alleine zu lassen. Schoch erinnerte an die im vergangenen Jahr erhobene Verbands-Forderung eines Beitrags von einer Million Franken; die Baselbieter Regierung habe in der Folge eine Erhöhung des Waldbudgets in Aussicht gestellt.

Neben der Hard sind auch andere Wälder in der Region Baselangeschlagen, etwa der steile Schleifenberg bei Liestal. Laut Reto Saboz vom Amt für Wald beider Basel ist derzeit noch kein Überblick möglich; das Amt habe eine Umfrage bei den Revierförstern gestartet.

Für die Zukunft müsse sich die Gesellschaft jetzt entscheiden, ob sie manche Waldgebiete sich selber überlassen will, womit die Erholungsnutzung eingeschränkt werde, oder ob sie mehr Geld für den Waldunterhalt bereitstellen wolle. Für Schoch ist klar, dass die Bevölkerung Einschränkungen wohl nicht akzeptieren werde.

Bisher wird die Sperrung der Hard recht gut eingehalten. Kleiber erwartet aber zunehmenden Druck von Erholungssuchenden, wenn die Temperaturen steigen - dann sei der kühle Wald gefragt.