Die Wasserversorgung im Waldenburgertal muss wegen ihrer strukturellen Schwächen neu aufgestellt werden. Die momentane Situation rechtfertige aber kein notfallmässiges Eingreifen des Kantons in die Gemeindeautonomie. Zu diesem Schluss kommt die Baselbieter Regierung. Diese arbeitete eine Landratsvorlage aus und reagierte damit auf ein Postulat, das SVP-Landrat Hansruedi Wirz im November 2017 eingereicht hatte und vom Parlament vier Monate später überwiesen wurde.

«Keine wesentlichen Fortschritte»

Der SVP-Politiker aus Reigoldswil ist besorgt über den Zustand der Wasserversorgung im Vorderen Frenkental. Das Waldenburgertal ist in der kantonalen Wasserversorgungsplanung der Region 7 zugeteilt und zählt neun Gemeinden: Arboldswil, Bennwil, Hölstein, Lampenberg, Langenbruck, Niederdorf, Oberdorf, Ramlinsburg und Waldenburg; Langenbruck unterhält wegen seiner topografischen Lage eine Verbindung ins solothurnische Holderbank. «Seit dem Jahr 2005 konnten in sämtlichen Bereichen, bei denen Handlungsbedarf oder Verbesserungspotenzial festgestellt wurde, keine wesentlichen Fortschritte erzielt werden», schreibt Wirz in seinem Vorstoss. Zudem erfülle das Rohwasser aus einigen Karstquellen die Qualitätsanforderung nicht.

Die Wasserversorgung Waldenburgertal (WVW) AG verfügt nicht mehr über genügend Ressourcen, um die dringendsten Instandhaltungs- und Erneuerungsarbeiten durchzuführen. Laut einem Projekt zur regionalen Wasserversorgung sind deshalb eine intensivere Koordination und mehr Solidarität unter den Gemeinden nötig. Es seien aber sämtliche Versuche, die Region vernünftig zu organisieren, gescheitert. So könnten die Zielvorgaben bei Versorgungssicherheit, Wasserqualität und Wirtschaftlichkeit wohl nicht erreicht werden, befürchtet Hansruedi Wirz. «Dem Kanton liegen keinerlei Hinweise vor, dass im Waldenburgertal derart unkoordiniert vorgegangen würde», kontert die Regierung Wirz’ Einschätzungen. In der Vorlage wird weiter festgehalten, dass die Wasserversorgung im Waldenburgertal derzeit gut funktioniere, auch in ausserordentlichen Trockenperioden.

Dennoch ist der Handlungsbedarf gegeben. Weil gemäss aktuellem Richtplanentwurf künftig von einer jährlichen Bevölkerungszunahme von 0,72 Prozent im Waldenburgertal auszugehen ist, muss sich einiges ändern. Der Wasserverbrauch wird steigen, wegen der Klimaveränderung ist mit häufigeren und längeren Trockenperioden zu rechnen. Tritt bei knappen Ressourcen ein technisches Problem auf, kann die fehlende Reserve schnell zu einem Versorgungsengpass führen.

Defizite sollen durch Wasserbezug von Bubendorf kompensiert werden. Hölstein tritt per Ende Jahr aus der WVW aus, weil es mit Bubendorf zusammen einen regionalen Wasserverbund aufgegleist hat (die bz berichtete). Die beiden Dörfer planen eine grösser dimensionierte Verbindungsleitung, um die Versorgungssicherheit auch für Kommunen talaufwärts zu gewährleisten. Geprüft wird ebenfalls eine zusätzliche Verbindung Bubendorf–Liestal.

Nicht die geeignete Körperschaft

Die Talgemeinden Hölstein, Niederdorf und Oberdorf verfügen über ausreichend eigene Wasserreserven und geben ihr überschüssiges Wasser an die WVW ab, die derzeit rund 50 Einzelbezüger hat, die meisten davon Bauernhöfe. Die WVW versorgt die Berggemeinden Arboldswil, Bennwil, Lampenberg und Ramlinsburg sowie Höfe mit Trinkwasser.

Die organisatorischen und betrieblichen Strukturen der Wasserversorgungen im Waldenburgertal sind aufgrund historischer Gegebenheiten gewachsen und ein komplexes Gebilde. Laut Regierung ist die WVW heute und in naher Zukunft finanziell nicht in der Lage, die führende Rolle bei der Gestaltung und Koordination der Wasserversorgung in der Region zu übernehmen. Sie scheint dafür auch nicht die geeignete Körperschaft zu sein.

Mittelfristig muss jedoch eine engere Zusammenarbeit unter den Wasserversorgungen realisiert werden, allerdings nicht in den bisher gescheiterten Formen. Vorgeschlagen wird eine abgespeckte WVW mit Mitgliedergemeinden, die ähnlich gewickelt sind, damit dringliche Projekte wegen unterschiedlicher Interessen nicht blockiert werden.

Die Regierung schlägt vor, einen neuen Zusammenarbeitsprozess zu starten, in welchem der Kanton als übergeordneter Koordinator federführend ist. Später, wenn die Kooperation etabliert ist und allenfalls eine Regionalisierung zustande kommt, könnte eine lokale Trägerschaft übernehmen. Analysiert wird auch die Situation der Reservoire, um das regionale Speichervolumen zu optimieren. Sobald dieses Jahr das Endergebnis der regionalen Wasserversorgungsplanung vorliegt, werden die Gemeinden zusammengerufen, um eine neue Phase der Zusammenarbeit anzustossen.