Münchenstein

Der Kanton Basel-Stadt kündet den Staatsvertrag der Sonderschule

Das TSM Schulzentrum in Münchenstein soll trotz aufgelöstem Staatsvertrag weiterbestehen.

Das TSM Schulzentrum in Münchenstein soll trotz aufgelöstem Staatsvertrag weiterbestehen.

Die Mitarbeiter des Therapie Schulzentrums Münchenstein (TMS) wurden kürzlich über die Auflösung des Staatsvertrags informiert. Trotzdem soll die Schule künftig weiterbestehen. Der Kanton Baselland zeigt Interesse an der Übernahme.

Das Therapie Schulzentrum Münchenstein (TSM) für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen steht vor einer ungewissen Zukunft: Die beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland haben auf Sommer 2016 den Staatsvertrag gekündet. Dies geht aus einem Schreiben der Baselbieter Bildungsdirektion an die TSM-Mitarbeiter hervor, welches der bz vorliegt. Der Entscheid sei «nach längeren Verhandlungen» gefällt worden, heisst es im Papier.

Der Kanton Baselland sah sich zu diesem Schritt veranlasst, nachdem die Basler Regierung die Vertragsauflösung beschlossen hatte. «Konsequenterweise und um die erforderlichen Handlungsoptionen auf Augenhöhe mit dem Partnerkanton zu sichern, sieht sich der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft veranlasst, den Staatsvertrag ebenfalls auf den gleichen Zeitpunkt zu kündigen», so der Wortlaut.

Pierre Felder, Leiter Volksschulen in Basel-Stadt, begründet die Kündigung mit der «Schwerfälligkeit», welche ein Staatsvertrag über eine Schule zur Folge habe. «Die Situation im Sonderschulbereich, wer integriert wird und wer nicht, verändert sich laufend – wenn jeweils zwei Parlamente Entscheide absegnen müssen, dauert das zu lange.»

TSM weiterhin unverzichtbar

Trotz der Vertragsauflösung ist an der Münchensteiner Schule keine Hektik ausgebrochen. «Der Kanton Baselland hat grosses Interesse an der Weiterführung der Schule signalisiert», sagt Zentrumsleiter Peter Frei. Er geht davon aus, dass die Sonderschule für die Zeit nach 2016 mit dem Kanton eine Leistungsvereinbarung treffen kann. Frei selber ist überzeugt, dass es die Schule auch nach dem Baselbieter Beitritt zum eidgenössischen Sonderschulkonkordat im Jahr 2010 noch brauchen wird. Das Konkordat folgt dem Ziel, dass auch die behinderten Kinder wenn möglich in der Regelschule integriert werden sollen.

So sinken die Schülerzahlen am TSM Schulzentrum seit ein paar Jahren kontinuierlich. Heute gehen hier noch 86 Kinder zur Schule, vor zehn Jahren seien es noch rund 120 gewesen, wie Frei sagt. Dadurch, dass die integrierbaren Schüler heute die Regelschule besuchen, sind am TSM zwar weniger, im Durchschnitt aber «schwerer» Behinderte als vorher. «Wir haben hier besonders für Mehrfachbehinderte gute Möglichkeiten, einerseits, was die Infrastruktur angeht, andererseits, was deren Betreuung angeht. Am TSM arbeiten wir unter anderem mit Logopädinnen, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten», so Frei. Das Schulzentrum sei zudem weiterhin die einzige Institution im Kanton, die die Möglichkeit habe, Sehbehinderte bis hin zu Blinden zu unterrichten.

Der Baselbieter Bildungsdirektor bestätigt, dass das Motto «Integration vor Separation» nicht dazu führen wird, dass die Sonderschulen dereinst dichtmachen müssen. «Für den Kanton Basel-Landschaft ist unbestritten, dass die Nachfrage nach dem spezifischen Angebot des TSM auch in Zukunft gegeben sein wird. Diese Zusicherung haben wir gegenüber der Leitung und den Mitarbeitenden ausdrücklich bestätigt», sagt Urs Wüthrich auf Anfrage.

Offen ist, ob die Schule den jetzigen Standort an teurer Lage behalten kann – schliesslich müsse der Kanton Baselland, der momentan bekanntlich knapp bei Kasse ist, einen hohen Betrag an den Miteigner Basel bezahlen. Damit seien «alternative Standorte» zu prüfen, wie dem Schreiben an die Mitarbeitenden des TSM zu entnehmen ist. In Basel-Stadt zeigt man sich immerhin geduldig: «Das Geld muss nicht sofort überwiesen werden», beteuert Pierre Felder.

Meistgesehen

Artboard 1