Gesundheit

Der Kanton Baselland spart bei schiefen Kinderzähnen

Künftig wird es für Familien mit kleinem Einkommen schwierig, zahnmedizinische Behandlungen ihrer Kinder zu bezahlen. (Archiv)

Künftig wird es für Familien mit kleinem Einkommen schwierig, zahnmedizinische Behandlungen ihrer Kinder zu bezahlen. (Archiv)

Der Kanton Baselland subventioniert Zahnspangen künftig nur noch, wenn die Kinderzähne sehr schief stehen.

«Stehen Sie einmal vor den Spiegel und stellen Sie sich vor, wie Ihre vorderen Zähne 8 Millimeter vor den unteren sind. Erst dann würde eine Spange subventioniert werden.» In einer Zuschrift an die bz beschreibt ein Leser, was sich auf Ende März 2015 mit der neuen Verordnung bei den Subventionen von kieferorthopädischen Eingriffen im Baselbiet ändert.

Da diese Änderung lediglich in einer Verordnung und nicht etwa in einem Gesetz festgelegt ist, kann der Regierungsrat diese in Eigenregie beschliessen. So wird die Liste der kieferorthopädischen Fehlstellungen, die vom Kanton bezahlt werden, abseits der Bevölkerung angepasst.

Kosten auf später verschoben

Die Zahnärztegesellschaft beider Basel (SSO) setzt sich für die Zahngesundheit junger Menschen ein. Für die SSO steht fest, dass Sparmassnahmen zulasten der Zahngesundheit von Kindern nicht sinnvoll sind. Dies bestätigt die SSO-Infobeauftragte Claudia Bracher. Mit dieser Änderung werden sich zahlreiche einkommensschwache Familien keine Behandlungen mehr leisten können. «Unbehandelte Zahn– und Kieferstellungen können zu Folgeschäden führen», erklärt Bracher. «Eine Nichtbehandlung im Kindesalter verlagert die Behandlungskosten einfach auf später. Und es wird meistens sogar teurer.»

Künftig wird nun also im Baselbiet eine Spange erst dann subventioniert, wenn die oberen Zähne 8 Millimeter (mm) von den unteren entfernt sind (bisher 5 mm). Kurz: wenn die Behandlung Grad 3 «Behandlung notwendig» oder Grad 4 «Behandlung zwingend» unterliegt. Die SSO fordert, dass der alte Wert beibehalten wird. «Es ist nicht der richtige Ort, um Geld zu sparen. Zahngesundheit ist sehr wichtig», so Bracher. Die SSO Baselland hat dem zuständigen Regierungsrat Thomas Weber (SVP) eine Stellungnahme zu den Änderungen geschickt. Die Zahnärzte zeigen sich gesprächsbereit: «Wir sind mit Herrn Weber in Kontakt und werden uns mit ihm gerne an einen Tisch setzen.»

Mehr Arbeit für Gemeinden

Eine Zahnspange kann schnell bis zu 10 000 Franken kosten. Einige Leute verfügen zwar über eine Krankenkassen-Zusatzversicherung, die hilft. Doch wer häufig die Versicherung gewechselt hat, kommt in der Regel nicht in den Genuss einer Spangenvergütung. Diese greift erst nach Jahren bei derselben Kasse.

«Subventionen ja oder nein ist ein zweistufiges Verfahren», sagt die Baselbieter Kantonsärztin Ludmila Strickler. Und weiter: «Der Kanton entscheidet erstens einzeln, welche kieferorthopädischen Fehlstellungen subventioniert werden anhand der Liste. Die Kriterien sind mit der neuen Liste jedoch deutlich strenger.» Die Liste, nach der entschieden wird, ist dieselbe wie für einen Sozialhilfeempfänger.

Gemäss dem bz-Leser, der über Insiderkenntnisse verfügt, versuchte der Leiter des Infotreffens – der ehemalige Kantonsarzt Dominik Schorr – zu vermitteln: Dass die Sozialhilfebezüger bei kieferorthopädischen Behandlungen mit Kindern gleichgestellt würden, sei nur gerecht.

Der zweite Punkt des Verfahrens spielt sich auf Gemeindeebene ab. Laut Strickler entscheiden die Gemeinden anhand des Einkommens, wie viel Prozent Subventionen die Familien bekommen: Diese Regelung bleibe unverändert. Dank der neuen Verordnung wird nun zwar gespart, aber die Administration wird aufgebauscht. Vor jeder Behandlung muss ein detaillierter Kostenvoranschlag beigelegt werden, die von der Gemeinde kontrolliert werden muss. Strickler findet hingegen: «Der Kostenvoranschlag trägt zur Transparenz bei.»

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