Interview

«Der Kanton will bei einer bewilligten Wohnung zurückkrebsen»

Christoph und Daniela Gaugler nehmen endlich Stellung. Im Hintergrund stapeln sich die Ordner mit den Akten zur Lausner Kanalstrasse 17.

Christoph und Daniela Gaugler nehmen endlich Stellung. Im Hintergrund stapeln sich die Ordner mit den Akten zur Lausner Kanalstrasse 17.

Landratspräsidentin Daniela Gaugler und ihr Mann stehen in einem Interview mit der bz Rede und Antwort. Gerstern lieferte das Ehepaar ihre Mitteilung zur Verfügung des Baselbieter Bauinspektorats - doch diese brachte eher mehr Fragen als Antworten.

Daniela und Christoph Gaugler empfangen die bz an dem Ort, um den sich alles dreht. Auf der Dachterrasse ihrer Liegenschaft an der Lausner Kanalstrasse 17 stehen sie nach Tagen des Schweigens endlich gemeinsam Red und Antwort. Lieferte ihre gestern verschickte Mitteilung zur Verfügung des Baselbieter Bauinspektorats eher mehr Fragen als Antworten (Artikel unten), gewähren sie der bz am späten Nachmittag tiefere Einblicke. Wie um zu demonstrieren, wie komplex der Fall ihres Bed & Breakfasts und der dortigen Mietverhältnisse ist, haben sie kurz zuvor mit einem Einkaufswagen stapelweise Akten in den ehemaligen Klubraum auf dem Dach geschleppt.

Herr und Frau Gaugler, glauben Sie wirklich, die Öffentlichkeit mit der eher dünnen Mitteilung auf Ihre Seite ziehen zu können?

Daniela Gaugler: Egal, was ich sage oder nicht sage, es ist momentan sowieso immer falsch.

Warum legen Sie nicht einfach die komplette Verfügung des Bauinspektorats offen? Dann könnte sich jeder selbst ein Bild ihrer Situation machen und müsste nicht nur auf ihre eigene Deutung vertrauen.

Daniela Gaugler: Wir ziehen den Entscheid des Bauinspektorats ja an die Baurekurskommission weiter. Daher ist der Entscheid noch nicht rechtsgültig und das Verfahren läuft weiter. Deshalb wäre es verfrüht, jetzt schon die Verfügung offenzulegen.
Christoph Gaugler: Ausserdem ist die ganze Sache sehr komplex. Einem Laien bringt der Bericht nicht wirklich etwas und er enthält zudem Details, die unter den Datenschutz fallen. Und diese Dinge alle unkenntlich zu machen, war für unseren Anwalt keine Option. Ich behaupte: Wenn meine Frau nicht Landratspräsidentin wäre, würde sich niemand dafür interessieren, wie wir unsere Liegenschaft bewirtschaften.

Dass Sie die höchste Baselbieterin sind, ist aber nun Mal Tatsache. Sie müssen sich bewusst sein, dass man an Sie in Sachen Transparenz höhere Ansprüche stellt.

Daniela Gaugler: Ich verstehe den ständigen Bezug zu meinem Präsidium nicht. Ich habe keine Straftat begangen, es wurde niemand geschädigt. Es handelt sich bloss um ein verwaltungsrechtliches Verfahren. Es scheint mir bloss zum Politikum geworden zu sein, weil nächstes Jahr Wahlen anstehen. Ich finde, dass auch Politiker ein Recht auf Datenschutz haben. Aber es herrschen offenbar nun neue Spielregeln, dass wir kein Privatleben mehr haben dürfen.

Da Sie gegen die Verfügung rekurrieren, steht fest, dass Sie damit nicht einverstanden sind. Wo bestehen konkret Differenzen?

Christoph Gaugler: Ich möchte betonen, dass die Verfügung letztlich festhält, dass nichts illegal ist. Das Bed & Breakfast ist bewilligt. Entgegen verfrühter Medienberichte wird auch kein Rückbau gefordert.

«Rückbau» kann laut dem kantonalen Bauinspektor aber auch eine Nutzungsänderung sein ...

Christoph Gaugler: Das wäre mir neu. Bagger müssen auf jeden Fall keine auffahren. Der Kanton will aber bei einer bewilligten Wohnung zurückkrebsen. Wir haben vier Mietwohnungen neben dem B & B. Der Kanton sagt nun, dass nur drei bleiben dürfen.

Wird also – entsprechend des Reglements für Gewerbezonen – künftig kein Mieter mehr dort wohnen, der keinen Job im Haus übernimmt?

Christoph Gaugler: In der dritten bewilligten Wohnung haben wir noch einen Sonderfall. Dort wohnt jemand, der früher Abwartsarbeiten erledigt hat, dies nun aber nicht mehr tun kann. Ob diese Person nun gehen muss, klären wir ab.

Das bedeutet doch nichts anderes, als dass das Bauinspektorat den Ist-Zustand nicht akzeptiert, Ihnen also eine Verfehlung vorwirft.

Christoph Gaugler: Wir wissen nicht, was der Kanton wirklich will. Er hat uns signalisiert, dass künftig das Ziel sein werde, dass Liegenschaften in Gewerbezonen nur noch maximal eine Wohnung haben dürften.
Daniela Gaugler: Dabei ist das doch völlig realitätsfremd. Was machen denn Häuser, in denen zwei Betriebe untergebracht sind, die beide eine Wohnung brauchen?

Dürfen Sie denn das Bed & Breakfast mit seinen Dauergästen wie bisher weiterführen?

Christoph Gaugler: Nicht ganz. Wir haben vier Zimmer, in denen unbefristetes Wohnen bewilligt ist und drei, in denen dies laut Bewilligung nicht unbeschränkt erlaubt ist. Nun muss ein Gast von der zweiten in die erste Zimmergruppe umziehen. Aber: In der Verfügung steht nirgends, wie lange denn nun ein Gast maximal bei uns bleiben darf. Solange der Kanton das nicht geklärt hat, können wir gar nicht handeln.

Die Öffentlichkeit ging davon aus, dass die Verfügung endlich Klarheit bringt. Und nun fehlen verbindliche Angaben?

Daniela Gaugler: Auch wir dachten, dass das Bauinspektorat alles klärt, doch dem ist nicht so.
Christoph Gaugler: Es gibt kein
Gesetz, das vorschreibt, wie lange ein Gast in einem Hotel bleiben darf. Und nun kommt der Kanton und will eine Beschränkung vorschreiben – ohne dass er uns sagt, was für eine. Wir müssen nun den Rekurs machen, um überhaupt konkretere Vorgaben zu erhalten.

Auch wenn Sie nun den Kanton kritisieren, dürfte klar sein, dass der politische Druck auf Sie hoch bleiben wird. Wie sehr treffen Sie die bereits von Landräten geäusserten Rücktrittsforderungen?

Daniela Gaugler: Ich bin enttäuscht. Etwas verstehe ich nicht: Wie konnten sich manche Landräte eine Meinung bilden, ohne je mit mir gesprochen zu haben.

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