Um diese Aufgabe ist die Baselbieter Denkmalpflege nicht zu beneiden: Wie soll sie an den bevorstehenden Europäischen Denkmaltagen einen Teil der Besucherströme in den Landkanton umleiten, wenn sich am kommenden Wochenende in der Region Basel fast alles nur um das 1000 Jahre alte Basler Münster dreht?

Doch Denkmalpflegerin Brigitte Frei und ihr Stellvertreter Walter Niederberger müssen sich kaum Sorgen machen, links liegen gelassen zu werden. Denn sie können in diesem Jahr mit etwas ganz Besonderem aufwarten: Die kantonale Denkmalpflege öffnet die St. Stephanskirche in Therwil – wohl überlegt und passend zum diesjährigen Generalthema «Farben».

Erstmals kann die Bevölkerung einen Blick ins seit diesem Frühjahr geschlossene Kircheninnere und die dort laufenden Restaurierungsarbeiten werfen. Auf jeweils drei Führungen am Samstag- und Sonntagnachmittag (13, 14 und 15 Uhr) kann ohne Voranmeldung sogar das Malergerüst bestiegen und die Deckenmalerei von 1781 aus wenigen Zentimetern Abstand betrachtet werden. «Jetzt leuchten die Bilder wieder in phantastischen Farben», schwärmt Niederberger und verspricht nicht zu viel.

Nicht frei von Überraschungen und Schwierigkeiten

Wie sich an einer Medienvorbesichtigung am Dienstagvormittag zeigt, ist die Therwiler Stephanskirche bereits weitgehend vom Grauschleier befreit, der sich seit der letzten Renovation 1991 in drei Jahrzehnten über das Innere gelegt hat. Auch die Stationen von Christi Passion im Kreuzweg geben endlich wieder ihre feinsten Details preis. Die Baselbieter Denkmalpfleger Brigitte Frei und Walter Niederberger loben einhellig, mit wie viel Sachverstand und Können der Gelterkinder Malermeister Stefan Buess und sein Team die Restaurierungsarbeiten vornehmen.

Wie bei vielen solchen historischen Instandsetzungen waren auch die Arbeiten in Therwil nicht frei von Schwierigkeiten und Überraschungen. Frei und Niederberger verschweigen nicht, dass bei der letzten Sanierung von 1991 verschiedene unglückliche Entscheide getroffen wurden: etwa bei der unterschiedlichen Farbgebung von Seitenwänden und Decke, welche nicht dem Originalzustand entsprechen. Auch wurden in den Folgejahren bei Zwischenreparaturen die Farben dem jeweiligen Verschmutzungsgrad angepasst, was zur Folge hatte, nun mit unterschiedlichen Grautönen fertig werden zu müssen.

«Das hat einige Arbeiten aufwändiger gemacht als geplant», räumt Niederberger ein. Im Zweifel hielt man sich darum an die Ergebnisse der vorletzten Restaurierung von 1964, welche viel stärker im Sinne der Denkmalpflege ausgefallen war als ein Vierteljahrhundert später. Nichtsdestotrotz sollten die aktuellen Arbeiten wie geplant in diesem November abgeschlossen sein. Dann wird die Grundfarbe im Kircheninneren Weiss sein, was den Farbkontrast zu den Rokoko-Malereien betont.

Weitere Führungen in Therwil und Liestal

Auf den Führungen am Wochenende soll dem Publikum aber nicht nur die neu erstrahlende Farbenpracht, sondern auch das faszinierende Zusammenspiel der Kirchenornamente im Rokoko-Stil mit der frühbarocken Grundarchitektur zur Bauzeit von 1627/31 nahe gebracht werden.

Und wer sich wegen der Stephanskirche nach Therwil begibt, kann gleich noch an weiteren Führungen im Rahmen der Europäischen Denkmaltage teilnehmen. Etwa dem Rundgang «Agglo Stadt Dorf», der Besichtigung der neuen Überbauung Schmitti oder der Fotoausstellung im Dorfmuseum (genaue Zeiten hier). Abgerundet wird das diesjährige Baselbieter Programm mit Führungen durch die Liestaler Altstadt.

Die Europäischen Denkmaltage finden seit 1994 in der Schweiz jeweils am zweiten Septemberwochenende statt und werden jährlich von mehr als 60'000 Personen besucht. Organisiert werden die Veranstaltungen von den jeweiligen kantonalen Fachstellen für Denkmalpflege und Archäologie.