Der Kanton hat die Nase voll vom ewigen Gestank in Pratteln. In der vergangenen Wochen verbreitete die Kläranlage der ARA Rhein AG einen Verwesungsgeruch über die ganze Gemeinde, wie so oft in den letzten Jahren. Doch jetzt greift Alberto Isenburg, Leiter des Amts für Umwelt und Energie, hart durch. Der ARA teilte er mit, sie solle konkrete Schritte ankünden, wie sie die Gerüche zum Verschwinden bringen will. Er will die Ergebnisse riechen, und zwar möglichst bald.

Sollte dies nicht passieren, droht Isenburg mit einer radikalen Massnahme: Mit dem Entzug der Betriebsbewilligung für die Prattler Kläranlage. Radikal wäre das deshalb, weil die Prattler ARA Abwässer von Industrieunternehmen in Schweizerhalle verarbeitet, die insgesamt rund 3'000 Arbeitsplätze anbieten. Hinzu kommen die Siedlungsabwässer von sechs Gemeinden.

«Ein Stillstand der Industrie wäre natürlich ein Worst-Case-Szenario», sagt Isenburg. «Aber wir müssen die Sache endlich in den Griff kriegen. Notfalls steht eben Schweizerhalle still.» Der Gestank habe nichts mit Vorschriften des Kantons zu tun. Auch die einzelnen Industriebetriebe, die Wasser in die ARA leiteten, könnten wenig unternehmen. Denn die Gerüche entstünden erst in der Kläranlage, durch eine chemische Reaktion verschiedener Substanzen. Isenburgs Fazit: «Der Ball liegt eindeutig bei der ARA.»

Unterstützung erhält Isenburg vom Prattler Gemeindepräsidenten Beat Stingelin. Üblicherweise ist der Sozialdemokrat auffallend wirtschaftsfreundlich. Doch vorgestern, am Rand einer öffentlichen Information über Salina Raurica, wurde er deutlich: «Es stinkt heute wieder mal bestialisch. Wir müssen endlich ein Zeichen setzen, auch wenn es Arbeitsplätze gefährdet.» Von den Medienmitteilungen der ARA in den vergangenen Wochen, die Besserung versprachen, ohne dass der Gestank verschwand, lasse sich die Bevölkerung nicht mehr beruhigen.

Es riecht schon etwas besser

Die unzweideutige Drohung der Behörden ist bei der ARA Rhein angekommen. Gestern teilte sie mit, die in einem Puffertank entstandenen üblen Gerüche würden jetzt isoliert und verbrannt, dies im Sinne einer Sofortmassnahme. «Wegen der Grösse der Anlage ist jedoch erst nach mehreren Tagen mit einer vollständigen Entspannung zu rechnen.» Zudem verspricht die ARA eine «Überbrückungslösung bis zur Inbetriebnahme der definitiven Lösung» – exakt die gleiche Formulierung wie in einer Medienmitteilungen vor zweieinhalb Wochen.

Isenburg zeigte sich gestern Nachmittag vorerst befriedigt: «Die aktuellen Schritte der ARA sind richtig.» Man könne den Geruch nicht von der einen Minute auf die andere verschwinden lassen, «aber wenn die ARA so weiter macht, stinkt es bald nicht mehr.» Nächste Woche werde man schauen, ob weiter Massnahmen nötig seien.

Der «Worst Case» einer ARA-Schliessung scheint also abgewendet – vorerst zumindest. An der Industrie in Schweizerhalle scheint der Spuk vorbeigegangen zu sein, ohne dass jemand davon etwas gemerkt hat. Bei der Infrapark AG, die den Standort Schweizerhalle betreibt, wusste man gestern jedenfalls nichts von einer Drohung des Kantons an die ARA. Die Clariant-Sprecherin teilte mit: «Wir nehmen die Mitteilung der ARA Rhein AG zur Kenntnis und kommentieren sie nicht weiter.»