Nach 26 Jahren und drei Monaten war am 31. Dezember Schluss. Federico Gonzalez ging in Pension. Vielen wird er in Erinnerung bleiben. In guter. Gonzalez ist ein Buschauffeur, der das Herz auf der Zunge trägt. Einer, der mal kurz auf einen verspätet eintreffenden Fahrgast wartet oder die alte Frau mit ihrem Rollator über die Strasse lässt, ehe er die nächste Station ansteuert.

Federico Gonzalez ist beliebt. Und scheint stets gut gelaunt. «Dass ich das auch bin, wenn ich schlafe, kann ich nicht garantieren», scherzt der 65-Jährige, «wenn ich arbeite, bin ich es sicher, denn ich geniesse meine Arbeit.»

Mindestens drei Millionen Kilometer habe er auf der Strasse zurückgelegt, meint Gonzalez. Als Lastwagenfahrer, Car-Chauffeur und natürlich als Buschauffeur der Autobus AG Liestal. Privat sei er nur selten mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs. Entweder er leihe sich das Auto seiner Freundin oder er setze sich auf seine 14-jährige BMW GS.

Das Motorrad sei «mehr als ein Hobby» für ihn. Schon bis hinab zur Strasse von Gibraltar habe es ihn getragen. Durch ganz Spanien sei er gereist. Nach Palermo gehe es diesen Sommer. Die Fahrt geniesse er genauso wie den Aufenthalt im Feriendomizil. Gonzalez begründet: «Das ist der einzige Weg, der Langeweile zu entkommen.»

Im ersten Anlauf gescheitert

Aufgewachsen ist Gonzalez in Léon und Barcelona mit vier Geschwistern. Ein Studium sei nicht dringelegen. Zu arm war die Familie.

Ein erstes Mal kam der Buschauffeur mit Kult-Status in den 1970er-Jahren in die Schweiz. Eine Tante lud ihn ein nach Bern, doch die erhältliche Arbeit gefiel ihm nicht. Nach vier Jahren kehrte Federico Gonzalez zurück nach Spanien. «Ich konnte mich aber mit dem Leben in Barcelona nicht mehr wirklich anfreunden.» Mit 30 Jahren zog es ihn zurück in die Schweiz. «Ich habe mir gesagt, dieses Mal packe ich es.»

So leben, wie es gerade geht

In Basel kamen seine beiden Söhne zur Welt. Sie leben heute in Barcelona. «Meine Frau kam mit dem Wetter und der Sprache nicht klar», erzählt Gonzalez, «bevor die beiden Jungs ins Schulalter kamen, kehrte sie deshalb wieder nach Barcelona zurück.»

Er blieb, arbeitete am Flughafen, in Restaurants und Fabriken, ehe er damit begann, die grossen Brummis zu fahren. «Könnte ich zurück in meinem Leben, würde ich jünger in die Schweiz gehen, eine gute Schule absolvieren und einen Beruf lernen», sagt Gonzalez, «mein Traum war Flugzeugmechaniker.»

Federico Gonzalez ist der Ansicht, es würde jedem Spanier guttun, einmal in der Schweiz zu arbeiten. Auch umgekehrt. «Die Spanier würden lernen, was es heisst, zuverlässig und genau zu arbeiten, während viele – unzufriedene – Schweizer erst erkennen könnten, was es bedeutet, mit 1200 Euro im Monat auskommen zu müssen.»

Er habe gelernt, so zu leben, wie er es könne. Nicht, wie er es wolle. Beigebracht habe ihm dies eine kleine zufriedene Frau, die ihn durch seine Kindheit begleitete: «Meine Grossmutter ist mein Vorbild.»

Der schöne Liestaler Friedhof

Gonzalez hat viel Erfahrung auf der Strasse. Heute gehe es im Verkehr viel aggressiver zu als vor 26 Jahren. Oft seien die Verkehrsteilnehmer enorm ungeduldig. Wenn er sich nun zur Ruhe setzt, will sich Federico Gonzalez mehr Zeit für seine Fitness nehmen. «Ich war ein Marathon-Mensch», schmunzelt er, «der Vita Parcours auf der Sichtern, den ich viele Jahre nicht mehr besucht habe, wartet auf mich.»

Gleichzeitig freue er sich darauf, sich auf seiner nur 100 Meter vom Arbeitgeber entfernten Dachterrasse in die Sonne zu legen. Man müsse im Leben jeden Moment geniessen, denn nie wisse man, wie lange man etwas haben könne. Gonzalez weiss sogar schon, wo er sich zur letzten Ruhe legen will. «Liestal hat einen so schönen Friedhof», bemerkt er und deutet ein gemütliches, zufriedenes Schlafen an.

So ganz ohne Bus wird Gonzalez das kommende Jahr dann doch nicht verbringen. «Ein neuer Chef, neue Kollegen, neue Strecken», freut er sich. Ab Februar wird er für drei Monate in der Ostschweiz Linienbusse steuern. Zudem behalte er seinen Führerausweis D sicher bis zur nächsten Arztkontrolle. «Wenn die Firma mich braucht, bin ich da.» Hasta la vista, Federico Gonzalez.