Kunsteisbahn

Der Kunsti-Wirt sehnt sich nach Unruhe und schönem Wetter

«Es ist üblich, dass die Saison nur langsam in Gang kommt», sagt Kunsti-Wirt Nico Wunderlin. Wegen dem marroden Hallendach fehlen ihm aber zwei Monatslöhne – und erstmals muss er auf schönes Wetter hoffen.

Die letzten Monate haben die Sissacher Demut gelehrt. Vor einem halben Jahr noch hätten sie sich nicht vorstellen können, unter freiem Himmel Hockey zu spielen, wo Spieler und Eisqualität Wind und Wetter ausgesetzt sind. Nun sind sie froh, dass sie überhaupt mittun können.

Denn bis vor kurzem war ungewiss, ob je wieder Hockey gespielt werden könne in Sissach. Die Einsturzgefahr des Hallendachs verunmöglichte den Betrieb seit Oktober. Die Hockey- und Curlingvereine bangten um die Existenz. Der Pächter des Clubrestaurants hatte seinen Laden schon geräumt und geputzt und musste sich mit dem Gedanken befassen, sein Wirteglück woanders zu suchen – fast zwei Monatslöhne kosteten ihn das marode Hallendach.

Doch jammern «bringt ja nichts», sagte sich Nico Wunderlin und half stattdessen mit, die mobile Eisbahn aufzustellen, wo die Heimspiele seit letztem Sonntag wieder stattfinden und die Sissacher nachmittags frei eislaufen können. Während zwei Wochen waren täglich zwischen 10 und 20 Leute ehrenamtlich im Einsatz gewesen, um das in Österreich bestellte Feld aufzustellen. Einige Handwerker boten ihre Dienste an, auch, weil sie mehr Zeit haben als im Sommer. Eine Woche lang musste der Boden vor der Eishalle geebnet werden, der ein Gefälle von einem Meter hatte.

Noch eine weitere Woche brauchte die Anlage, bis sie aufgebaut war: Speakerhäuschen, Zuschauertribünen und Spielerbänke.

Kaum Glamour

Alles etwas notdürftig: Das Speakerhäuschen ist so klein, dass man darin kaum aufrecht sitzen kann. Und auch die metallenen Spielerbänke laden nicht zum Verweilen ein. Viel Glamour versprüht die mobile Anlage nicht. Und doch klebt an der Freiluft-Kunsti einiges mehr Glanz als an der Halle nebenan. Im Rahmen des Tatzenderbys im Fussballstadion Stade de Suisse spielten auf dem gleichen Eisfeld schon Langnau gegen Bern, 2010 fand das Spiel Deutschland gegen USA vor fast 80000 Zuschauern darauf statt. Beim ersten Zunzgen/Sissach-Heimspiel letztes Wochenende waren es immerhin zwischen 300 und 350, die beim Freiluftspiel dabei waren – und sich zumindest teilweise bei Wunderlin verpflegten.

Die Curler fehlen

Dann kehrte wieder Ruhe ein auf der neuen Kunsti. «Es ist üblich, dass die Saison nur langsam in Gang kommt», übt sich Wunderlin in Geduld – an seinem Arbeitsort, gleich neben der Gefahrenzone. Bis die Statiker herausgefunden hatten, in welche Richtung das Dach einstürzen würde, war es selbst für ihn nicht erlaubt, das Restaurant zu betreten. Heute ist die Gefahr dank ein paar Baumstämmen gebannt, die das Hallendach zusätzlich stützen helfen.

Nun bleibt für den Beizer die Hoffnung, dass die Saison in diesem Jahr überhaupt in Gang kommt. Einiges spricht dagegen: Die für den Umsatz so wichtigen Curler haben jedenfalls die Segel gestrichen und der Eishockeyjugend den Vortritt gelassen. «Die Curler haben nach dem Training auch mal ein Glas Wein bestellt oder hier Znacht gegessen», sagt Wunderlin. Den Hockeyspielern reicht meist ein Bier. Weniger berechenbar ist der Appetit der Kunsti-Gäste geworden, seit der Eislauf im Freien stattfindet. Wenn es regnet, verirrt sich heute kaum jemand auf die Eisbahn. «Ob es schön ist oder nicht, macht einen Riesenunterschied», sagt Wunderlin, der mit Zunzgen/Sissach gross geworden ist. Die richtigen Mengen einzukaufen, sei fast unmöglich.

Und so hofft der 29-Jährige wie kaum ein Sissacher, dass das Hallendach im nächsten Jahr wieder hält. Gemeindepräsident Peter Buser kann nichts garantieren. Möglich sei auch, dass es ganz abgerissen werden müsse.

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