Martin Wagner war der wohl einflussreichste Schweizer Medienanwalt seiner Zeit. Ein enger Freund von FCB-Präsident und Unternehmer Bernhard Burgener, Vertreter grosser Medienhäuser und Vater sowie Geburtshelfer mehrerer millionenschwerer Deals über die Branche hinaus.

Am 28. Januar, es war frühmorgens an einem Sonntag, wurde Wagner in seinem Haus in Rünenberg ermordet. Ein 39-jähriger Mann aus der Nachbarschaft streckte den damals 57-Jährigen mit mehreren Schüssen nieder und richtete sich danach selbst.

Ein aufsehenerregender Fall

Der Fall sorgte schweizweit für Aufsehen: Nicht nur wegen Wagners Prominenz in der Medienszene, sondern auch wegen der Umstände: Die Zielstrebigkeit des Täters, der Tatort selbst und die Tatsachen, dass Wagner wenige Monate zuvor seine Frau wegen einer schweren Krankheit verloren hatte und nun drei Kinder Vollwaisen wurden.

Jetzt, über ein halbes Jahr später, hat die Baselbieter Staatsanwaltschaft den Fall eingestellt. So sieht es die Schweizerische Strafprozessordnung vor: Strafverfahren, in denen die beschuldigte Person verstorben ist, sind einzustellen. Es sei eindeutig erwiesen, dass alle Schüsse auf Wagner vom Täter selbst abgefeuert worden waren, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwochmorgen.

Das Motiv? Man schweigt beharrlich

Die genauen Motive der Tat sind nach wie vor nicht bekannt. Sie würden aber dem privaten Bereich entstammen, wie die Baselbieter Polizei schon kurz nach der Tat mitgeteilt hatte. Weitere Spekulationen über die Hintergründe wurden in der Öffentlichkeit durch den Anwalt der Hinterbliebenen mit juristischen Schritten unterbunden. Klarheit besteht einzig darin, dass sich die Familien des Opfers und des Täters sich schon vor der Tat und seit längerer Zeit kannten.

Nach dem Fall ging eine Welle der Anteilnahme durch die Medien. Wagner galt als unangenehmer, aber fairer Verhandlungspartner, der stolz war, anzuecken. So schrieb die bz in ihrem Nachruf, dass Wagner eine Begabung hatte, Menschen gegen sich aufzubringen – eine Anlehnung an die Formulierung, die Wagner selbst als Titel zu einem Porträt über seine Person vorgeschlagen hatte: «Ich habe ein grosses Belästigungspotenzial.»

Tätig war er national und international: Die von ihm kurz vor der Tat gegründete Kanzlei ist noch in Betrieb. Zuvor war er in mehreren anderen Kanzleien tätig und wirkte unter anderem als Anwalt und Rechtsberater der Baselbieter Wirtschaftskammer. Gleichzeitig war Wagner aber auch in der Vermarktung der Champions-League-Rechte tätig.

Rünenberg BL: Medienanwalt Martin Wagner erschossen

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Der mutmassliche Täter schiesst erst auf den Anwalt und richtet sich danach selbst. Passiert ist es in der Villa, in der Martin Wagner lebte.