Für David Eglin war Gott früher nicht mehr als eine Figur in einem Buch. Im Religionsunterricht, an Weihnachts- und Ostergottesdiensten hörte er die bekannten Geschichten aus der Bibel. Die von der Unbefleckten Empfängnis und der Reise nach Bethlehem, die vom letzten Abendmahl und von der Auferstehung Jesus. «Das alles war für mich, als würde ich ein altes Geschichtsbuch lesen. Mir wurde nie klar, dass das real sein sollte.»

Obwohl er nicht hundertprozentig davon überzeugt war, liess sich Eglin als Teenager konfirmieren. «Als Sek-Schüler wusste ich nicht viel über Religion, war aber auch nicht dagegen.» So ging er mit der Tradition, im Hinblick darauf, dass er seine Meinung später auch noch ändern könne.

Ein Buch gab den Ausschlag

Nach der Sekundarschule wechselte Eglin ans Gymnasium Muttenz. Er hatte sich schon immer für Naturwissenschaften interessiert und fokussierte auf Mathematik und Physik.
Eigentlich war immer klar, dass auch seine Maturarbeit, der krönende Abschluss der Gymnasiums-Jahre, ein naturwissenschaftliches Thema haben sollte. Nie hätte er gedacht, dass er über Gott schreiben und einen Theologiepreis dafür erhalten würde.

Den Ausschlag für den Richtungswechsel gab ein Buch, das Eglin eines Tages in der Schulbibliothek ins Auge sprang. «Der Gotteswahn» von Richard Dawkins faszinierte den heute 19-Jährigen so sehr, dass er mehr wissen wollte.

«Der Autor ist ein ziemlich radikaler Atheist. Er bringt viele Argumente gegen die Religion, das Christentum und vor allem gegen Gott vor», erklärt Eglin. Im ersten Moment fand er die Argumentation gut und fühlte sich in seiner eigenen Meinung bestärkt. «Als ich mich aber stärker mit der Materie befasst habe, sind einige Schwächen aufgetaucht an Dawkins Buch, das doch sehr einseitig ist.»

Aus der Auseinandersetzung mit dem Buch und dem Vergleich mit anderen Autoren entstand Eglins Maturarbeit. Sie hatte das Ziel, eine grosse Frage zu beantworten: Lässt sich der Glaube an einen Gott rational rechtfertigen? David Eglin befasste sich mit Gottesbeweisen genauso wie mit Argumenten gegen Gott, studierte unter anderem Thomas von Aquin und Kant. Er fasste die wichtigsten Theorien zusammen, ordnete Argumente und dachte sie weiter.

Seine Auswahl von Quellen und Theorien brachte Eglin grosses Lob von der theologischen Fakultät der Universität Basel ein, die den «Theologiepreis für herausragende Maturarbeiten» in Basel vergibt. Oberassistent Harald Matern spricht in seinem Gutachten unter anderem von «hervorragenden religionsphilosophischen Fähigkeiten» und lobt die sprachliche Gestaltung der Arbeit.

Eglin selbst hatte sich zuvor keine allzu grossen Chancen auf den Preis ausgerechnet: «Meine Arbeit ist eher religionsphilosophisch. Der Preis selbst soll jedoch theologische Arbeiten auszeichnen oder Arbeiten, die eine bestimmte Religion zum Inhalt haben.»
Kleinere Kritikpunkte gab es von der Jury dennoch: Der Teil, der für Gott argumentiert, sei im Vergleich zu den anderen «beinahe etwas knapp geraten».

Obwohl Eglin die grosse Frage nach der Existenz Gottes am Ende nicht hat beantworten können, ist er heute noch zufrieden: «Ich habe viel gelernt bei der Beantwortung einer Frage, die sich eigentlich nicht beantworten lässt. Die verschiedenen Probleme und Aspekte dieser Diskussion kennenzulernen war lehrreicher.»

Neben dem Lerneffekt hatte die Arbeit eine weitere Folge für David Eglin: Er gab seinen Austritt aus der Kirche. Auch seine Karriereplanung überdachte der 19-Jährige: «Ich habe mir schon überlegt, ein Philosophiestudium zu beginnen», erklärt er. Schliesslich entschied er sich aber doch für die ETH. «Sie bietet für die berufliche Zukunft mehr Möglichkeiten.» Aus dem rationalen Denker wird trotz des grossen Erfolgs am Ende kein Philosoph.