Er führt den Betrieb mit dem grössten Kundenaufkommen weit und breit und fast niemand kennt ihn: Christian Stäubli (44) ist seit diesem Jahr Geschäftsführer der Liestaler Bäder mit Hallen- und Gartenbad, die jährlich gegen eine Viertelmillion Eintritte verzeichnen. Stäubli setzte sich letzten Herbst gegen 90 Mitbewerber durch und wurde Nachfolger der langjährigen Geschäftsführerin Ines Camprubi.

Doch weder ihr Abgang noch sein Stellenantritt wurden vom Verwaltungsrat der Sport- und Volksbad Gitterli AG, an der die Stadt Liestal über 80 Prozent der Aktien hält, aktiv kommuniziert. Wieso? Verwaltungsratspräsident Bruno Imsand verweist auf einen Wunsch Camprubis, die selbst gekündigt habe: «Sie bat uns, ihren Abgang diskret zu behandeln, was wir respektierten.» Und wieso Stäubli? «Den Ausschlag gaben seine Führungserfahrung, sein Lebenslauf und seine Kenntnisse im Rechnungswesen.» Das Tüpfli auf dem i sei seine Verankerung in Liestal gewesen, so Imsand.

Weg vom fettigen Badi-Essen

Stäubli ist in Liestal aufgewachsen und wohnt mit Frau und zwei Söhnen hier. Und auch das Wasser ist ihm als einstigem aktivem Schwimmer und Trainer beim Schwimmklub Pratteln alles andere als fremd. Trotzdem war der neue Job für ihn ein Sprung ins kalte Wasser. Denn der gelernte Kaufmann arbeitete zuvor über zwei Jahrzehnte in der Logistikbranche, zuletzt als Leiter des Gütertransitmarkts bei der BLS Cargo. Der Pendelweg nach Bern war mit ein Grund, dass er auf die Stellenausschreibung in Liestal ansprang.

Stäubli relativiert die Kluft zwischen Gütertransport und Badebetrieb: «Die Konstante ist der Dienstleistungsgedanke. Früher hatte ich mit wenigen Grosskunden, heute mit vielen Einzelkunden zu tun.» In den Liestaler Bädern konnte Stäubli mit einer Art Schonfrist starten. Denn die innerhalb des mehrjährigen, insgesamt 4,5 Millionen Franken teuren Hallenbad-Sanierungsprogramms für diesen Sommer vorgesehenen Arbeiten wurden auf nächstes Jahr verschoben, um sie mit andern zu koppeln. Das bringe einen Effizienzgewinn, sagt Stäubli.

Aber auch Liquiditäts-Überlegungen trugen zur Verschiebung der 2,5 Millionen Franken teuren Auswechslung von einer der beiden Wasseraufbereitungs-Anlagen samt weiterer Elemente bei. Denn dafür muss das Hallenbad für drei Monate geschlossen werden, was schmerzt: Das Hallenbad generiert dreimal mehr Eintritte als das Gartenbad. Im 2018 schrieben die Bäder übrigens schwarze Zahlen, obwohl das Hallenbad wegen des Einbaus von neuen Fenstern und einer neuen Decke acht Wochen geschlossen war. Wie gross der Überschuss war, will Imsand zuerst den Aktionären verraten.

Der aufgeschobene Sanierungsschritt gibt Stäubli Luft, den Alltagsbetrieb in den Bädern zu verbessern. So zum Beispiel im Verpflegungsbereich. Stäubli liess diesen vom Liestaler Gastro-Betrieb Guggenheim durchleuchten mit dem Resultat, dass per Eröffnung des Gartenbads am letzten Wochenende ein Saisonkoch angestellt wurde. Stäubli verspricht sich davon eine gesündere Verpflegung: «Ich will nicht nur typisches fettiges Badi-Essen im Angebot.»

Schüler können Chef toppen

Gleichzeitig hat er – wen wunderts bei seiner Vergangenheit – die Logistik verbessert, sodass die Leute beim Aussen-Restaurant nicht mehr so lange anstehen müssen. Auch will Stäubli den Plastik so weit möglich aus den Liestaler Bädern verbannen und hat zu diesem Zweck Mehrweg-Schalen und -Becher mit Depot eingeführt. Aber auch an einer andern Front sieht er Handlungsbedarf: Die Bäder sollen wieder mehr Primarschulen anziehen. Denn im letzten Jahr ging das Schulschwimmen um 20 Prozent zurück. Stäubli mutmasst: «Das dürfte etwas mit den Wegen der auswärtigen Schulen und den strengeren Ausbildungsanforderungen an Lehrer beim Schwimmen zu tun haben.»

Eine erste Antwort ist der Einbezug der letztes Jahr aufgewerteten Riesenrutschbahn in den traditionellen Schülerwettkampf «Gitterlifisch» von Mitte Mai. Die Herausforderung heisst, beim rasanten Hinunterrutschen alle acht angebrachten Touchpanels zu berühren. Der Badi-Chef gesteht: «Ich habe das noch nie geschafft.» Wenn das nicht Ansporn für die Schüler ist.