Verkehr

Der Phantomblitz vom Arisdorftunnel

Laut dem Bundesamt für Strassen ist die alte Blitzanlage im Arisdorftunnel nicht mehr in Betrieb.

Laut dem Bundesamt für Strassen ist die alte Blitzanlage im Arisdorftunnel nicht mehr in Betrieb.

Wie effektiv die neue Abschnittsgeschwindigkeitskontrolle bei Arisdorf ist, möchte die Baselbieter Polizei noch nicht preisgeben. Oder ist gar noch immer der alte Radar in Betrieb?

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Trotz der neuen Hightech-Geschwindigkeitsüberwachung im Arisdorftunnel soll noch immer auch der alte Radar im hinteren Teil der Tunnelröhre in Betrieb sein. Ganz nach dem Motto: Doppelt genäht hält besser. Das Gerücht zirkuliert zumindest in jenen Automobilistenkreisen, die der Ankündigung Glauben schenkten, die brandneue Abschnittsgeschwindigkeitskontrolle (AGK) verzeihe kurzzeitige Tempoüberschreitungen, solange man im Durchschnitt im Rahmen des Erlaubten bleibe.

Dass so etwas tatsächlich passiert sein soll, stellt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin vehement in Abrede. «Das alte Radargerät produziert seit dem 12. Januar 2011 keine Bilder mehr zur Auswertung.» Wer nach diesem Datum den roten Radarblitz im Arisdorftunnel gesehen haben will, muss einer Täuschung oder einem Irrtum zum Opfer gefallen sein. Laut Polizei werden seit dem 12. Januar bei Arisdorf in Fahrtrichtung Sissach nur noch jene Temposünder erfasst, die von der AGK überführt worden sind. Und diese blitzt erst rund 100 Meter nach der Tunnelausfahrt.

«Etwas anderes würde ja gar keinen Sinn machen», sagt Thomas Rohrbach, der Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). «Deshalb testen wir ja die AGK bei Arisdorf, um zu sehen, welche Vorteile sie gegenüber einem herkömmlichen Radargerät bietet. Weshalb sollten wir also doppelt kontrollieren?»

Alte Anlage bleibt hängen

Die alte Radaranlage bleibt trotzdem bis auf weiteres am alten Standort hängen. Demontiert wird sie erst, wenn feststeht, dass die AGK den Erwartungen entspricht und definitiv im Arisdorftunnel bleibt; also frühestens im Herbst 2011, wenn die ersten wissenschaftlichen Auswertungen zur neuartigen Abschnittsgeschwindigkeitskontrolle erwartet werden. Übrigens habe es laut Polizeisprecher Stöcklin Anfang Januar einige ganz gescheite Automobilisten gegeben, die glaubten, dass mit Aufschaltung der AKG die Blitzanlage in Fahrtrichtung Basel abgestellt werde.

Dass dem nicht so ist, werden diese Schnellfahrer spätestens dann merken, wenn der Bussbescheid ins Haus flattert. Stöcklin: «In der Gegenrichtung bleibt die bestehende Anlage selbstverständlich in Betrieb.»

Polizei gibt keine Auskunft über erwischte Temposünder

Wie viele Temposünder seit dem 12. Januar in die Falle der AGK getappt sind, möchte die Polizei Basel-Landschaft nicht verraten - noch nicht. «Den Wunsch nach ersten Zahlen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfüllen. Dies deshalb, weil wir zuerst selbst konkrete Erfahrungen machen und somit auch Vergleichswerte etc. generieren wollen», antwortet Meinrad Stöcklin auf eine entsprechende Anfrage des «Sonntags».

Laut dem Baselbieter Polizeisprecher wäre eine erste Zwischenbilanz «nach wenigen Stunden, Tagen oder Wochen voreilig und unseriös». Erste Zahlen und Blitzerstatistiken stellt die Polizei «frühestens» in zwei bis drei Monaten in Aussicht. Ebenso wenig gibt es zum jetzigen Zeitpunkt eine Antwort auf die Frage, ob seit Einführung der AGK die Schwere der Tempoüberschreitungen im Arisdorftunnel zu- oder abgenommen hat.

Die Akten jener Raser, die derart schnell gefahren sind, dass sie verzeigt werden müssen, werden jeweils erst zwei bis drei Monate nach der Geschwindigkeitsübertretung von der Polizei an die Baselbieter Staatsanwaltschaft (siehe Box nebenan) überwiesen. Erst dann wird sich auch klären lassen, ob wie bisher vor allem ausländische Automobilisten in die fix installierten Radarfallen auf der A2 tappen, oder ob die AGK nicht auch vermehrt einheimischen Geschwindigkeitsbolzern zum Verhängnis wird.

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