Nationale Wahlen

Der Plakat-Wald schrumpft: Baselbieter Parteien planen weniger Plakatwerbung

Archiv – 18. September 2015

2015 war Birsfelden voller Wahlplakate. Vor den nationalen Wahlen im Herbst könnte das anders aussehen.

Archiv – 18. September 2015

Für die nationalen Wahlen im Herbst wollen einige Baselbieter Parteien weniger Plakatwerbung machen.

Es beginnt, wenn alle schlafen. Sie kommen aus dem Dunkeln, sobald das mitternächtliche Glockenläuten erklingt. Bereit sind sie schon lange. Eine Minute nach 12 Uhr können sie endlich loslegen: Die Baselbieter Kandidaten für die nationalen Wahlen im Herbst dürfen ihre Plakate in der Nacht vom 6. auf den 7. September aufhängen. Im ganzen Kanton wird wild plakatiert. Wenn die Bewohner am Samstag nach draussen gehen, treffen sie auf lauter Politiker, die ihnen von den Kandelabern herab zulächeln.

Dieses Jahr könnte sich das Ausmass dieses Plakat-Walds aber in Grenzen halten. Denn einige Parteien wissen bereits einen Monat im Voraus, dass sie das Plakatieren für die nationalen Wahlen reduzieren wollen. Die FDP beispielsweise hat die «wilden» Listenplakate ganz aus dem Wahlkampf gestrichen, wie Parteipräsidentin Saskia Schenker auf Anfrage sagt.

Der Grund ist simpel: «Wir haben gemerkt, dass das wilde Plakatieren für die Leute einfach zu viel wird.» Sieben Köpfe auf einem Plakat seien auch schwer zu erkennen. Der Entscheid sei am Parteitag bekannt gegeben und gut aufgenommen worden. Einzelne Kandidaten würden jedoch «Wildplakate» verwenden. Denn diese seien für die Kandidaten noch immer ein wichtiges Instrument. «Ich hoffe auch, dass es weiterhin möglich sein wird, wild zu plakatieren», sagt Schenker. Für die Liste wolle man sich aber auf andere Werbeinstrumente konzentrieren: Gezielte APG-Plakate, Social Media und Flyer.

«Totale Überreizung» in Pratteln

Nicht ganz verzichten, aber die Anzahl der Plakate reduzieren will die CVP. «Der Entscheid wurde einerseits aus Umweltschutzgründen gefällt, aber auch aufgrund der Wirkung der Plakate», sagt Parteipräsident Silvio Fareri. Plakate seien für den Wahlkampf durchaus wichtig, aber nicht überall. CVP-Plakate sollen daher nur noch dort eingesetzt werden, wo sie auch wirklich etwas bewirken. «Beispielsweise in den stadtnahen Gemeinden oder entlang der Hauptverkehrsachsen», sagt Fareri. Das aber gezielt. Denn er habe auch selber schon bemerkt, wie sehr die Plakat-Wälder die Wähler stören können. «Wenn man vor einer Wahl in Pratteln der Strasse entlanggeht, sind an jedem Pfosten mindestens drei Plakate zu finden», so Fareri. «Das ist eine totale Überreizung.»

Ähnlich sieht es die SVP. Plakate sollen die Bevölkerung dazu bringen, an die Urne zu gehen, und sie nicht davon abhalten, sagt Präsident Dominik Straumann. «Wir werden im gesunden Rahmen plakatieren und nicht übertreiben. Wir wollen die Wähler nicht belästigen», sagt er. Bereits vor den Landratswahlen habe man die Anzahl der Plakate zurückgefahren – nicht allen Parteimitgliedern habe das gepasst. «Ich persönlich finde zwar, man könnte die Menge noch mehr reduzieren», sagt Straumann. Traditionelle Wähler hingegen würden die Wahlplakate schätzen und seien nicht in den sozialen Medien unterwegs, um dort Parteiwerbung zu sehen. «Es ist aber immer eine Gratwanderung. Wir versuchen, einen Mittelweg zwischen klassischen Plakaten, Inseraten und den sozialen Medien zu finden.»

Plakate von Grünen und SP sind bereits im Druck

Die SP Baselland setzt weiterhin auf Wahlplakate. «Die Sichtbarkeit und Präsenz im öffentlichen Raum sind wichtige Faktoren im Wahlkampf. Sie können vor allem durch die Plakatierung erreicht werden», erklärt Parteisekretär Ruedi Brassel. Der Druck von rund 1500 Plakaten in verschiedenen Grössen habe bereits begonnen. Sie sollen besonders in der Nähe des öffentlichen Verkehrs und in Zentrumszonen angebracht werden. Doch Brassel betont: «Im Vordergrund steht die Basiskampagne mit der Mobilisierung von Wählern über das Telefon.» Auch Flyer, Tür-zu-Tür-Aktionen, eine Wahlzeitung und Standaktionen würden eingesetzt.

Ebenfalls nicht auf die Plakate verzichten möchten die Grünen. «Für eine Partei mit einem kleinen Budget sind die Plakate sehr wichtig. Sie sind ein einfaches Mittel, um ein Gesicht bekannt zu machen», erklärt Präsident Bálint Csontos. Die Plakate der Grünen seien soeben in Auftrag gegeben worden. Dass Plakate in grosser Zahl und Vielfalt aufgestellt würden, sei für ihn positiv. «Es ist Ausdruck der direkten Demokratie und deshalb ein gutes Zeichen.»

Autor

Kelly Spielmann

Kelly Spielmann

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