Liestal

Der «Rebgarten» ist endlich auf der Zielgeraden

Das alte Bankgebäude (vorne) und der Wohnblock dahinter werden abgerissen und müssen dem neuen Alterszentrum weichen. Rechts der Götterbaum. niz/Archiv

Das alte Bankgebäude (vorne) und der Wohnblock dahinter werden abgerissen und müssen dem neuen Alterszentrum weichen. Rechts der Götterbaum. niz/Archiv

Der «Rebgarten» in Liestal kann kommen. Nachdem die Einsprachen bereinigt sind, wird ab Mitte August am Alterszentrum beim Stedtli gebaut.

Wenn man sich tierischer Namen bedienen will, kann man sagen: Das Projekt Rebgarten ist von der Gazelle zur Schnecke geworden. Der «Rebgarten» ist das an einer von Liestals prominentesten Lagen am untern Stedtli-Eingang geplante, private Alterszentrum mit 66 Alterswohnungen und 40 Pflegebetten. Noch vor einem Jahr liess sich das Ortsparlament von den Absichten der Bauherrin, im Herbst 2016 mit dem Bau beginnen zu wollen, durch die Beratung des Quartierplans hetzen und absolvierte wenig gesetzeskonform die zwei Lesungen in einer Sitzung. Seither ist es – abgesehen von einem kleinen Sturm um einen geschützten Götterbaum – zumindest nach aussen ruhig geworden ums Projekt, und das ausgediente Bank- und Wohngebäude steht immer noch. Und in Liestal beginnt sich der Eine und Andere zu fragen: Wird der «Rebgarten» überhaupt je gebaut?

Im Sommer soll es losgehen

«Ja, wir hoffen schon bald», sagt Thomas Grossenbacher von der Landeigentümerin und Bauherrin Swiss Prime Anlagestiftung. Derzeit befinde man sich am Ende des Bewilligungsverfahrens, alle Einsprachen – zwei private und eine der Stadt Liestal – hätten bereinigt werden können. Grossenbacher rechnet derzeit mit einem Baubeginn nach den Sommerferien; zwei Jahre später wäre der «Rebgarten» dann bezugsbereit. Der Leiter des Baselbieter Bauinspektorats, Andreas Weis, stellt denn auch eine Baubewilligung in der ersten April-Hälfte in Aussicht, falls keiner der drei Einsprecher den weiteren Rechtsweg beschreite.

Zwei bestätigen explizit den Rückzug ihrer Eingabe – die Stadt Liestal und Fritz Strub; der dritte Einsprecher ist namentlich nicht bekannt. Liestal hat vor allem die Fassaden- und Umgebungsgestaltung bemängelt. Heinz Plattner vom Liestaler Stadtbauamt präzisiert, dass es bei der Gebäudehülle um Grösse und Anordnung von Eingängen und Fenstern gegangen sei. Bei einem Gebäude an so exponierter Lage wie dem «Rebgarten», das von der Öffentlichkeit sehr stark wahrgenommen werde, gälten erhöhte Anforderungen an die gestalterische Qualität. Einen andern wichtigen Punkt legen die Stadt und die Bauherrin allerdings erst in der Rohbauphase fest – die Farbgebung für den «Rebgarten».

Fritz Strub, der mit seiner Einsprache die Zukunft des prominenten Götterbaums zwischen dem geplanten Neubau und dem Restaurant Farnsburg sichern wollte, hat ein Stück weit resigniert: «Ich habe meine Einsprache zurückgezogen. Das Ganze hat eine unglaubliche Wende genommen und ist mir verleidet.» Damit spielt Strub darauf an, dass der Götterbaum, der nicht zuletzt wegen seiner Einsprache eben erst einen Sicherheits- und Pflegschnitt erhalten hat, seit wenigen Tagen dem Kanton gehört. Denn der Eigentümer des «Rebgartens» hat einen sechs Meter breiten Uferstreifen entlang des Orisbachs, auf dem auch der umstrittene Baum steht, an den Kanton abgetreten. Was dieser in Zukunft mit dem Baum macht, kann Michael Schaffner vom Geschäftsbereich Wasserbau im Moment nicht sagen. Denn der Baum ist zwar ein Neophyt, der eigentlich in kantonalen Uferstreifen nichts zu suchen hat. Gleichzeitig ist er aber im Liestaler Zonenplan Siedlung als erhaltenswertes Gehölz vermerkt. Laut Schaffner wird das Schicksal des Baums im Rahmen der Revitalisierung des Orisbachs entschieden. Derzeit läuft die Planung des Abschnitts von der Rheinstrasse, das heisst dort, wo der Götterbaum steht, bis zur Mündung des Orisbachs in die Ergolz.

Tertianum ist Hauptmieterin

Künftige Hauptmieterin des «Rebgarten» ist Tertianum, eine in der Schweiz immer stärker werdende Dienstleisterin in Sachen Leben im Alter. Sie wird die Alterswohnungen, Pflegebetten und das vorgesehene öffentliche Bistro betreiben. Tertianum gehört wie die Bauherrin Swiss Prime Anlagestiftung unter das Dach der Swiss Prime Site und steht mittlerweile auch auf der Baselbieter Pflegeheimliste. Bedingung dafür war, dass Tertianum für die 40 geplanten Pflegebetten eine Bedarfsbestätigung und eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt Liestal einbringen konnte. Der «Rebgarten» verfügt auch über Gewerberäume, die laut Grossenbacher an Ärzte, Physiotherapeuten oder eine Apotheke vermietet werden sollen. Das Investitionsvolumen für den ganzen «Rebgarten» inklusive Tiefgarage veranschlagt Grossenbacher auf 60 Millionen Franken.

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