Oberdorf

Der Rehkitz-Retter mit der Flugdrohne

Schon sieben Rehkitze konnte Hans Dalcher dieses Jahr aufspüren und retten.

Schon sieben Rehkitze konnte Hans Dalcher dieses Jahr aufspüren und retten.

Mit dem Einsatz von modernster Technik bewahrt Jagdaufseher Hans Dalcher Rehe vor dem Tod durch Mähmaschinen.

Es sind traurige Szenen, die sich Jahr für Jahr beim Mähen auf den Feldern abspielen. Rehkitze, von der Mutter im hohen Gras abgelegt und von blossem Auge praktisch nicht erkennbar, geraten unter Mähmaschinen und werden getötet. Für die Bauern ist das eine grosse emotionale Belastung: «Wenn sie mit 20 Kilometer pro Stunde fahren und die Tiere im letzten Moment sehen, können sie nicht mehr anhalten», weiss Hans Dalcher, Jagdaufseher in Oberdorf.

Vor zwei Monaten hat er sich deshalb eine Drohne und eine Wärmebildkamera angeschafft. Mit dieser Ausrüstung kann er Rehkitze und andere Wildtiere wie Junghasen im Gras aufspüren. «Sogar eine Maus würde es mir anzeigen», sagt Dalcher.

Die Bauern in der Umgebung können ihn anrufen, und er sucht das Feld am Morgen vor dem Mähen systematisch ab. Vier junge Rehkitze, die noch nicht selber aufstehen konnten, hatte er bereits retten können. Drei weitere sind selber geflüchtet, als die Drohne über ihnen schwirrte. Die ganz Jungen trug er eigenhändig in den Wald – mit viel Gras umwickelt, damit sie den Menschengeruch nicht annehmen, weil sie sonst von der Mutter verstossen werden.

Display zeigt Tiere rot an

Normalerweise ist Hans Dalcher am frühen Morgen unterwegs. Heute, zu Demonstrationszwecken, treffen wir ihn am Vormittag im Gelände. Die Drohne, die im Anhänger mitgefahren ist, muss zuerst installiert und aufgestartet werden, dann baut sie die Verbindung mit dem Steuergerät und den GPS-Satelliten auf. Blinkend und piepsend sitzt sie auf dem Asphalt, bis Dalcher sie in die Höhe dirigiert.

Wenn er sie in acht bis zehn Metern Höhe über das Feld fliegen lässt, hat er auf seinem Display einen 30 Meter breiten Grasstreifen im Blickfeld. Sobald er auf ein Objekt stösst, das eine höhere Wärmeabstrahlung hat, erscheint dieses rot auf dem Bildschirm. Er könne zwar nicht garantieren, dass er jedes Reh finde, betont Hans Dalcher, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Tier übersehe, sei gering.

Lässt Dalcher die Hebel am Steuergerät los, verharrt die Drohne an Ort und Stelle in der Luft. So kann er sich ganz auf die Rettung konzentrieren, wenn er ein Reh gefunden hat. Manchmal begleitet ihn seine Partnerin, was ihm die Arbeit erleichtert.

Diesmal allerdings zeigt das Gerät nichts Aussergewöhnliches an. Der Hang für den Demonstrationsflug sei etwas steil, meint Hans Dalcher. Rehe würden für ihre Kitze flaches Gebiet bevorzugen. Dafür hält ein Bauer am Wegrand und beginnt ein Gespräch mit dem Jagdaufseher. Auch er hat schon miterlebt, dass junge Rehe «vermäht» wurden. Das Schlimmste seien ihre Schreie, erzählt er.

Dienstleistung ist gratis

Dalcher ist froh, dass er nun etwas dagegen unternehmen kann. Die Ausrüstung habe ihn einige Tausend Franken gekostet, eine rein private Investition, aber das sei es ihm wert. Von den Bauern verlange er kein Geld für seine Dienste, er mache das freiwillig. Erfreulicherweise habe er dieses Jahr noch keine Meldung erhalten, dass ein Reh in eine Mähmaschine geraten sei.

Hans Dalcher ist seit gut einem Jahr Wildhüter in Oberdorf, wo er seit sieben Jahren wohnt. Früher ging er in Solothurn auf die Jagd. Als der heute 69-Jährige nochmals die Jagdprüfung ablegte – «es war happig», gibt er zu –, wurde er gleich gefragt, ob er das Amt des Jagdaufsehers übernehmen wolle. Gerne habe er zugesagt: «Wenn man pensioniert ist, ist das der schönste Job, wenn jemand ein Naturmensch ist.» Die vier Pächter im Jagdrevier Oberdorf hätten ihn freundlich aufgenommen.

Dieses Jahr haben die Rehe früh gelegt, schon Ende April, wie Dalcher feststellt. Die Hauptlegezeit sei jetzt vorbei, aber Nachzügler könne es immer geben. Er hoffe deshalb, dass sich möglichst viele Landwirte, auch in der weiteren Umgebung, bei ihm meldeten, bevor sie ein Feld mähten. Seines Wissens sei er der Einzige in der Region, der mit der Drohne auf Rehkitzrettung gehe.

Anmeldungen: Hans Dalcher, Jagdaufseher, Oberdorf, Telefon 061 461 07 82 Mobil 079 244 93 06

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