Die Trockenheit in diesem Jahr war und ist für die Natur eine starke Belastung. So verendeten im Rhein, vor allem in der Ostschweiz, etliche Fische. Das hat auch mit dem Pegel des Rheins zu tun: Je weniger Wasser, desto schneller wärmt es sich auf. Doch nicht nur die Natur hat mit der Trockenheit zu kämpfen. Den Schweizerischen Rheinhäfen machen die tiefen Wasserstände zu schaffen.

Für die Messstation Basel Rheinhalle gelten Pegelstände unter sechs Meter als Niedrigwasser. In diesem Jahr fiel der Pegel bis Ende August an 145 Tagen unter diese Grenze. So im gesamten Juli und auch im August. Seit dem 20. Juni stieg der Pegel nicht mehr über sechs Meter.

Weniger Wasser, mehr Schiffe

«Ab Juli und im August ist der Güterumschlag im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, der Vorsprung der ersten Jahreshälfte wird dann teilweise aufgezehrt», sagt Jelena Dobric, Sprecherin bei den Schweizerischen Rheinhäfen auf Anfrage. Entsprechend würden die Hafenabgaben aus dem Umschlag etwas abnehmen, sagt Dobric weiter.

Der Grund: die erhöhten Kosten für den Schifftransport. Denn je tiefer der Wasserpegel, desto mehr Schiffe braucht es, um die gleiche Menge an Gütern zu transportieren. Wenn mehr Schiffe fahren müssen, um die gleiche Menge zu transportieren, wird irgendwann der Frachtraum knapp. Der Preis steigt. Verschärft wird dies noch durch Zulagen wegen der tiefen Pegelstände.

Da kommt der sogenannte Pegel Kaub ins Spiel. Dieser ist entscheidend für alle Häfen südlich des deutschen Koblenz, also auch Basel. Liegt dieser bei 2,5 Meter, können die Schiffe ganz normal laden. Sinkt nun der Pegel auf 1,35 Meter brauchts für die gleiche Menge schon zwei Schiffe.

Weil das Abladen von weniger gefüllten Schiffen ein im Verhältnis erhöhten Aufwand bedeutet, wird ab einem Pegelstand von 1,5 Meter ein Zuschlag fällig. Nimmt der Wasserstand noch weiter ab, steigt der Preis. «Dies führte in diesem Sommer dazu, dass der Transport via Schiff auf dem Rhein fast nicht mehr wirtschaftlich war», sagt Dobric. Das zeigt sich in den statistischen Daten der Rheinhäfen. Im Juli wurden 2,5 Prozent weniger Güter an den Rheinhäfen umgeschlagen, als ein Jahr zuvor. Besonders in Birsfelden ist der Umschlag im Vergleich zum Vorjahr tiefer ausgefallen: um 7 Prozent.

Rhein bald drei Grad wärmer?

Die Trockenheit in diesem Jahr ist aussergewöhnlich. Eine Studie der internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) kommt zu einem überraschenden Schluss: In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts seien Niedrigwasserstände deutlich häufiger gewesen als in den zweiten 50 Jahren. Dies schreibt die Schweizerische Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft in ihrer der September-Ausgabe von «SVS aktuell».

Das hat auch damit zu tun, dass mehr Wasser im voralpinen und alpinen Raum gespeichert wird, um es im Winter zur Stromerzeugung zu nutzen. Das heisst, dass Niedrigwasserereignisse im Winter, im Gegensatz zu früher, vermehrt ausgeglichen werden.
Diese Tendenz lässt sich anhand der Daten seit dem Jahr 2000 erkennen. Im Sommer waren anfangs der 2000er-Jahre Pegelstände unter sechs Meter noch relativ selten. Ausser im Rekordjahr 2003, wo praktisch der ganze Sommer über tiefe Pegelstände gemessen wurden.

In den letzten Jahren zeigt sich aber eine Tendenz dazu, dass im Sommer vermehrt solche Niedrigwasser-Ereignisse eintreten. Dies beobachten auch die Rheinhäfen, sagt Dobric. Um den Auswirkungen von Niedrigwasser entgegenzutreten, wird momentan der Rhein vertieft. Das Projekt hat allerdings Verspätung, wie die Schweizerischen Rheinhäfen Ende August mitteilten.

Für die Zukunft sieht die Studie eine Häufung von Niederigwasserereignissen, heisst es weiter. Das könnte gerade im Sommer zu Komplikationen führen. Dabei steht nun die Natur vor einem Problem: Der IKSR geht davon aus, dass die Wassertemperaturen im Sommer um 1,5 Grad steigen bis 2050. In ferner Zukunft, also bis 2100, könnte der Rhein gar um 3 Grad wärmer werden im Sommer.