«Jeder Organismus ist ein Wunder», sagt Bruno Erny, «ich war immer fasziniert von der Natur und ihrer Artenvielfalt.» Der 58-jährige Rothenflüher hat sein Leben den Pflanzen und Tieren gewidmet. Das persönliche Schaffen sowieso. Sein Beruf ist der eines Betriebsleiters des Botanischen Gartens der Universität Basel. Seine Berufung ist, der Umwelt auf die Beine zu helfen. «Handeln muss ich lokal in meinem persönlichen Rahmen», erklärt Erny, «ich mache das, was ich tun kann, dort, wo ich auch etwas erreichen kann.» Seit Jahrzehnten kümmert er sich um Flora und Fauna in Rothenfluh und Umgebung. Das hat ihm nun den Walder-Preis eingebracht, den mit 50 000 Franken höchstdotierten Naturschutzpreis der Nordwestschweiz.

«Absolut zu Recht», meint Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, «wenn man mit ihm etwas anpackt, dann geht was.» Ein pragmatischer, bescheidener Schaffer sei Bruno Erny. Bescheiden bestimmt. Auch während der Preisübergabe und der Feierlichkeiten vom Dienstagabend drängt er sich nicht ins Rampenlicht. Liest erst mal eine Liste mit den Namen verdienter Mitstreiter herunter. Bestätigt darauf, dass ihm diese «Anerkennung eine Ehre ist», mit der er nicht gerechnet habe. Wenn man sich vor Augen hält, was Erny alles geleistet hat, darf man sich ruhig fragen: Wieso eigentlich nicht?

Grossvaters Zigarrenschachteln

Eine Kostprobe. Bruno Erny ist eine treibende Kraft hinter sieben betreuten Naturschutzgebieten auf einer Fläche von sechs Hektaren. 35 Wieselburgen hat er ermöglicht und 800 Kunstnester für Mehlschwalben. Am Ursprung von 17 Hecken mit einer Gesamtlänge von vier Kilometern steht er, Bruno Erny. Gegenüber dem WWF sagte er einst, über die Rothenflüher Landschaft blickend: «Wo wir stehen, wuchsen vielleicht 25 Allerweltspflanzen. Jetzt kann man über 60 Gehölzarten, Kräuter und Gräser entdecken. Jede Art weist – über den Daumen gepeilt – auf zehn Insektenarten hin.»

Erny war ein echter Frühstarter. Als Kind sei er fasziniert gewesen von den Hornissen, die sein Grossvater in Zigarrenschachteln sammelte. Von den Grillen, den Käfern. «Grossvater hat mir beigebracht, die Details zu beachten und die Tiere genau anzusehen.» Sein Vater besass Obstbäume und Bienen. Bereits mit zwölf Jahren ist Bruno Erny dem Natur- und Vogelschutzverein Rothenfluh-Anwil beigetreten, den er heute präsidiert. Er begann Feuersalamander zu züchten. «Gemeinsam mit den Geburtshelferkröten begleiten sie mich auch nach 50 Jahren noch.»

Hiobsbotschaften

Wer die Natur liebt, wie es Erny tut, der macht sich Sorgen. Der ungebremste Artenschwund verursache ihm Bauchschmerzen sowie die Verschmutzung weltweit. Plastikmüll im Meer, ölverschmierte Vögel, Schwermetalle im Boden. «Du kannst das Radio einschalten, dann kommt eine Hiobsbotschaft nach der anderen», sagt Erny, «das musst du irgendwie ausblenden, weil du dich ja nicht global einsetzen kannst.» Im lokalen Rahmen jedoch schon.

Das Preisgeld lässt Bruno Erny über diverse Kanäle in seine Arbeit für die Natur sickern. Zwar sagt er es ruhig, ohne mit der Wimper zu zucken, doch das innere Feuer ist irgendwie spürbar: «Ich habe mir ein tolles Fernrohr gekauft. So etwas hatte ich noch nie.» Einen Teil des Preisgelds wolle er auch in seine Reise nach Australien stecken. Heute Donnerstag sitzt Bruno Erny mit seiner Frau Tina im Flugzeug nach «Down Under». Dort will er sich das Great Barrier Reef und die Nationalparks ansehen. Beruf und Berufung verschmelzen einmal mehr. Er kenne viele australische Pflanzen aus dem Botanischen Garten, die er sich nun in der Natur, in ihrer Natur, anschauen wolle. «Das hilft den Horizont ein wenig zu erweitern», meint Erny, «das gibt einem auch wieder einen anderen Fokus.»