Wahlen 2019

Der Siegesmarsch der Grünen Maya Graf – jetzt sind Baselbieter Bürgerliche skeptisch

Hauchdünn lag sie von Beginn an vorne, bis sie auch in grossen Agglo-Gemeinden siegte: Die Grüne Maya Graf ist neue Baselbieter Ständerätin. Die Bürgerlichen allerdings zeigen sich skeptisch, ob sich die Biobäuerin einmitten wird.

Wer glaubte, dass der zweite Gang der Baselbieter Ständeratswahlen für Grünen-Nationalrätin Maya Graf eine Spazierfahrt würde, wurde gestern eines Besseren belehrt. Zwar lag die Sissacherin von Anfang an in Führung, doch der Rückstand von Konkurrentin Daniela Schneeberger war lange gering.

Erst als Graf nach 60 von 86 ausgezählten Gemeinden fast 800 Stimmen Vorsprung aufwies und diesen nach 70 Gemeinden gar auf knapp 1400 ausbaute, dürfte auch dem letzten Unterstützer von Schneeberger klar gewesen sein, dass die FDP-Nationalrätin den Sprung ins Stöckli nicht schafft. Am Ende betrug die Differenz 2093 Stimmen: Maya Graf holte 32 581 und Daniela Schneeberger 30'488, was 50,8 zu 47,6 Prozent Wähleranteil entspricht. 1021 Stimmen gingen an Diverse.

Maya Graf will ihre Werthaltung nicht verleugnen

Die Erleichterung war bei der Grünen-Politikerin gross: «Im Moment kann ich es noch gar nicht richtig begreifen. Das muss sich erst setzen», sagte sie im Foyer des Liestaler Regierungsgebäudes. Sie habe gewusst, dass es knapp werde. Es bestätigte sich, was nach dem ersten Wahlgang vom 20 Oktober angenommen wurde: Graf konnte nicht sämtliche 22 500 Stimmen, die der ausgeschiedene SP-Kandidat Eric Nussbaumer bekommen hatte, zu sich hinüberziehen. Gleichwohl legte sie um knapp 10 000 Stimmen zu, Schneeberger lediglich um 4000. Dies alles bei einer Wahlbeteiligung von 35 Prozent, also 6,4 Prozentpunkte tiefer als im ersten Durchgang. «Es war eine Mobilisierungsfrage», so Grafs erste Analyse.

Beide Kandidatinnen nahmen für sich in Anspruch, die Stimmen der Mitte-Wähler abgeholt zu haben. Ein Indiz, das für Schneeberger spricht, erwähnte FDP-Präsidentin Saskia Schenker: «Gerade in der CVP-Hochburg Laufental konnte Daniela viele Stimmen holen.» Tatsächlich schaffte es die Freisinnige in keinem Bezirk, eine grössere Differenz auf Graf herauszuholen. Die 425 Stimmen Vorsprung im Laufental und die 244 im Bezirk Waldenburg konnten jedoch nicht die Niederlagen in den drei grösseren Bezirken wettmachen (siehe Tabelle Seite 25). So konnte Graf im Bezirk Arlesheim sogar in Grossgemeinden punkten, die eher als bürgerlich gelten – wie Reinach oder Allschwil.

Die Bürgerlichen sind skeptisch

Etwas wurde gestern sehr deutlich: Im bürgerlichen Lager herrscht Skepsis, ob sich Biobäuerin Graf als Ständerätin einmitten wird. «Es ist an ihr, das Versprechen einzulösen, dass sie moderater wird», sagt Schenker. Felix Keller, CVP-Fraktionschef im Landrat, spricht Klartext: «Es ist erschreckend, wie links Grafs Positionen sind. Viel linker geht gar nicht. Daher muss sie sich schon in die Mitte bewegen. Daran werden wir sie in vier Jahren messen.» Graf selbst ist sich der Erwartungshaltung bewusst: «Selbstverständlich ist es ein Rollenwechsel vom National- zum Ständerat. Ich vertrete einen Stand. Parteipolitik steht nicht an erster Stelle. Ich werde von meiner politischen Ausgangsposition aus auf gemeinsame Lösungen hinarbeiten.» Die 57-Jährige sagt aber auch: «Bei der Lösungssuche darf ich mich und meine Werthaltung nicht verleugnen. Ich verspreche, dass ich Maya Graf bleibe.»

Als grosses Vorbild bezeichnet sie dabei ihren Vorgänger Claude Janiak von der SP. Dieser war gestern ebenfalls in Liestal. Und auch er erhofft sich von Graf, dass «sie sich breiter aufstellt». Dass die Grüne das kann, davon ist Janiak überzeugt, zumal die beiden die vergangenen vier Jahre in Bern in der Geschäftsprüfungskommission zusammengearbeitet haben: «Ich traue es ihr auf jeden Fall zu.»

Und der Abgetretene rückt die Verhältnisse zurecht: «Umgekehrt ist Daniela Schneeberger ziemlich weit rechts aufgestellt. Die Versuche, sie in die Mitte zu rücken, waren etwas mutig.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1