Muttenz

Der Sole-Geysir tötete in seinem Umkreis jegliches Leben

Das Salzwasser, das aus der Wiese beim Sulzkopf spritzte, richtete einigen Schaden an der Umwelt an.

Das Salzwasser, das aus der Wiese beim Sulzkopf spritzte, richtete einigen Schaden an der Umwelt an.

Für Passanten sah es beeindruckend aus, als am Dienstag beim Sulzhof in Muttenz plötzlich Wasser aus einer Wiese schoss. Doch der Schaden, den der Geysir anrichtete, ist enorm. Und noch immer ist unklar, warum plötzlich Sole aus der Wiese schoss.

25 Meter hoch war der künstliche Geysir, der aus einem Bohrloch der Schweizer Salinen AG kam. Und weil die Sonne schien, dürfte es einen herrlichen Regenbogen gegeben haben.

Weniger schön ist, was das salzige Wasser angerichtet hat. Es floss nämlich in den Dorfbach – und tötete auf über einem Kilometer jegliches Leben. Rund hundert Meter rund um die Schadensstelle wird auf unbestimmte Zeit kaum mehr etwas wachsen. Betroffen sind neben Wiesen ein Getreidefeld und einige Bäume.

Für die Schweizer Salinen ist völlig unerklärlich, was geschehen ist. «Wir haben so etwas noch nie beobachtet», sagt Geschäftsführer Urs Hofmeier. Dabei hätten die Geologen des Unternehmens seit Jahrzehnten mit Bohrlöchern zu tun. Entgegen der Polizeimeldung stand das Bohrloch vor dem Ereignis nicht unter Druck. Das Bohrloch war seit 2009 nicht mehr in Betrieb, es war deshalb nicht verschlossen. Das betroffene Bohrloch war eines der derzeit rund 20 stillgelegten und vom Leitungssystem getrennten, die beobachtet werden, bevor sie nach zehn bis zwanzig Jahren verschlossen werden.

Wiederholung nicht vorhersehbar

Im jetzt betroffenen Bohrloch wie auch in den umliegenden habe man nie etwas Auffälliges beobachtet, sagt Hofmeier. Es schien also alles im grünen Bereich – bis vorgestern plötzlich der Druck anstieg. Deshalb lautet Hofmeiers Hypothese: Es ist vorgestern etwas im Untergrund passiert. Derzeit wird technisch-wissenschaftlich untersucht, wie der Unfall geschehen konnte. Man werde wohl mit einem Echolot ein dreidimensionales Bild des Bohrlochs erstellen, sagt Hofmeier. Er vergleicht die Situation mit der einer Mineralwasserflasche. Schüttle man sie, spritze das Wasser heraus – lasse man sie ruhig, bleibe es drin. Solange die Ursache für das vorgestrige Ereignis nicht bekannt ist, lässt sich nicht sagen, ob sich so etwas wiederholen kann.

Bach ist eingedolt

Vorgestern sank der Druck nach einigen Stunden. Jetzt sei das Niveau stabil, sagt Hofmeier. Es gelangten nach nachträglichen Schätzungen nicht 1000, sondern rund 500 Kubikmeter Salzwasser (Sole) in die Umwelt. «Im Bach hatte man keine Chance, etwas zu machen», sagt Dominik Bänninger, im kantonalen Amt für Umwelt und Energie (AUE) zuständig für Grundwasser. Der kantonale Fischereiaufseher hat ihm einige tote Fische gemeldet.

Im Bach habe es auch Kleintiere wie Bachflohkrebse gehabt. Wenn das Salz ausgewaschen sei, werde im Bach wieder Leben einkehren. Fast ein Glücksfall ist, dass er ab Dorfkern bis zum Rhein eingedolt ist. Damit bleibe das Grundwasser in der Ebene ungefährdet, sagt Bänninger.

Die Schweizer Salinen beginnen heute nach Absprache mit dem Gemeindeführungsstab Muttenz und dem AUE, den Humus auf der Wiese rund um das Bohrloch rund zehn Zentimeter tief abzutragen. Die Landwirte werden von den Salinen für ihren Ertragsausfall entschädigt.

Hofmeier erklärt, die Schweizer Salinen würden für die Wiederherstellung geradestehen, «obwohl uns keine Schuld trifft», wie er betont. Wieviel Geld das Unternehmen in die Hand nehmen muss, ist noch völlig unklar. Es dürften aber Haftpflichtversicherungen einspringen.

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