Öffentlicher Verkehr

Der Sommerfahrplan stellt alles auf den Kopf – So kommen Sie ans Ziel

Die Passagiere werden via App, Durchsagen und Bildschirmen am Bahnhof über die Umstellungen informiert.

Die Passagiere werden via App, Durchsagen und Bildschirmen am Bahnhof über die Umstellungen informiert.

Der Sommerfahrplan der SBB bringt vor allem Pendler aus dem Konzept. Wer routiniert minutengenau auf den Zug aufspringt, könnte eine böse Überraschung erleben. Doch von Zugausfällen und überfüllten Ausweichzügen ist vorerst nicht zu sprechen.

Basel, 6:59 Uhr. Eine junge Frau schreit in ihr Handy. «Wenn du dich beeilst, schaffst du’s vielleicht noch.» Die Kollegin am anderen Ende der Leitung hört das Wort Sommerfahrplan gerade zum ersten Mal. Schmerzlich muss sie erfahren, dass ihr angepeilter 7.04-Uhr-Zug über Olten nach Luzern nicht fährt und sie den Ersatzzug verpasst. Oder doch nicht? Eigentlich hätte der Zug nach Olten schon vor zwei Minuten abfahren sollen, doch noch rollt kein Rad.

7.01 Uhr, Basel. «Oh, jetzt fährt er grad los.» Der Zug wartet offensichtlich nicht. Die Zuspätkommerin am Telefon wird den Anfang ihres Fotografie-Kurses in Luzern verpassen. Das Lästern beginnt. «Es regt mich schon auf, dass ich jetzt den ganzen Sommer immer in Olten umsteigen muss.» ... «Wie wird das wohl, wenn auf dem Heimweg alle verschwitzt stinken.» ... «Zum Glück habe ich immerhin einen Sitzplatz gefunden.» 7.12 Uhr, Liestal. Niemand muss stehen. Auch die Passagiere, die in Liestal zusteigen, finden alle einen Sitzplatz. So mancher kann es sich sogar erlauben, seine Tasche auf den Nebenplatz zu stellen. Die Massnahmen der SBB, verlängerte Züge und Doppelstock-Wagen, wirken.

7.18 Uhr, Läufelfingen. «Diese Strecke ist auch schön. Es freut mich, wieder einmal hier vorbeifahren zu können», sagt ein älterer Herr zum Kondukteur. Der lächelt zurück. Der befürchtete Pendlerstress ist bisher ausgeblieben. Die meisten Passagiere wussten vom Sommerfahrplan und haben sich darauf eingestellt. Ach die durch den Sommerfahrplan getrennten Freundinnen tratschen am Handy mittlerweile über ihre Wochenendausflüge.

7.28 Uhr, Olten. Drei Minuten nach der geplanten Ankunftszeit kommt der Zug in Olten an. Die reine Fahrzeit war trotz des Halts in Liestal nur drei Minuten länger als die Direktverbindung. Wie an jedem Morgen strömen die Pendler aus und in die Züge. Mehr als sonst scheinen es nicht zu sein. Nur wenige halten stirnrunzelnd vor den Anzeigebildschirmen in der Unterführung an und studieren die Neuerungen, die der Sommerfahrplan mit sich bringt. Zwei SBB-Mitarbeiter helfen ihnen weiter. «Bis jetzt ist alles ruhig geblieben», sagt eine der beiden. Auch für die Kassierein am Kiosk ändert sich kaum etwas: «Bis jetzt merken wir nichts vom Sommerfahrplan. Die Leute sind immer gestresst. Heute nicht mehr als sonst auch.»

8.30 Uhr, Olten. Üblicherweise fährt der IC61 um diese Uhrzeit auf Gleis 7 ein und setzt zwei Minuten später die Fahrt Richtung Liestal fort. Meist trifft der Intercity mit leichter Verspätung im Baselbiet ein. Obwohl der Sommerfahrplan den Reisenden eine Minute schenkt, steht der Zug an diesem Sommermorgen ungewohnt früh im Oltner Bahnhof. Exakt um 8.33 Uhr rollt der Doppelstöcker aus dem Oltner Bahnhof, steigt Augenblicke später nach einer scharfen Linkskurve durch Trimbach dem Hauenstein-Scheiteltunnel entgegen. Dem östlich in den Berg führenden Basistunnel bleibt für die Sommermonate die Nebenrolle. Wegen der Wartungsarbeiten zwischen Tecknau und Gelterkinden bleibt auf dem 4,3 Kilometer langen Streckenabschnitt nur ein Gleis offen. Die SBB ersetzt zwischen den Baselbieter Ortschaften Schotter, Schwellen und Schienen.

8.39 Uhr, Läufelfingen. Nach der kurzen Fahrt durch den 160 Jahre alten Hauenstein-Scheiteltunnel schlängelt sich der Zug wieder durch die Idylle des Oberbaselbiets. Die Fernverkehrszüge bewegen sich vorübergehend auf den den Spuren des Läufelfingerlis. Erst im vergangenen Jahr sprach sich das Baselbieter Stimmvolk mit 65 Prozent dagegen aus, die Regionalbahn einzustellen. Die SBB hätte die Alternativstrecke durch den alten Hauenstein ohnehin aufrechterhalten. Der aktuelle Sommerfahrplan zeigt warum.

8.52 Uhr, Liestal. Fünf Minuten später als üblich – dafür pünktlich – hält der IC61 im Kantonshauptort und zieht weiter Richtung Basel.

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