Werden eines Tages weniger Autos durch Birsfelden fahren? Oder bildet sich weiterhin ein Stau im Ortszentrum, sobald es auf der Autobahn A 2 klemmt - also fast täglich? Diese Frage stellen sich viele Birsfelder, wenn sie an die anstehende Neugestaltung der Ortsdurchfahrt denken.

Das federführende kantonale Tiefbauamt wird erst am 22. August offiziell enthüllen, was es vorhat, an einer öffentlichen Informationsveranstaltung. Dabei sind die Pläne bereits öffentlich einsehbar, wie der Blog «Birsfälder.li» herausgefunden hat. Die Ausschreibung für das Vorprojekt ist nämlich online, und dort erläutert das Tiefbauamt ziemlich genau, was es vorhat.

So sind zwei Kreisel vorgesehen, einer vor dem Bären-Zentrum und der andere bei der Schulstrasse. Das Tram hat dank Ampeln immer Vortritt. Die Birseckstrasse soll neu dort die Rheinfelderstrasse erreichen, wo heute die Fussgänger- und Velounterführung Im Lerchengarten (neben dem Denner) ist. Dafür müssen Bauten abgerissen werden, und es wird vor dem Theater Roxy Fläche zur Neubebauung frei. Diese Pläne entsprechen dem, was kommende Woche öffentlich vorgestellt wird, das bestätigt auf Anfrage Christian Stocker Arnet, im Tiefbauamt Projektleiter der Birsfelder Ortsdurchfahrt.

Alle Interessen unter einen Hut bringen

Mehr Details will das Tiefbauamt nicht verraten. «Wir sind uns bewusst, dass man sensibel vorgehen muss, um in diesem städtischen Raum alle Interessen unter einen Hut zu bringen», sagt Stocker Arnet. Er deutet an, dass der Kanton offen ist für Änderungen am aktuell vorliegenden «Betriebs- und Gestaltungsprojekt», wenn er sagt: «Von allen Varianten ist die aktuelle diejenige, die aufzeigt, was verkehrstechnisch funktioniert.» Was die Gestaltung angehe, könne man im Vorprojekt noch vieles einfliessen lassen.

Erst am 22. August erläutern will er, wie das Tiefbauamt mit dem weit verbreiteten Wunsch umgehen will, den Ausweichverkehr von der Autobahn A 2 durch Birsfelden zu verringern. Die Ausschreibungsunterlagen sind diesbezüglich widersprüchlich. Einerseits steht da unter «Projektzielsetzungen» die «gestalterische Aufwertung des Strassenraumes» und die «Erhöhung der Aufenthaltsqualität». Andererseits steht unter «Randbedingungen und Anforderungen» klipp und klar: «Durchleitfunktion der Haupt-/Rheinfelderstrasse muss weiterhin gewährleistet bleiben» und «Heutige Verkehrsmengen müssen auch in Zukunft gewährleistet werden».

Einen kleinen Hinweis gibt die Aufteilung der Fahrspuren. Von der Hard bis zur Kreisel bei der Schulstrasse sollen Auto und Tram eigene Flächen erhalten. Im belebteren Zentrumsabschnitt bis zur Kantonsgrenze hingegen, wo Geschäfte und Cafés sind, müssen sie sich eine Spur teilen. So wird mehr Platz für Trottoirs, Velospuren und Parkplätze frei, und das freut den Gemeindepräsidenten Christof Hiltmann. Er meint: «Der Kanton hat unseren Wünschen nach einem Boulevard, der Priorisierung des Langsamverkehrs und den Bedürfnissen der Läden Rechnung getragen.» Das entspreche dem Birsfelder Stadtentwicklungskonzept.

Gleichzeitig ist in den Plänen des Kantons keine Rede von einem langjährigen Wunsch der Gemeinde: Eine Ampel, die bei der Hard den Verkehr dosiert. Es heisst dort nur etwas kryptisch: «Grossereignisse auf der Autobahn A 2 werden nicht berücksichtigt, der betrachtete Perimeter kann aber vor deren Auswirkungen geschützt werden.»

Reduktion der Kapazität vorerst nicht realistisch

Hiltmann ist überzeugt: Eine Reduktion der Verkehrskapazität ist momentan nicht realistisch. «Den Stau werden wir mit diesem Projekt kurzfristig nicht aus Birsfelden kriegen. Damit müssen wir leben.» Dies sei von Anfang an klar gewesen. «Aus Birsfelder Sicht verbinden wir mit dem Projekt das Ziel eines sichereren und attraktiveren Ortszentrums.» Das Anliegen Verkehrsreduktion sei damit jedoch nicht vom Tisch. Aktuell werde es mit dem Rheintunnel, der unterirdischen Autobahn von der Hard ins Kleinbasel.

Bis dahin müssen sich die Birsfelder gedulden. Der Tunnel ist nicht vor 2035 fertig.