Baselbieter Regierungswahlen 2019

Der Sunnyboy, der immer im Schatten steht – 2019 wird für Dominik Straumann zum Schicksalsjahr

Erst 41 und schon 15 Jahre lang im Landrat: 2019 trifft Dominik Straumann deshalb die Amtszeitguillotine.

Erst 41 und schon 15 Jahre lang im Landrat: 2019 trifft Dominik Straumann deshalb die Amtszeitguillotine.

SVP-Landrat Dominik Straumann will 2019 in die Baselbieter Regierung. Wie schon 2013 und 2015. Doch jedes Mal scheiterte er in der parteiinternen Ausmarchung. Nun steht ihm mit Nationalrat Thomas de Courten bereits wieder jemand vor der Sonne. Da er auch aus dem Landrat ausscheidet, wird 2019 für Straumann zum Schicksalsjahr.

Er galt als der Shooting Star und Sunnyboy der Baselbieter SVP: Dominik Straumann zog mit nur 27 Jahren in den Landrat ein. Das war 2003. Schnell etablierte sich der Jungspund in der Kantonalpartei und in der Fraktion.

Als Thomas de Courten 2011 in den Nationalrat wechselte, übernahm Straumann das Fraktionspräsidium, das er bis heute innehat. Nie verhehlte er, dass er zu noch Höherem strebt und stets bestärkte ihn die Parteileitung um Präsident Oskar Kämpfer, indem sie Straumanns Name regelmässig bei grossen Wahlen ins Spiel brachte.

Doch genauso regelmässig musste der Muttenzer hinten anstehen, wenn es hart auf hart kam. Vor allem bei Regierungswahlen. Das war 2013 so, als Straumann sich bei der Ersatzwahl für den Sitz des zurückgetretenen Freisinnigen Adrian Ballmer SVP-intern offiziell bewarb, dann aber Thomas Weber den Vorzug bekam.

Und es war bei den Gesamterneuerungswahlen 2015 so, als Straumann es innerhalb der SVP zwar zum Kandidaten schaffte, die Partei dann aber zugunsten von FDP-Kandidatin Monica Gschwind und einer bürgerlichen Wahl-Allianz verzichtete.

2019 könnte Straumann ohne Amt dastehen

Jetzt ist Dominik Straumann 41. «Ich bin ja immer noch relativ jung», sagt er selbst. Das Etikett «Shooting Star» allerdings passt eindeutig nicht mehr für Einen, der seit bald 15 Jahren im Parlament sitzt und 2019 von der Amtszeitguillotine unsanft hinausbefördert wird.

Da käme ein fliegender Wechsel in die Regierung natürlich gelegen. Tatsächlich sagt Straumann zur bz: «Mein Interesse ist grundsätzlich gross und den entsprechenden Ehrgeiz bringe ich auch mit.» Bloss: Das nützt wenig, wenn der eigene Parteipräsident sich bereits öffentlich auf einen anderen Kandidaten festlegt, wie dies Kämpfer vergangenen Samstag gegenüber dieser Zeitung getan hat. «Ich werde alles unternehmen, um Thomas de Courten davon zu überzeugen, für den Regierungsrat zu kandidieren», sagte er.

Da auch Nationalrat de Courten sein Interesse bestätigte und Kämpfer in der Regel die Parteibasis im Griff hat, sieht es also schlecht aus für Straumann – einmal mehr. Beim Feuerwehrkommandanten und ehemaligen Polizisten müssten alle Alarmglocken schrillen, denn 2019 könnte er plötzlich komplett ohne politisches Amt dastehen. Schliesslich misslang ihm 2016 schon die Wiederwahl in den Muttenzer Gemeinderat.

«Ja, dieses Szenario ist möglich», sagt Straumann. Auch er sei – wie viele andere – von Kämpfers klarem Votum pro de Courten überrascht worden. «Frustriert bin ich aber nicht», hält er fest. Denn: «Es ist noch nicht aller Tage Abend.» Am Parteitag der SVP Mitte April werde man den Puls der Basis spüren.

Hoffnung auf den Nationalrat

Für Straumann ist auch denkbar, dass der Basis neben dem gesetzten Amtsträger Thomas Weber mehrere Kandidaten für den angepeilten zweiten Sitz zur Auswahl gestellt werden. Doch selbst Straumann sieht de Courten nun in der Favoritenrolle. «Im Moment, in dem durch die Verhandlungen mit FDP und CVP alles sehr unruhig ist, ist es richtig, dass die SVP geschlossen auftritt und mit de Courten auf ihr stärkstes Pferd setzt.»

Und hier kommen wir wieder zu Straumanns Alter. «Ein paar Jahre gehen schnell vorbei», sagt er. Er wisse um seine Fähigkeiten – Straumann steht für eine Konsenspolitik, ganz anders also als Hardliner de Courten – und werde bereit sein, wenn der Zeitpunkt stimme.

Überhaupt sagt er: «Ich lechze nicht nach Ämtern und muss keine Tränen vergiessen, wenn ich ohne dastehe.» Ganz kann man es dem Muttenzer allerdings nicht abnehmen, denn er nennt bereits die Gemeinderatswahlen 2020 und die Landratswahlen 2023 als mögliche Ziele.

Und wer weiss: Gelingt de Courten am 31. März 2019 der grosse Regierungs-Coup, würde just Straumann in den Nationalrat nachrücken. Dann stünde dem Sunnyboy endlich niemand mehr vor der Sonne.

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