79 Jahre alt ist Paul Messmer und schon seit 15 Jahren nicht mehr Direktor der BLT – doch im Gespräch wird schnell klar: Sein Herz hängt noch immer an «seinem» U-Abo. «Ich verfolge die aktuelle Diskussion um eine Zonierung des Tarifverbunds intensiv. Es wäre schlicht eine Dummheit, sich von dem Erfolgsrezept des Umwelt-Abos zu verabschieden: der Einfachheit.» Rückt die Zonierung tatsächlich näher, kündigt Messmer Widerstand an: «Ich würde alle Abonnenten aktivieren. Auch ein Komitee zu gründen, dürfte bei der Masse an Betroffenen nicht schwer werden.»

Komplizierteres U-Abo «Unsinn»

Seit 27 Jahren gibt es das U-Abo. 1984 war es, als Messmer die Regierungen beider Basel in Rekordzeit davon überzeugte, dass man dem Bürger das Umsteigen vom Auto auf den öffentlichen Verkehr schmackhaft machen muss. «Damals gab es wegen unzähliger Zonenangebote noch 450 verschiedene Abonnements», blickt der Münchensteiner zurück. Seit dem Start ging es stets aufwärts. Heute sind 175000 U-Abos pro Monat im Umlauf. «Warum an einem erfolgreichen System schrauben?», stellt Messmer in den Raum. Dabei wehre er sich nicht gegen eine Tariferhöhung, die mit der Teuerung und dem verbesserten Service zu rechtfertigen sei. «Unsinn» sei es aber, das ganze System komplizierter zu machen.

«Einfacher als jetzt geht nicht», stimmt sein Nachfolger Andreas Büttiker zu. Der aktuelle BLT-Direktor und Geschäftsführer des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) hätte gegen eine simple Verteuerung des konkurrenzlos günstigen öV-Abos nichts einzuwenden. Aber: «Der TNW funktioniert nur, wenn man jeden der verschiedenen Partner ernst nimmt. Ich darf den Wunsch Basel-Stadts, die Zonierung zu prüfen, nicht ignorieren.» Dabei betont Büttiker, dass die gestern in der «Basler Zeitung» angesprochene Studie des Verkehrsplanungsbüros Rapp Trans erst eine Vorstudie sei. Diese sprach der Zonierung nur «einen geringen Mehrwert» zu. Über die nächsten zwölf Monate müsse eine Detailstudie verfasst werden, denn, so Büttiker: «Erst möchte ich alle Fakten und Zusammenhänge auf dem Tisch haben – dann können wir entscheiden.»

Wessels über Baselland «irritiert»

Messmer hat nichts gegen die Detailprüfung einzuwenden, doch «das Ergebnis ist für mich jetzt schon klar». Eine Zonierung bedeute letztlich Mehrkosten bei der Distribution, den Billettkontrollen und der Kundenberatung. Dies gelte auch für die einfachste Variante mit nur zwei Zonen. «Basel-Stadt würde nicht mehr einnehmen, denn unter anderem würden die Subventionsabgaben der Partnerkantone an die Stadt gestrichen», sagt Messmer.

«Uns geht es in keiner Art und Weise darum, mehr einzunehmen, sondern einzig um ein verursachergerechtes Modell», hält der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels fest. Er stellt im Gegenzug die Motivation des Nachbarn infrage: «Ich finde es irritierend, dass Baselland die Zonierung ins Sparpaket gepackt hat.» Büttiker hält sich aus den Interessenkonflikten raus: «Ich will neutral bleiben. In einem Jahr gebe ich dann ein Statement ab.» Er wisse allerdings genau, dass Widerstand programmiert sei: «Es würde mich nicht überraschen, wenn es am Ende zu einer Volksabstimmung kommt.» Messmer weiss seinen Nachfolger derweil einzuschätzen: «Seine Meinung ist ziemlich mit meiner vergleichbar. Aber er steckt in einer Rolle fest, wie ich damals auch.»