Nachruf

Der Vater des U-Abos war voller Tatendrang

Paul Messmer (1932–2019). (Archivbild)

Paul Messmer ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

Für Paul Messmer, den damaligen Chef der Baselland Transport AG (BLT) war der 1. März 1984 ein freudiger Tag. Die Verhandlungen mit beiden Basel hatten sich ausbezahlt. Das kleine Stückchen Papier, das aus den Bemühungen resultierte, sollte den öffentlichen Verkehr im Raum Basel in den kommenden Jahren revolutionieren.

Das Umweltschutz-Abonnement (U-Abo) hatte seinen Siegeszug angetreten. Als Folge der Diskussionen um das Waldsterben und der damit verbundenen Verminderung der Luftschadstoffe wurde überall eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs postuliert. Deshalb setzte sich Paul Messmer in der Region für die Einführung eines Abonnements ein, mit dem es möglich sein sollte, im ganzen Tarifverbund Nordwestschweiz die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Es gelang ihm, Baselbieter und Basler Regierungsräte von seinem Ansinnen zu überzeugen.

Im Nachhinein hat sich das Waldsterben nicht so stark ausgewirkt, wie befürchtet wurde. Das U-Abo ist jedoch auch mehr als 35 Jahre nach der Lancierung noch im Trend. Für unzählige Menschen ist es aus ihrem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Erfinder Paul Messmer stärkte auch nach seinem Abgang bei der BLT dem Abonnement den Rücken. Mehrmals kritisierte er Bestrebungen der beiden Basel, im Tarifverbund verschiedene Zonen einzuführen. Noch im April 2016 erklärte er: «Eine Bieridee ist das. Die Sache ist zu gut und zu stark in der Bevölkerung verankert, als dass man sie einfach so zerstören könnte. Das Schlimmste wäre die Zonierung. Denn damit würde die einfache Grundidee kaputtgemacht: Dass das Abo im ganzen Verbundgebiet gültig ist und sich die Fahrgäste darin frei bewegen können.»

Aus einem Gemischtwarenladen wurde ein funktionierender Betrieb

Die Etablierung des U-Abos ist sicher die bedeutendste Hinterlassenschaft von Paul Messmer. Der 1932 in St. Gallen geborene Ostschweizer liess sich nach der Schule zum Drogisten ausbilden. Seine Tätigkeit führte ihn in die Region Basel, wo er in einer Drogerie arbeitete und sich anschliessend selbstständig machte. Bei der Gründung der BLT im Jahr 1974 wurde er zu deren Verwaltungsratsvizepräsidenten gewählt. Vier Jahre später folge dann der wohl wichtigste Karriereschritt: Er wurde beim Transportunternehmen Delegierter des Verwaltungsrats und Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Es gelang ihm, einen funktionierenden Betrieb zu formen. Bei der Pensionierung seines Kollegen schrieb der damalige Präsident des BLT-Verwaltungsrats und Baselbieter Regierungsrat Eduard Belser: «Paul Messmer hat das anfänglich recht gemischte Gebilde zu einem schlagkräftigen Unternehmen zusammengeschweisst.» Der Betrieb war aus der Fusion von vier zuvor eigenständigen Gesellschaften hervorgegangen. Den Blick für übergeordnete Zusammenhänge habe er als Chef nie aus den Augen verloren.

Mitte der Neunzigerjahre wurde Paul Messmer als führender Mann bei der BLT von Andreas Büttiker abgelöst. «Ich konnte einen Betrieb übernehmen, der auf einem sehr gesunden Fundament stand», sagt der Nachfolger über die Arbeit seines langjährigen Vorgängers. «Er war eine starke und charismatische Persönlichkeit voller Tatendrang. Zwar konnte er in der Unternehmensführung sehr hart sein, setzte sich aber gleichzeitig fürsorglich für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.» Es sei durchaus vorgekommen, dass er Angestellten, die private Probleme hatten, persönlich zur Seite stand und sie finanziell unterstützte. Messmer sei ein Patron gewesen, wie es ihn heute kaum noch gebe.

Er sass für die CVP im Landrat und im Münchensteiner Gemeinderat

Bei den Verhandlungen mit den unterschiedlichen Partnern kam Paul Messmer seine eigene politische Tätigkeit zugute. Für die CVP sass er von 1965 bis 1972 im Münchensteiner Gemeinderat und betreute dort das Ressort Finanzen. Von 1971 bis 1977 war er Teil des Baselbieter Landrats.

In dieser Funktion stiess er einst zur BLT – die er wie kein anderer prägen sollte.

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