Das Skilager steht auch in den Nordwestschweizer Kantonen vor einer ungewissen Zukunft. Ein Bundesgerichtsurteil verbietet, dass Eltern künftig mehr als 16 Franken pro Lagertag in Rechnung gestellt werden dürfen. Durch diesen Entscheid fehlt den Schulen viel Geld, an das sie auf andere Weise gelangen müssen. Gerade in dieser Situation ist die Stiftung des Laufentaler Schneesport-Pioniers Fridolin Karrer wichtiger als je zuvor.

Der 84-jährige Gründer des bekannten Skiverleihs Sportshop Karrer in Laufen hat eine Mission: die Wintersportförderung der Jugend. In den 1960er-Jahren organisierte er mit einigen Helfern erste Schneesporttage in den Bergen. Vor eineinhalb Jahren gründete er eine Stiftung zur Unterstützung von Skilagern. In diesem Winter sprach die Fridolin-Karrer-Stiftung erstmals gut 30'000 Franken: 67 Schulen und Sportvereine aus den Kantonen Baselland, Basel-Stadt und Solothurn erhielten Beiträge zwischen 400 und 1000 Franken. Den unterstützten Institutionen steht frei, wofür sie das Geld verwenden. Einige Schulen nutzen es für die Miete von Schlitten, andere für die Medaillen beim Skirennen.

«Wir rechnen fest damit, dass wir nun deutlich mehr Gesuche erhalten werden», erklärt Alex Kummer, Co-Präsident der Fridolin-Karrer-Stiftung. Den Entscheid des Bundesgerichts kritisiert er mit klaren Worten: «Die weitere Entwicklung der Skilager ist dadurch gefährdet.» Die Kantone und Gemeinden würden vor grosse Herausforderungen gestellt. Zwar habe die Stiftung durchaus Möglichkeiten, noch mehr Beiträge zu sprechen, als dies diesen Winter der Fall war. Er betont jedoch, dass man nur unterstützend tätig sein könne. Den grössten Anteil müssten die Schulen bezahlen.

Lehrer befürchten Spardruck

Nach Bekanntwerden des Urteils aus Lausanne begannen in beiden Basel hinter den Kulissen die Rechenspiele. Sowohl fürs Baselbiet als auch für Basel-Stadt entstehen durch den Entscheid zufälligerweise dieselben Mehrkosten: 600'000 Franken. Der Baselbieter Regierungsrat könne diesen Betrag sprechen, sagt Monique Juillerat, Sprecherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. «Generell gehören Lager, Projektwochen und Schulausflüge zum festen Bestandteil eines Schulalltags.» Es wäre ein grosser Verlust, wenn diese nicht mehr stattfinden könnten. Der Kanton Basel-Stadt möchte am derzeitigen Angebot festhalten. Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements, will jedoch zur Finanzierungsart noch nichts Genaueres sagen. Nur so viel: «Wir rechnen verschiedene Szenarien durch.»

Der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland plädiert dafür, dass sich der Landkanton klar zum Erhalt der Skilager bekennen soll. «Es ist zu befürchten, dass auch dieses Thema gerade im Baselbiet vornehmlich unter dem finanziellen Gesichtspunkt diskutiert werden wird. Das wäre aber falsch», erklärt Vereinspräsident Roger von Wartburg. Das Engagement von Stiftungen wie der Fridolin-Karrer-Stiftung sei nobel und begrüssenswert. Der Staat dürfe aber nicht beginnen, die Ressourcierungs-Verantwortung für diesen Teilbereich der öffentlichen Schule in Richtung Stiftungen abzudelegieren. Sein Verein werde sich dafür einsetzen, dass die wertvollen Wintersportlager nicht kurzfristigen Sparargumentationen zum Opfer fallen.

Noch immer voller Enthusiasmus

Was die Fridolin-Karrer-Stiftung in der Region tut, macht die Schneesportinitiative Schweiz auf nationaler Ebene. Schulen können bei der von Bund und Verbänden getragenen Einrichtung um finanzielle Unterstützung für Skilager anfragen. Geschäftsführer Ole Rauch schätzt zwar die Grundidee des Urteils des Bundesgerichts, dass Skilager für die Schüler kostenlos sein sollen. Gleichwohl ist ihm klar, dass durch den Wegfall der Elternbeiträge neue Finanzierungsmodelle gesucht werden müssen. Und das sei nicht von heute auf morgen möglich. Für ihn steht fest, dass die Bedeutung der Fridolin-Karrer-Stiftung zunehmen werde.

Stiftungen wie jene von Karrer, die sich auf die Förderung des Schneesports fokussiert haben, gebe es in der Schweiz nur sehr wenige, sagt er. Er habe den Gründer im Shop in Laufen besucht und sei fasziniert von seinem nach wie vor riesigen Enthusiasmus gewesen.