Männiglich fragte sich in den letzten Tagen, wieso die Autobus AG Liestal (AAGL) von der Regierung derart hart angepackt wird. Denn diese hat der AAGL eine Vogel-friss-oder-stirb-Auswahl unterbreitet: Entweder unterschreibt die AAGL bis Ende Februar die Zielvereinbarung, dass sie ab 2020 auf ihren zehn Buslinien im mittleren und oberen Kantonsteil jährlich 1,6 Millionen Franken einspart. Oder diese Linien werden auf den Fahrplanwechsel Ende 2023 ausgeschrieben. Das wäre aller Voraussicht nach das Ende der AAGL als öV-Dienstleister.

Denn das Unternehmen könnte kaum mit den Grossen in der Branche mithalten, zu denen in der Region die Baselland Transport AG (BLT) und Postauto gehören. Diese hätten einen entscheidenden Vorteil: Sie könnten zu Grenz- statt zu Vollkosten offerieren. Gleichzeitig stehen die eigenen Linien von BLT und Postauto mit wenigen Ausnahmen nicht zur Diskussion. Die beiden Transportunternehmen haben zwar auch Zielvereinbarungen mit dem Kanton zu erfüllen, aber sie müssen nicht noch an einer personell und finanziell aufwendigen Ausschreibungsfront ums Eingemachte kämpfen.

Dazu kommt eine stossende Ungleichbehandlung: Die Zielvereinbarungen mit BLT und Postauto beruhen auf einem Benchmark-Modell mit mehreren hundert beteiligten Buslinien in der Schweiz. Die Grundlage für die regierungsrätliche Sparvorgabe an die AAGL ist aber, so weit bekannt, eine frühere Offerte der BLT. Dieses Messen mit unterschiedlichen Ellen thematisiert auch ein hängiger Vorstoss im Landrat.

Die BLT-Offerte hat eine Vorgeschichte. Die Regierung hat in ihrer Eigentümerstrategie von 2015 festgehalten, dass sie die Kantonsbeteiligung an der AAGL abstossen und die Konzessionen im öV auf eine Transportunternehmung – sprich BLT – konzentrieren wolle. Der Kanton hält derzeit 22 Prozent am AAGL-Aktienkapital und 43,4 Prozent an jenem der BLT. Dort stellt er auch fünf von neun Verwaltungsräten, bei der AAGL einen von sechs. Entsprechend klein bis inexistent ist der strategische Einfluss der Regierung auf die AAGL. Aber mit dieser Situation muss die Regierung wohl oder übel klarkommen, 2015 verwehrte ihr die vorberatende Landratskommission eine Umwidmung der AAGL-Aktien vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen. Damit war ein Verkauf der Aktien ausgeschlossen.

Trotzdem kokettierte die Regierung in Interpellationsantworten im Landrat weiter mit ihrer Sympathie für nur noch einen öV-Partner im Kanton. So etwa mit der Aussage im Jahr 2017: «Die BLT ist der verlängerte Arm des Regierungsrates zur Realisierung der definierten Politik im öffentlichen Verkehr.» Die BLT verdankte das umgehend mit einer Steilvorlage an die Regierung. Ihr Verwaltungsratspräsident André Dosé teilte per Mail mit, dass die BLT die Buslinien der AAGL in den Jahren 2017, 2018 und 2019 um 2,1 Millionen Franken günstiger betreiben könne. Beweisen muss das die BLT nie, denn die AAGL-Konzessionen laufen grossmehrheitlich erst Ende dieses Jahres aus.

Die Regierung nahm das BLT-Angebot zum Anlass anzukündigen, die AAGL-Linien auszuschreiben. Ende 2017 schwächte sie den Beschluss ab. Seither gilt: Falls bis Ende 2018 mit BLT und AAGL für deren insgesamt 18 Linien im mittleren und oberen Kantonsteil keine gemeinsame Zielvereinbarung zustande kommt, werden sie ausgeschrieben. Die Vorgabe: ab 2020 «durch Kooperationslösungen oder eine Fusion wiederkehrende Einsparungen in der Höhe von mindestens 2 Millionen Franken jährlich im Vergleich zu 2017 zu erzielen». Bis heute gibt es keine Einigung. Dafür weiss man mittlerweile, dass die AAGL den Hauptbrocken dieser zwei Millionen zu sparen hat.

Es ist unbestritten: Die BLT ist ein hervorragend aufgestelltes Unternehmen, was sie jetzt mit der Waldenburgerbahn-Erneuerung wieder beweist. Aber deshalb mit der AAGL ein gut verankertes und bestens funktionierendes KMU mit rund 100 Mitarbeitern zu opfern, zielt in die falsche Richtung. Dies umso mehr, als der Landrat mit seinem Nein zu einem Verkauf der AAGL-Aktien schon einmal zu verstehen gab, dass er nichts von der Regierungsstrategie mit nur noch einem öV-Player im Kanton hält.