Liestal

Die Banntags-Rebellen von Liestal: So war der Bannumgang trotz abgesagtem Bannumgang

Diese vier waren Traditionalisten: Sie liefen punkt acht Uhr aus dem Stedtli in Richtung Wald.

Diese vier waren Traditionalisten: Sie liefen punkt acht Uhr aus dem Stedtli in Richtung Wald.

Offiziell gab es gestern keinen Banntag in Liestal. Inoffiziell schwärmten aber zahlreiche kleine Männergruppen in den Wald aus.

Das Spazieren im Wald am Montag vor Auffahrt scheint in der DNA der Liestaler Mannen programmiert zu sein. Denn obwohl der 615. Banntag, der in normalen Zeiten gestern hätte stattfinden sollen, wegen der Coronakrise offiziell schon Mitte April abgesagt worden war, waren in Liestal während des gestrigen Morgens immer wieder kleine Männergruppen zu sehen. Sie waren teils unauffällig gekleidet, teils in Banntagstracht mit Hut und Maien sowie Spazierstock unterwegs. Einzig die typischen Vorderlader fehlten durchs Band.

Das Ziel all dieser Männergrüppchen war der Liestaler Wald. Die einen zog es zu einer Feuerstelle, andere wiederum hielten es strenger mit der Tradition, liefen die vorgesehene Route ihrer Rotte zumindest zu einem Teil ab und kehrten in jener Beiz ein, in der auch ihre Rotte gegessen hätte. Weil sich die Banntägler so weit sichtbar an die Vorgabe, höchstens zu fünft unterwegs zu sein, hielten, mussten die vier Rottenchefs nicht eingreifen. Sie trafen sich kurz vor acht Uhr – der Abmarschzeit an Banntagen – mitten im Stedtli für den Fall, dass nicht alles nach Coronadrehbuch ablaufen sollte. 

Rottenchef wurde vom Saulus zum Paulus

Etwas Wehmut klang aber mit, als Domenic Schneider, Chef der dritten Rotte, sich per Videobotschaft an die Liestaler Mannen wandte: «Liebe Banntägler, es ist so weit: Banntagsmontag fünf vor acht, das Stedtli ist leer, es ist komisch und anders als es je gewesen ist. Aber wir vier Rottenchefs wünschen Euch einen wunderschönen Banntag 2021 am nächsten 10. Mai. Tschau zäme.»

Schneider selbst hat übrigens einen radikalen Coronawandel durchgemacht. Am Fasnachtssonntag protestierte er noch gegen die Absage der Fasnacht, indem er an vorderster Front symbolisch einen Sarg zu Grabe trug. Gestern nun wachte er an gleicher Stelle über die Einhaltung der Coronaregeln.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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