Bei den Baselbieter Grünen herrschte gestern Sonntag hektische Aktivität hinter den Kulissen; und das nicht etwa darum, weil Fraktionschef Klaus Kirchmayr von einem mehrwöchigen USA-Trip nach Hause kam. Grund dafür war vielmehr ein wahltaktischer Schachzug, den der Vorstand um Kantonalpräsidentin und Landrätin Florence Brenzikofer (Oltingen) ausgebrütet hat: Die Grünen werden zu den Nationalratswahlen am 18. Oktober mit einer zusätzlichen dritten Liste antreten. Den genauen Inhalt des Vorhabens wollen die Grünen heute Montagvormittag in der Kantonsbibliothek in Liestal im Rahmen eines Medienfrühstücks vorstellen.

Wie die bz bereits vorher erfahren hat, geht es darum, dass die Umweltpartei eine zusätzliche Liste 70 mit sieben altverdienten Vertretern ins Rennen schicken will. Diese Liste figuriert unter dem Namen «Grüne Panther» und steht in Unterlistenverbindung mit der von Nationalrätin Maya Graf angeführten Liste 7 der Mutterpartei. Ergänzt wird das grüne Trio durch die Liste 77 des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, das ebenfalls eine Unterlistenverbindung zu Grafs Liste 7 teilt.

Sieben erfahrene Persönlichkeiten

Parteipräsidentin Brenzikofer, die zusammen mit Graf, Kirchmayr, Ex-Kantonalpräsident Philipp Schoch, den Gemeindepräsidenten Lukas Ott (Liestal) und Karl-Heinz Zeller (Arlesheim) sowie Vorstandsmitglied Anna Ott für den Nationalrat kandidiert, bestätigt die Informationen der bz. Die Namen, die auf der Liste der «Grünen Panther» stehen, möchte sie aber erst heute am Medienfrühstück öffentlich machen. Zumindest gut vorstellbar ist, dass sich unter den noch unbekannten Kandidatinnen und Kandidaten die frühere Nationalrätin Ruth Gonseth befindet. Die 72-jährige Liestaler Ärztin ist einer breiten Öffentlichkeit nach wie vor bestens bekannt und Initiantin eines Spitalprojekts in Nepal.

Brenzikofer verrät nur so viel, dass es sich um sieben «erfahrene Persönlichkeiten handelt, welche die Wiederwahl von Maya Graf durch ihr politisches Gewicht und ihr Engagement für grüne Themen unterstützen möchten, die gerade aus dem Blick nach der Erwerbsphase besonders bedeutsam werden». Ziel der Grünen ist es, aus eigener Kraft und ohne Zutun des Bündnispartners SP die rund 12 Prozent Stimmenanteil zu erreichen, die es für die Verteidigung des Sitzes von Graf braucht. Nach den 13,6 Prozent bei den Nationalratswahlen im Herbst des Fukushima-Jahres 2011 sind die Grünen bei den Landratswahlen im vergangenen Februar auf 9,57 Prozent abgerutscht.