Hotellerie

Die Baselbieter Hotelkette «Sunstar» – von Liestal aus die Alpen erobert

Das Hotel in Grindelwald ist 1971 errichtet worden und heute die eigentlich Perle von Sunstar.

Das Hotel in Grindelwald ist 1971 errichtet worden und heute die eigentlich Perle von Sunstar.

Die Baselbieter Hotelkette Sunstar vermeldet rechtzeitig zu ihrem runden Jubiläum wieder einen Aufwärtstrend.

Der Name des Jubilars lässt so gar nicht aufs Baselbiet schliessen, trotzdem ist er fest verankert im Kanton – und strahlt von hier in die Schweizer Bergwelt aus. Die Rede ist von der Firma Sunstar, die vor 50 Jahren – exakt am 14. März 1969, was am Donnerstag gebührend gefeiert wurde – von zwei Baselbietern mit Tellerwäscher-Karriere gegründet wurde und ihren Sitz seither in Liestal hat. Heute betreibt Sunstar zehn Hotels in den Schweizer Alpen, eines im Tessin und eines in Italien, beschäftigt in der Zentrale in Liestal 25 und insgesamt 420 Mitarbeitende.

Dass die beiden Gründer Fritz Buser (1921–2018) und Ernst Rieder (1913–1995) für ihr Unternehmen einen englischen Namen wählten, lässt in ihre – weitgehend gescheiterte – Intention blicken, die hiess: Start in der Schweiz, Expansion ins Ausland. Die Lust auf diese Expansion ist ihnen Ende der 1980er-Jahre aber vergangen. Sie kauften damals ein grosses Grundstück im spanischen Marbella und wollten darauf ein Fünf-Stern-Hotel mit 400 Betten bauen. Nach eineinhalb Jahren intensiver Planung kam der Hammer: Der spanische Staat wollte eine Autobahn quer übers Grundstück bauen. Die Übung wurde abgeblasen und das Grundstück verkauft.

Die Sunstar-Gründer Ernst Rieder (links) und Fritz Buser im Jahr 1986.

Die Sunstar-Gründer Ernst Rieder (links) und Fritz Buser im Jahr 1986.

Erster Schnitt wegen Erdölkrise

Dafür lief es den Sunstar-Gründern im Inland vorerst wie am Schnürchen. Der Auftakt erfolgte in Davos. Fritz Buser fiel ein riesiges Parkareal mit einem ehemaligen, trotz mässigem Komfort gut laufenden Sanatorium auf. Und er malte sich aus, wie gut erst ein modernes, komfortables Hotel laufen müsste.

Also kaufte er das Areal zusammen mit seinem Freund und Geschäftspartner Ernst Rieder, sie rissen das Sanatorium ab und bauten das erste Sunstar-Hotel. Schlag auf Schlag ging es weiter mit Neubauten nach mehr oder weniger gleichen Plänen: 1970 in Lenzerheide, 1971 in Grindelwald und 1973 ein zweites Hotel in Davos. Dann kam die Ölkrise, und Sunstar änderte ihre Strategie.

Doch woher hatten Buser und Rieder überhaupt das Geld für einen derart fulminanten Start? Denn die beiden Oberbaselbieter kamen nicht aus begüterten Elternhäusern, Buser sogar aus einer armen Bauernfamilie aus Hemmiken. Die Antwort: Beide wurden schnell nach ihrer Grundausbildung Unternehmer und reüssierten. Buser nach einer Banklehre in der Immobilienbranche, Rieder als Bäcker und Koch in der Gastronomie.

«Die Erdölkrise brachte den ersten Schnitt in der Firmengeschichte, denn es lohnte sich nicht mehr, neue Hotels zu bauen», erzählt Beat Hess (58). Er wurde 1999 von Buser als Sunstar-Geschäftsführer angestellt; seit vergangenem Herbst sitzt er im Verwaltungsrat (siehe Box rechts). Der Schnitt hiess, statt Neues zu bauen fortan Bestehendes zu kaufen. So 1977 ein Hotel in Flims, 1979 eines in Villars, das 2003 wieder verkauft wurde, 1981 in Wengen, 1998 in Arosa, 2003 in Klosters, 2004 in Brissago, 2009 das einzige ausländische Hotel im Piemont, 2010 in Zermatt und 2011 je eines in Pontresina und Saas-Fee.

Als der Eurokurs absackte

Das langjährige Sunstar-Konzept beschreibt Hess so: «Wir wandten uns mit standardisierten, gut ausgestatteten Zimmern und Wellness-Bereichen an eine Kundschaft, die sich in den Bergen sportlich betätigen wollte und Geselligkeit schätzte. Dies nach dem Motto ‹Erst-Klass-Ferien zu vernünftigem Preis›.»

Den zweiten, tieferen Schnitt brachte der Kurszerfall des Euro. Dazu Hess: «Wir sind stark vom Währungskurs abhängig.» Entsprechend rasant war die Achterbahnfahrt in den vergangenen Jahren mit einem Euro, der von 1.60 auf 1.05 Franken absackte und sich nun wieder leicht auf 1.14 Franken erholt hat. Auch wenn Sunstar nach roten Zahlen jetzt wieder einen kleinen Gewinn schreibt, sagt Beat Hess: «Vor allem die Deutschen fehlen uns. Wir haben noch halb so viele wie früher.» Doch nicht alle Sunstar-Hotels sind gleich von der Eurokrise betroffen. Denn innerhalb der Schweizer Bergwelt gebe es eigentliche Mikrowelten, sagt Hess. Eine sei das Bündnerland, das von den Deutschen bevorzugt werde und jetzt entsprechend leide. Dazu komme, dass einzelne Orte wie Davos Bettenüberkapazitäten haben. Sunstar hat deshalb das erste Hotel in der Firmengeschichte vorletztes Jahr verkauft.

Oberland boomt, Graubünden nicht

Das Berner Oberland wiederum tickt anders. Hess: «Das boomt dank der grossen Nachfrage vor allem aus dem Fernen Osten. Früher kamen in erster Linie Japaner, heute mehr Koreaner, Taiwanesen und Chinesen. Insbesondere Grindelwald ist ein Hotspot, und wir können mit unserem dortigen Hotel die derzeitigen Einbussen im Bündnerland kompensieren.» Rund die Hälfte der Sunstar-Gäste stammt übrigens aus der Schweiz, auf dem zweiten Platz folgen die Asiaten.

Sunstar hat mit einer Strategieänderung auf die Euro-Krise reagiert. Seit zwei Jahren wird jedes Hotel individuell positioniert und auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet. So wendet sich zum Beispiel das Sunstar-Hotel in Arosa, das über eine Sporthalle verfügt, vor allem an Familien und Jugendliche mit sportlichen Ambitionen. Oder jenes im Piemont an kulinarische und önologische Geniesser.

Beat Hess: «Wir sind wie eine Pralinenschachtel mit zwölf verschiedenen Leckerbissen drin: Jede Praline ist anders, aber vom gleichen Produzenten.» Also so ziemlich das Gegenteil von früher mit weitgehend standardisierten Betrieben. Wer Pralinen zum Aktionspreis probieren will, für den kommt das 50-Jahr-Jubiläum wie gerufen: Jedes Sunstar-Hotel bietet in diesem Jahr zu gewissen Zeiten eine Nacht pro Person für 50 Franken an.

Verwandtes Thema:

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1