Partnerschaft

Die beiden Basel planen ein gemeinsames Pandemiespital

Auf dem Bruderholz (im Bild die erweiterte Notfallabteilung) wurden zuletzt ausschliesslich Coronapatienten behandelt.

Auf dem Bruderholz (im Bild die erweiterte Notfallabteilung) wurden zuletzt ausschliesslich Coronapatienten behandelt.

Ein Coronaspital beider Basel ist nicht zu Stande gekommen. Doch nun arbeiten die Kantone an einer gemeinsamen Lösung für die Zukunft.

Das krisengeschüttelte Bruderholzspital hat in den vergangenen Wochen eine Renaissance erlebt: Der Entscheid der Baselbieter Regierung, am dortigen Standort des Kantonsspitals Baselland (KSBL) ein Referenzspital einzurichten, in welchem ausschliesslich mit dem Virus Infizierte behandelt werden, ist schweizweit auf Interesse gestossen. Durch die zentralisierte Behandlung positiv getesteter Personen wird die Ansteckungsgefahr für Patienten und das Gesundheitsfachpersonal anderer medizinischer Bereiche vermindert. Zudem können in einem Coronaspital Personal und Material gebündelt werden.

Im Zuge der Lockerungen und rückläufiger Ansteckungszahlen wird das Bruderholz derzeit stufenweise in den Normalbetrieb zurückgefahren, wobei weiterhin zehn Beatmungsplätze und 50 Betten für Coronapatienten zur Verfügung stehen.

Parallele Strukturen nicht in der Notlage verändern

Im Hintergrund wurde zuletzt aber auch eine andere Idee heiss diskutiert: Demnach hätte das Bruderholz als gemeinsames Coronaspital von Stadt und Land weitergeführt werden sollen. Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion sowie das Basler Gesundheitsdepartement bestätigten Recherchen der bz. Die Idee wurde allerdings verworfen zu Gunsten der bestehenden Lösung mit Isolierstandorten auf dem Bruderholz und im Universitätsspital Basel.

Die parallelen Strukturen während der Notlage zu verändern, wäre nicht zielführend gewesen, sagt Jürg Sommer, Leiter des Amts für Gesundheit des Kantons Baselland. Der Stadtkanton seinerseits hat sich für ein Verbundkonzept mit mehreren Spitälern entschieden: «Dieses hat sich bewährt», sagt Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements. So könnten etwa coronapositive Onkologiepatienten direkt im Universitäts- oder im privaten Claraspital im Rahmen ihrer onkologischen Behandlung versorgt werden. Auch die altersmedizinisch ausgerichteten Häuser Felix Platter und Adullam hätten in diesem Rahmen optimal zur Bewältigung der Krise beigetragen, sagt Tschudin.

Aus beiden Direktionen heisst es zudem, dass es in einer Notlage angesichts des zeitlichen Drucks zentral sei, jeweils die Bevölkerung des eigenen Kantons bestmöglich zu schützen.

Baselland arbeitete eng mit Solothurn zusammen

Auch wenn es gute Gründe für die Alleingänge gab: Aus Versorgungssicht wäre ein gemeinsames Coronaspital sinnvoll, betont Sommer. So sind auf dem Bruderholz in den letzten Wochen auch Coronapatienten aus den solothurnischen Bezirken Dorneck und Thierstein aufgenommen worden; das Spital Dornach hat das Bruderholz logistisch unterstützt und zudem Baselbieter Patienten in der Grundversorgung übernommen. Auch waren die mobilen Coronatestteams aus dem Baselbiet auch in Alters- und Pflegeheimen im Schwarzbubenland unterwegs. Derart eng war die Zusammenarbeit zwischen beiden Basel in den Krisenwochen erstaunlicherweise nicht.

Das soll sich aber ändern: So seien im Hinblick auf allfällige nächste Pandemien Konzepte für regionale Lösungen vorzubereiten, sagt Sommer. Darauf habe man sich mit den Verantwortlichen in der Abteilung Gesundheitsversorgung des Kantons Basel-Stadt bereits verständigt. «Die Diskussionen dazu sollen sehr bald nach der Akutphase der aktuellen Coronapandemie beginnen», sagt Sommer.

Könnte ein solches Pandemiespital beider Basel auf dem Bruderholz eingerichtet werden? Bekanntlich soll der dortige Spitalstandort im Rahmen der strategischen Neuausrichtung des KSBL («Fokus») zwar grundsätzlich beibehalten, jedoch in ein Zentrum für Orthopädie, Rehabilitation und Altersmedizin mit deutlich weniger stationären Betten als bisher umgebaut werden. Dieses Konzept dürfte indes nur schwer vereinbar sein mit einem Pandemiespital beider Basel, dessen Kapazitäten in der Notlage rasch hochgefahren werden müssten.

Durch die Einrichtung des Referenzspitals auf dem Bruderholz stelle die Umsetzung der Strategie «Fokus» für das KSBL eine Herausforderung dar, räumt Sommer ein. Ebenso vielsagend betont er, dass Konzepte für künftige Pandemien Kapazitätsfragen klären müssten. Was das alles heisst für die Zukunft des Bruderholzspitals, bleibt derzeit schwammig.

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