Dornach

Die bekannteste Hutmacherin der Region nimmt den Hut

«Ich habe keinen Hut-Tick, nur einen Hut-Laden», sagt die Dornacher Hutdesignerin Svanette Belka.

«Ich habe keinen Hut-Tick, nur einen Hut-Laden», sagt die Dornacher Hutdesignerin Svanette Belka.

Svanette Belka ist die bekannteste Hutmacherin der Region. Ihr Stand an der Herbstmesse und am Weihnachtsmarkt ist bekannt. Doch nun verkauft sie ihren Dornacher Laden. Die Einarbeitung ihres Nachfolgers oder ihrer Nachfolgerin ist inklusive.

«Trägt man einen Hut, steht man automatisch aufrechter. Die hängenden Schultern straffen sich, das Selbstbewusstsein wird gleich grösser», weiss Svanette Belka. Seit über 27 Jahren betreibt sie einen Hutladen mit Atelier in Dornach. Die 62-Jährige ist Feuer und Flamme für Kopfbedeckungen aller Art – und das schon seit 45 Jahren.

Svanette Belka ist Hutdesignerin, Verkäuferin und Modeberaterin. Einen Hut verkauft sie nur, wenn sie überzeugt ist, dass er dem Käufer dient. «Es bringt nichts, wenn sich meine Kundinnen einen extravaganten Hut kaufen, den sie dann nie tragen.» Eine Beratung sei inklusive, denn die wenigsten Kunden wüssten, was ihnen wirklich stehe. «Viele Menschen tendieren dazu, einen zu kleinen Hut zu kaufen, weil sie nicht auffallen wollen oder denken, in ihrem Gesicht sei sowieso alles schon zu ‹gross›. «Doch das ist gerade falsch.»

Wenn Belka selbst ohne Hut unterwegs ist, werde sie oft gefragt, weshalb sie denn keinen trage. Manchmal stehe auch ihr nicht der Sinn nach «Hut», denn: «Ich habe keinen Hut-Tick, nur einen Hut-Laden», sagt sie und lacht dazu.

Alle kennen ihren Herbschtmäss-Stand

Vor genau 30 Jahren stellte Svanette während der Herbstmesse zum ersten Mal ihren Hutstand auf dem Petersplatz in Basel auf. Es gibt wohl kaum einen Marktbesucher, der dieses Hutparadies gegenüber dem Eingang der Universität Basel nicht kennt. Und viele werden sich genau da den einen oder anderen Kopfschmuck aufgesetzt und gekauft haben.

Acht Jahre später, 1998, folgte der Basler Weihnachtsmarkt. Doch ihr Stand entsprach so gar nicht dem, was sich die ‹Marktpolizei› gewohnt war. «Meinen Stand dekorierten wir damals als Erste auch oben auf dem Dach weihnächtlich. Kaum hatten wir ihn aufgebaut, da kam die ‹Marktpolizei› und teilte mir schroff mit, dass ich diesen Stand so nicht aufbauen könne.» Zu pompös, zu auffällig und nicht regelkonform; so argumentierte der Aufseher, und Belka musste die selbst gebastelte Dekoration wieder abmontieren.

Doch bereits im Jahr darauf lockerten die Verantwortlichen die Bestimmungen, üppige Stände wurden ein Muss, denn: «Ich habe mit dem damaligen Messepapst, wie alle markttreibenden Standinhaber den Marktverantwortlichen nennen, das Gespräch gesucht und darauf hingewiesen, dass jedes Kaufhaus mehr Ambiente hat. Und offenbar hat meine Idee Gefallen gefunden.»

«Jeder und jede soll bei mir einkaufen können»

Heute blickt die sympathische Frau mit dem ansteckenden Lachen auf ein wahres Lebenswerk zurück. Nur wenige Geschäfte mit einem derart spezifischen Angebot überleben über vier Jahrzehnte lang. «Es ist nicht ganz einfach, ein solches Geschäft zu betreiben», gibt Svanette Belka zu. Denn Luxusgüter, wie etwa die extravaganten Hüte am Pferderennen in Ascot, sind ihre Sache nicht.

Zwischen 50 und 350 Franken kosten die Hüte und Mützen, die Faszinators und Onko-Caps, von denen Belka einige tausend im Angebot hat. «Ich bin selbst eine Mutter von vier Kindern. Ich hätte mir nie einen teuren Hut leisten können. Deshalb habe ich meine Preise nicht hoch angesetzt – jeder und jede soll bei mir einkaufen können.»

Nachfolger benötigt genügend Energie und Freude

Anfang des Jahres hat sich Svanette Belka entschieden, für ihren Laden einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu suchen. Die 62-Jährige sagt von sich, altershalber nicht mehr genug Energie für den Laden zu haben. Kaum zu glauben, denn die Hutspezialistin strahlt noch immer voller Begeisterung, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt; ja, sie kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Ihre kommunikative Art sei vermutlich ihrer Hyperaktivitätsstörung ADHS geschuldet, wie sie offen erzählt.

Die Diagnose erhielt Belka erst mit 50 Jahren, als sie nach ihrem letzten Weihnachtsmarkt ein Burn-out erlitt. «Deshalb möchte ich nun kürzertreten und zur Ruhe kommen.» Sie wünsche sich eine jüngere Person, die genug Energie und Motivation mitbringe, den Laden zu übernehmen – die Einarbeitungszeit durch Svanette Belka ist inklusive. «Man muss wirklich keine Vorkenntnisse mitbringen – etwas Kreativität und Freude am Metier reichen», ist Belka überzeugt.

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