Schnitzelbänke oder Obestreich? Das war am Fasnachtsmontag in Liestal die Gewissensfrage. So oder so war es ein Kulissenwechsel und Abschied nehmen von der grossen Bühne des Sonntags. Nach dem imposanten Umzug und dem spektakulären Chienbäse hiess es noch vor der Dämmerung: hinein in die gute Stube zu den Schnitzelbänklern. Die grosse Masse – und das war bei dieser Saukälte halt doch der Normalfall – verzog sich in die neun Beizen und drei Cliquenkeller. Und selbstredend war es überall gerammelt voll.

Dort unterhielten nach einem zeitlich schön abgestimmten Plan die 15 Schnitzelbankgruppen das Volk mit gut dosiertem, deftigem Witz und erfrischendem Humor.

Pegoraro und Constantin

An den Liestaler Schnitzelbänklern kommt keiner vorbei. Sie registrieren gesellschaftskritisch alles Kuriose, alle Ungereimtheiten und alle Schandtaten. Und wehe, wer im Verlauf des vergangenen Jahres damit die Gemüter erhitzte, so wie etwa Sabine Pegoraro oder Christian Constantin, wurde gnadenlos in die Pfanne gehauen. Die meisten taten das mit gut gereimten und pointierten Versen und feinsinnigem Humor. Einige wenige blieben aber beim biederen Mittelmass und liessen in ihren Vorträgen nebst der Musikalität das Bissige und das Originelle vermissen.

Allgemein ganz stark waren die fantasievoll gestalteten Helgen. Einmal mehr war das letztjährige Geschehen eine wahre Fundgrube, in der die Schnitzelbänkler nach allem wühlten, das sich durch den Kakao ziehen lässt. Die Freude über solches Tun drückte das Frauen-Duo Chalte Kaffi in ihrem Refrain dann so aus:

Mir si so glücklich Trallalla,
überall d Schnuure dinne z ha!

Und so machen sich die zwei kecken Frauen trotz Sanierung der Rathausstrasse inklusive Sitzbänken auch über das nach wie vor verschlafene Liestal lustig:

Die neu Rothuusstrooss duet nid mehr Lüt aa locke,
zum warte bis öppis lauft, chasch aber hocke.

Sabine Pegoraro hockt auch in Liestal, aber auf dem Regierungsratssitz. Und das tut sie nach der Meinung der Rotznaase schon viel zu lange:

As Basel Stadt am Ott duet pickle,
isch, will die sich no müen entwickle.
Ganz fein wär, Basel hätt – das isch klaro,
grad no Platz für d Pegoraro!

Mehr Verständnis zeigen diese Frechmäuler dann aber für den Ausrutscher des FC-Sion-Präsidenten Christian Constantin gegen Rolf Fringer:

Mer chas verstoh – denn im Vertraue –
wär möchte nit moll e Zürcher haue.

Und nochmals zu Frau Pegoraro, eine der beliebtesten diesjährigen Zielscheiben der Schnitzelbänkler. Auf die dubiosen Geschäfte mit den ausrangierten Autos in der Baudirektion stichelt dr Hampe vo Kleihünige ganz sarkastisch:

Dr Sabine Pegoraro, Du, das mues ich scho betone,
kauf ich alles ab, am liebschte Auti-Occasione.

Das war zu erwarten – die Sissacher Metzgete ist ein willkommener Fasnachtsknüller. Dazu will auch Schnitzel Fritz, der Meisterkoch mit Schweinekopf und Speisekarte als Helgen, etwas sagen:

Ich bi tapfer und behärzt, und schüüch kei Risiko.
Doch sit däm Herbscht trau i mi nümm als Sau uf Sissach z goh.

Und im Menü «Haute Cuisine» nimmt er sich Lukas Ott zur Brust:

Lohsch d Rothuusstrooss total uffbickle,
längt das zum uf Basel go d Stadt entwickle.

Frecher gehts nicht – Chapeau! Dem steht Muser Schang in nichts nach. Hier seine Meinung zum Frauenfussball, der ihn so entzückt:

…und au, will mes as Ma natürlig jo no so guet verstoht,
dass die im Goal au zwüschenine mol eine ynelot!

Bleiben wir beim Fussball. Da hat sich bekanntlich ein Schiedsrichter als schwul geoutet und ist voll akzeptiert. Dazu der etwas schlüpfrige Kommentar der Verbissene:

Als Schiri ischs logisch nöime dure,
dört hesch ständig e Pfyffe in dr Schnuure!

Weiter ging es mit der #metoo-Problematik. Da gibt Baschi dr armi Maa unmissverständlich die Devise heraus:

E hübschi Frau im Minirock,
die isch tabu du geile Bock!

Alles klar? Die Androhung der Rotstab-Clique, sich wegen der vielen Pöbeleien von der Strassenfasnacht zurückzuziehen, sieht die Chirsizwetschge ganz pragmatisch:

D Rotstab nimmt jetzt schiints dr Huet …also guet.