Gymnasium Laufen

Die bilinguale Matura ist eine Idee, die Schule machen soll

Im Gymnasium Porrentruy verbringen die Schülerinnen und Schüler die beiden letzten Jahre der vierjährigen bilingualenMaturität. Martin töngi

Im Gymnasium Porrentruy verbringen die Schülerinnen und Schüler die beiden letzten Jahre der vierjährigen bilingualenMaturität. Martin töngi

Seit Sommer 2012 bieten das Gymnasium Laufental-Thierstein und das Lycée cantonal de Porrentruy eine gemeinsame zweisprachigen Matur an. Der Besuch bei einer Klasse in Porrentruy zeigt: Das Konzept erfreut sich bei den Schülern grosser Beliebtheit.

Im wohl ungewöhnlichsten Prüfungsraum der Schweiz herrschte in den vergangenen Tagen höchste Konzentration. Wo sich früher während Jahrhunderten die Glaubensbrüder zum Gebet getroffen haben, liefen die Kugelschreiber heiss. An den Tischen in der imposanten Kirche des ehemaligen Jesuitenkollegs schrieben Maturandinnen und Maturanden ihre Abschlusstests. Hier, am Südhang der Altstadt von Porrentruy, befindet sich seit der Kantonsgründung im Jahr 1979 das öffentliche Gymnasium des Juras.

Die Prüflinge in den altehrwürdigen Gemäuern waren die ersten, die eine zweisprachige bikantonale Matur in Angriff genommen haben. Seit dem August 2012 bietet das Gymnasium Porrentruy gemeinsam mit demjenigen in Laufen den beliebten Ausbildungsgang an. Das landesweit einzigartige Projekt erfreut sich einer grossen Nachfrage. Jedes Jahr finden sich weit mehr Interessenten, als Plätze in der bilingualen Klasse vorhanden sind. Es gibt derzeit Überlegungen, die Anzahl der Klassen pro Jahrgang auf zwei zu erhöhen. So könnten künftig mehr Schüler aus dem Gymi Laufen das Angebot in Anspruch nehmen, als deren zehn, welche die Prüfungen hinter sich haben und momentan auf die Ergebnisse warten.

Schüler bilden Sprach-Tandems

Die ersten beiden Schuljahre verbringen die Jugendlichen in Laufen, die letzten zwei im 46 Kilometer entfernten Porrentruy. Eine Klasse besteht je zur Hälfte aus Schülern des Regionalen Gymnasiums Laufental-Thierstein und des Gymnasiums Porrentruy. «Bei der Auswahl der Gymnasiasten lassen wir nicht nur die Noten entscheiden», erklärt Jean-Marc Scherrer, Rektor des Lycée cantonal de Porrentruy. Gleich wichtig sei es, sich zu trauen, vor den Mitschülerinnen und Mitschülern in einer Fremdsprache zu reden.

Der Unterricht in Laufen findet grösstenteils auf Deutsch, der in Porrentruy vorwiegend auf Französisch statt. Die meisten Lektionen hat die gesamte Klasse gemeinsam, jeweils die Hälfte der Gymnasiasten nicht in der eigenen Muttersprache. «Während den vier Jahren eignen sich die Schüler ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse an», sagt Rektor Scherrer, der mit seinem Laufner Amtskollegen Isidor Huber in regem Austausch steht.

Zu Beginn der vierjährigen Ausbildung schliesst sich jeweils ein Schüler aus dem Laufental oder dem Schwarzbubenland mit einem aus dem Kanton Jura zu einem Sprach-Tandem zusammen. «Mit unserem Partner unterhalten wir uns ausschliesslich in der Fremdsprache», sagt Raphael Thomann aus Röschenz, der in einem Jahr in Porrentruy seine Maturprüfungen ablegen wird. Das habe den Vorteil, dass man sich direkt korrigieren könne und sich auf diese Weise der Lerneffekt erhöhe. «Auch wenn abstrakte Fächer wie Mathematik oder Chemie in französischer Sprache noch anspruchsvoller sind, habe ich die Herausforderung gerne angenommen.» Bis anhin habe er es nicht bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

Eine Laufentalerin betont wiederum, dass sie das Fach Französisch während der Zeit im Progymnasium gar nicht mochte. «Ich habe mich trotzdem für eine bilinguale Maturität entschieden, weil ich neue Leute und eine neue Region kennenlernen wollte.» Nicht ganz unschuldig am Entschluss sei die kürzere Schulzeit gewesen, gibt sie zu. Die bikantonale Ausbildung beginnt schon nach dem 8. Schuljahr, weshalb die Gymnasiasten ein halbes Jahr weniger lang die Schulbank drücken als im Baselbiet.

Diplomat, Anwalt, Lehrer

Seit vergangenem August fährt Raphael Thomann zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Gymnasium Laufen jeden Tag mit dem Regionalzug nach Porrentruy. Während den fast zwei Stunden im Bummler lernen die Jugendlichen nicht nur die Landschaft des Juras, sondern vor allem einander besser kennen. «Da wir viel Zeit miteinander verbringen, sind wir uns näher als Gymnasiasten in anderen Klassen», stellt der Röschenzer fest. Der Zusammenhalt untereinander sei gross – auch zwischen den frankophonen und den deutschsprachigen Schülern. Das liege nicht zuletzt daran, dass die allen gemeinsame Schwierigkeit, sich in einer Fremdsprache auszudrücken, zusammenschweisse.

Zuvor waren es zwei Jahre lang seine jurassischen Mitschüler gewesen, die ins Laufental pendelten. Während ihrer Zeit im Baselbiet habe sie einige kulturelle Unterschiede festgestellt, erklärt Tiffany Péquignot aus der 1000-Seelen-Gemeinde Cornol nahe Porrentruy. Als erstes fallen ihr die Älpler-Makronen ein, die sie im Jura noch nie gegessen hatte. Ebenso sei ihr aufgefallen, dass die Schüler ihre Lehrer in Laufen respektvoller behandeln als in Porrentruy. Dafür seien die Jurassier grundsätzlich offener und weniger verkrampft als die Baselbieter, entgegnen einige Laufentaler.

Der Hauptgrund für Tiffany Péquignot, eine bilinguale Matur zu absolvieren, sei die Fremdsprache gewesen, sagt sie in fast perfektem Deutsch. Nach dem Abschluss habe sie vor, an der Universität Basel ein Medizinstudium zu beginnen. Andere Karrierewünsche der Schülerinnen und Schüler des zweiten Jahrgangs der zweisprachigen bikantonalen Maturität sind Diplomat und Anwalt. Allesamt Berufe, bei denen es von Vorteil ist, mehrsprachig zu sein.

An ihren Sprachkenntnissen können die Schüler auch in der hervorragend ausgestatteten Bibliothek des Gymnasiums Porrentruy feilen. Im Vergleich zur Jesuitenkirche aus dem frühen 17. Jahrhundert ist diese, wie auch das gesamte Schulhaus, nämlich hochmodern.

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