Im Vorfeld herrschten vielleicht leise Zweifel, ob das Thema Fluglärm immer noch bewegt. Jedenfalls buchten die Grünen Binningen für ihre Veranstaltung nicht den Kronenmattsaal, sondern die kleinere Aula des Margarethenschulhauses. Dann mussten die Organisatoren doch noch Stühle auftreiben.

Rund 50 Interessierte fanden sich am Donnerstagabend in der Aula ein – unter ihnen die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Maya Graf. Die Grünen präsentierten eine Petition mit dem Titel «Rückverschiebung der Start-Flugrouten in unbesiedeltes Gebiet und gleiche Finanzierung von Lärmschutzmassnahmen bei uns wie in Frankreich».

Die Bereitschaft zur Unterschrift bei den Anwesenden war verständlicherweise sehr hoch. Zuvor hatte Maya Grafs Parteikollege und Landrat Klaus Kirchmayr die Anwesenden mit «Liebe Fluglärmgeplagte» begrüsst. Kirchmayr übergab das Zepter aber rasch an «vier superkompetente Frauen», wie er sagte. Sie thematisierten in kurzen Vorträgen diverse Aspekte des Fluglärms.

Den Anfang machte Rahel Bänziger, «unsere Madame Fluglärm im Landrat», wie Kirchmayr die Binningerin bezeichnete. Sie orientierte darüber, was sich in den vergangenen Jahren geändert hatte, welche Vorstösse im Landrat behandelt wurden und was die wichtigsten politischen Forderungen sind. Kurzzeitig liess Bänziger auch ihrem Frust über die Fluglärmkommission freien Lauf: «Ihre Aufgabe ist die Verminderung des Fluglärms, doch jedes Jahr bekommen wir nur einen ‹Lärm-Rechtfertigungs-Bericht› zu hören!»

Im zweiten Teil orientierte Bettina Wölnerhanssen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm. Die Chirurgin erklärte, dass das Ohr das einzige Sinnesorgan ist, das nie «schläft». Dazu machte sie deutlich, dass ein erhöhter Dauerschall- und Maximalpegel gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben können. «Man muss beide reduzieren, der Durchschnittswert allein reicht nicht», hielt Wölnerhanssen fest. Dazu rief sie in Erinnerung, dass Folgeerkrankungen von Fluglärm «sehr teuer» sind.

«Risikoanalyse wäre fällig»

Als Nächstes war die Reihe an Katrin Joos, welche anhand von Grafiken aufzeigte, wie sich der Fluglärm in den letzten Jahren in die Schweiz verschoben hat. «Es ist massiv schlimmer geworden. Dabei ist die Idealroute überall ausserhalb der Landesgrenze», bemerkte die Reinacher Einwohnerrätin. Um eine Veränderung herbeizuführen, sieht die Biologin vor allem einen Weg: Die gleichen Lärmschutzmassnahmen wie in Frankreich. «Fluglärm muss teuer werden für den Euro-Airport!»

Den Abschluss machte Julia Gosteli. Wobei es in Tat und Wahrheit eher die Vorstellung der Website des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD) war. Dort lassen sich die Lärmwerte numerisch und grafisch überprüfen. Zudem gibt es einen direkten Link, um eine Lärmbeschwerde an die zuständigen Stellen abzusetzen. «Schreiben Sie keine Romane», riet die frühere Allschwiler Landrätin, die nun für ein Comeback im Parlament kandidiert und sich regelmässig beschwert. «Ich schreibe nicht mehr ‹mit freundlichen Grüssen› – ‹Gruss› reicht auch!»

Danach kamen die Besucherinnen und Besucher zu Wort. Viele bestätigten das Gehörte, manche hielten ihre Wut auf nichtssagende Standard-Beschwerdeantworten nicht zurück. «Die Bevölkerung fühlt sich nicht ernst genommen», klagte ein Mann. Dazu wurden die Stichworte Flugsicherheit und Luftverschmutzung aufgegriffen. «Auch aus diesen Gründen ist eine neue Risikoanalyse längst fällig – die letzte datiert aus dem Jahr 2001», so Rahel Bänziger.