Aesch/Reinach

Die Birsstadt wird Realität

Wolkenkratzer und viel Freifläche: Das jetzige Industrieareal soll sich in hochwertigen Wohn- und Gewerberaum verwandeln. Visualisierung/ZVG

Wolkenkratzer und viel Freifläche: Das jetzige Industrieareal soll sich in hochwertigen Wohn- und Gewerberaum verwandeln. Visualisierung/ZVG

Auf dem Stöcklin-Areal im Grenzgebiet zwischen Reinach und Aesch entstehen 270 neue Wohnungen.

Wenn es ein Projekt gibt, das geradezu exemplarisch für die Kooperation zwischen den Birstal-Gemeinden steht, dann ist dies zweifelsohne die Quartierplanung Stöcklin. Auf dem Industrieareal zwischen Reinacher Heide, Birs und Neu-Aesch soll eine moderne Überbauung mit 270 Wohnungen sowie Dienstleistungs- und Gewerbeflächen entstehen. So will es die Grundeigentümerin, die Stöcklin AG, die ihre Produktion nach über 80 Jahren vom Standort abzieht und an einen noch unbekannten Ort in der Nordwestschweiz verlagert.

«Das Areal ist schon sehr alt, und die Infrastruktur eignet sich nicht mehr für ein effizientes Wirtschaften. Also haben wir bereits 2011 mit der Planung für die Umnutzung des Areals begonnen», sagt Firmenchef Urs Grütter. Eine international besetzte Jury beurteilte daraufhin im Auftrag der Stöcklin AG die Projekteingaben. Den Zuschlag erhielt schliesslich das Zürcher Architekturbüro E2A Architects.

Da dass Areal genau auf der Grenze zwischen Reinach und Aesch liegt, sind beide Gemeinden in das Planungsverfahren involviert. Der vorliegende Quartierplanentwurf wurde der Bevölkerung an einer Informationsveranstaltung am Montagabend in Aesch vorgestellt.

Hochhäuser an der Birs

Die Zahlen sind beachtlich: Die gesamte Überbauung umfasst eine Bruttogeschossfläche von 56’800 Quadratmetern. Davon entfallen zwei Drittel auf den Bereich Wohnen und ein Drittel auf Dienstleistungs- und Gewerbeflächen. Letztere wird unter anderem die Stöcklin AG belegen, die einen Teil ihrer Büros auf dem Areal lässt. Der Plan sieht Gebäude verschiedener Höhekategorien vor. Richtung Birs sollen drei zehn- bis zwölfgeschossige Hochhäuser entstehen, die ein markantes Zeichen am Arealzugang setzen und vorwiegend zum Wohnen gedacht sind.

An der verkehrsintensiven und entsprechend lärmbelasteten Bruggstrasse soll hingegen ein Dienstleistungstrakt errichtet werden. Die Verdichtung führt dazu, dass gerade mal 30 Prozent des Areals verbaut werden. Der grosse Rest dient als Grünfläche und öffentliche Begegnungszone. Im Zentrum des Areals ist beispielsweise eine Parkanlage mit Spielplätzen vorgesehen. Hinzu kommt eine Tiefgarage, die einen Grossteil der geplanten 416 Parkplätze auf dem Areal bereitstellt.

Tramlinie Dornach–Reinach?

Es scheint also nicht untertrieben, wenn Aeschs Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger an der Infoveranstaltung von einem «Leuchtturmprojekt» sprach. Jedoch besteht in manchen Punkten noch Klärungsbedarf. So sieht der Kanton einen neuen ÖV-Korridor am Südrand des Areals vor. Dieser könnte dereinst von Bussen oder gar einer Tramlinie befahren werden. Für Letztere wäre eine zusätzliche Brücke über die Birs nötig. Die Birsstadt-Gemeinden bevorzugten hingegen eine Tramlinie über die Bruggstrasse, sagt der Reinacher Gemeindepräsident Urs Hintermann.

Auch ist noch unklar, wo die Kinder aus der Überbauung zur Schule gehen werden. Hollinger plädiert für eine pragmatische Lösung: «Gemeindegrenzen spielen keine Rolle. Die Kinder sollen diejenige Schule besuchen, die am besten erreichbar ist.» Das nächstgelegene Schulhaus wäre in diesem Fall die Schützenmattschule in Aesch. «Vielleicht gibt es dereinst mal eine Schulklasse mehr, aber darauf sind wir gut vorbereitet», sagt die Gemeindepräsidentin.

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