Übernahme

Die Credit Suisse kauft das Lüdin-Areal mitten in Liestal

Das von einem CS-Fonds gekaufte Areal umfasst das Geviert zwischen den Strassen und unterhalb der Bäume links. (Archivbild)

Das von einem CS-Fonds gekaufte Areal umfasst das Geviert zwischen den Strassen und unterhalb der Bäume links. (Archivbild)

Die neue Eigentümerin will als nächstes einen Architekturwettbewerb für die geplante Neuüberbauung durchführen.

Plötzlich ging alles viel schneller als angedacht: Unmittelbar vor Weihnachten verkaufte die Lüdin AG unter Verwaltungsratspräsident Mathis Lüdin ihr Areal an bester Lage am unteren Altstadtrand von Liestal an einen Immobilienfonds der Credit Suisse (CS). Und auf Ende Jahr übernahmen die Brüder Gilbert und Philipp Hammel alle Aktien der Lüdin AG.

Insbesondere der Areal-Verkauf ist von übergeordneter Bedeutung für Liestal. Denn auf den 5200 Quadratmetern im Geviert Schützenstrasse-Rheinstrasse-Bahnhofstrasse wird schon seit längerem an einer Neuüberbauung geplant. Und Mathis Lüdins ursprüngliche Absicht lautete, das Areal mit einem fertigen Projekt zu verkaufen.

Doch davon ist man im Moment noch ein grosses Stück entfernt. Wieso dann der überraschende Verkauf? Lüdin: «Wir sind beim Workshop mit der Stadt, dem Kanton und dem Denkmalschutz nicht vorwärtsgekommen. Vor allem der Kopfbau an der Rheinstrasse war eine Knacknuss, weil Stadt und Denkmalschutz diesen erhalten, wir ihn aber wegen seines grossen baulichen Sanierungsbedarfs abreissen wollten.»

Man habe deshalb früher als geplant drei Kaufofferten eingeholt, wobei die CS klar das beste Angebot gemacht habe. Der Handwechsel sei dann innerhalb von knapp zwei Monaten über die Bühne gegangen. Der Vorteil dieser Lösung sei, dass der Investor nun selber mit den Behörden verhandeln könne. Und Lüdin ergänzt: «Die CS hat dabei sicher mehr Gewicht als wir.»

Gereizt habe die CS respektive ihren Fonds am Areal die zentrale Lage, die sehr gute Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr und das Entwicklungspotenzial, sagt Frank Krischan von CS Asset Management. Als nächste Schritte erfolgten nun ein Architekturwettbewerb und die Ausarbeitung des Quartierplans. Zum Terminplan – ursprünglich ging man von einem Abriss der bestehenden Gebäude und einem Baubeginn im Jahr 2023 aus – will sich Krischan nicht äussern. Ebenso wenig zum Projekt und dessen Kosten. Laut Mathis Lüdin steht immer noch eine dreigliedrige Überbauung mit Wohnungen, Gewerbe und Grünflächen im Vordergrund. Vor ein paar Jahren wurde die Investitionssumme auf 60 bis 70 Millionen Franken geschätzt. Neu ins Projekt integriert wird das ehemalige Café Graber an der Kantonalbank-Kreuzung. Die Besitzer haben es offenbar ebenfalls an die CS verkauft.

Weniger relevant, aber historisch trotzdem von einer gewissen Bedeutung ist der Verkauf der Firma Lüdin AG. Denn dieses 93 Jahre alte Unternehmen war zu seiner Blütezeit für Liestal und die Region sehr wichtig: Die Lüdin AG war bis 2007 Herausgeberin der Basellandschaftlichen Zeitung, betrieb eine Druckerei und führte ein weit über Liestal hinaus bekanntes Geschäft mit Papeterie, Buchhandlung und Fotoabteilung. Heute besteht die Firma noch aus einer Digitaldruckerei mit vier Mitarbeitern, einem Mehrfamilienhaus an der Rosenstrasse und 20 Parkplätzen in einer Tiefgarage.

Lüdin AG ist nun Vehikel für Firmenzukäufe

Gilbert Hammel, der schon vor dem Kauf der Firma in deren Verwaltungsrat sass, begründet die Übernahme so: «Wir sind strategische Opportunisten. Es war der richtige Zeitpunkt für die richtige Sache.» Nachdem klar geworden sei, dass das Areal an die CS verkauft würde, habe die Frage geheissen: die Firma liquidieren oder weiterführen? Aus steuerlichen Gründen habe man sich für die Weiterführung entschieden. Er und sein Bruder würden nun die Mittel, die im Unternehmen noch vorhanden seien, für weitere Firmenkäufe oder Beteiligungen nutzen.

Die neuen Besitzer haben sich vertraglich verpflichtet, den Digitaldruck noch bis Ende 2022 am bisherigen Standort an der Schützenstrasse weiter zu betreiben. Ebenfalls vertraglich vereinbart wurde, dass über den Verkauf der Lüdin AG sowie von deren Areal Stillschweigen bewahrt wird.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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